Volltextsuche über das Angebot:

19 ° / 6 ° wolkig

Navigation:
Eine Stadtallendorferin in Wiesbaden

Landtagsabgeordnete Eine Stadtallendorferin in Wiesbaden

Den Landtag hat sie bisher nur von außen gesehen. Doch das wird sich ab Dezember ändern. Dann übernimmt Handan Özgüven in Wiesbaden das Mandat von Dr. Thomas Spies, dem neuen Marburger Oberbürgermeister.

Voriger Artikel
Hunde lernen: Fressbares liegen lassen!
Nächster Artikel
Existiert Gott, muss er Katholik sein

Handan Özgüven ist ab Dezember die SPD-Landtagsabgeordnete im Wahlkreis 13.Foto: Michael Agricola

Stadtallendorf. Unvorbereitet trifft sie der Ruf nicht. Die 41-jährige Rechtsanwältin wusste schon bei der Nominierung, dass sie irgendwann mehr sein könnte als die „pro forma“ gewählte Ersatzkandidatin des Direktkandidaten Dr. Thomas Spies.

„Thomas hat von Beginn an Wert darauf gelegt, dass der Ersatzkandidat im Ernstfall auch wirklich für seine Nachfolge zur Verfügung steht“, sagt die Stadtallendorferin. „Wir haben die Möglichkeiten schon früh durchgespielt, und ich habe das auch schon damals mit meiner Familie besprochen.“

Hätte die SPD nach der Landtagswahl vor zwei Jahren eine Regierung stellen können, wäre es sehr wahrscheinlich gewesen, dass Spies dort ein hohes Amt bekommen hätte. Als Minister hätte er sein Mandat behalten können (so wie es derzeit Finanzminister Dr. Thomas Schäfer von der CDU tut), als Staatssekretär aber nicht.

Nun kommt Handan Özgüven eben nicht auf diesem Weg ins Parlament in Wiesbaden, sondern, weil die Marburger Wähler Spies zum Nachfolger von Egon Vaupel als Marburger Oberbürgermeister gewählt haben. Dass das klappt, davon sei sie schon seit Spies‘ überraschender Kandidatur im Januar fest ausgegangen. Zweifel daran habe sie nie gehabt.

Alltag wird neu strukturiert

So gesehen hat sie sich auch schon seit Jahresbeginn auf die neue Aufgabe vorbereiten können. Der Alltag muss natürlich völlig neu strukturiert werden. Bisher hat die Mutter eines zwölfjährigen Sohnes gemeinsam mit ihrem Mann in der Kanzlei nur wenige Minuten vom Wohnhaus entfernt gearbeitet. Das wird in den Parlamentswochen nun anders sein. „Ich will aber auch von Wiesbaden abends möglichst immer nach Hause kommen“, hat sich Handan Özgüven vorgenommen.

Ihr Mann Senol, ein gebürtiger Stadtallendorfer, wird beruflich und familiär einiges abfangen müssen, wenn seine Frau den Job in Wiesbaden antritt. „Mein Mann steht zu 100 Prozent hinter mir“, weiß die 42-Jährige aber, dass sie sich auf ihn verlassen kann. In speziellen Fällen will die auf Familienrecht spezialisierte Anwältin auch weiterhin ihren Klienten zur Seite stehen, den größten Teil der Arbeit in der kleinen Rechtsanwaltspraxis wird in den nächsten knapp drei Jahren aber ihr Mann übernehmen.

Welche Schwerpunkte sie in der Parlamentsarbeit setzen kann, wird sich noch zeigen, Gespräche gab es dazu mit der Fraktion noch nicht. Rechtsfragen, soziale Themen oder auch Integrationspolitik könnte sie sich vorstellen. Viel Wert legt die Juristin auf die Wahlkreisarbeit, sie will im Ostkreis und in Marburg viel unterwegs sein. Schließlich ist sie zwar in Stadtallendorf eine feste Größe in der Kommunalpolitik, darüber hinaus muss sie im Bekanntheitsgrad noch zulegen, wenn sie bei der nächsten Wahl das Direktmandat erneut für die SPD sichern will.

Handan Özgüven wurde in Bensberg bei Bergisch Gladbach geboren, lebte in früher Kindheit drei Jahre lang bei ihren Großeltern im Westen der Türkei. Seit ihrem vierten Lebensjahr ist sie wieder in Deutschland, studierte später in Marburg Jura und absolvierte dort und in Frankfurt die Stationen ihres Referendariats. Seit 1999 lebt die Familie in Stadtallendorf, 2001 machte sie sich mit ihrer Kanzlei in Stadtallendorf selbstständig, zu der später auch ihr Mann Senol als Gesellschafter stieß.

Kommunalpolitisch ist Handan Özgüven seit langem aktiv. 2002 trat sie in die SPD ein, wurde schnell Vorstandsmitglied im Ortsverein und sitzt seit 2006 im Stadtparlament. Im vergangenen Jahr kam sie als Nachrückerin zudem in den Kreistag.

Abseits von Familie, Beruf und Ehrenamt entspannt sich die 42-Jährige gern beim Lesen. Sie singt in einem türkischen Chor und hört außerdem am liebsten türkische klassische Musik. „Das ist so gut wie Yoga“, schwärmt sie von einer Tonkunst, die sie erst als Erwachsene so richtig zu schätzen lernte.

Im stressigen Abgeordnetenamt wird sie solche Entspannungsmomente sicher noch mehr genießen können.

von Michael Agricola

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Marburg

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr