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Eine Schulbildung wie am Fließband

Ringvorlesung Eine Schulbildung wie am Fließband

Immer mehr Stoff in immer weniger Zeit - die Ausbildung in Schule und Studium nähert sich der Fabrikkultur an. Das sagt der renommierte Professor Oskar Negt - und erfährt eine breite Unterstützung.

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Unterricht einmal anders: Mit modernen Lernmethoden bringt Englisch-Lehrerin Ursula Wesemeyer an der Emil-von-Behring-Schule den Kids die Sprache bei und vermittelt neben Wissen auch soziale und emotionale Werte. Foto: Thorsten Richter

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Der deutschlandweit bekannte und geschätzte Soziologe kritisiert vor allem die betriebswirtschaftliche Mentalität des Bildungswesens. Zeitstraffung im Unterricht schade der Persönlichkeitsbildung. Viel Theorie, wenig Praxis. Seine These begründet der 78-Jährige am Donnerstag Abend im Rahmen der Ringvorlesung, die die Lehrer-Gewerkschaft GEW im Marburger Uni-Hörsaal 00/0070 seit Ende vergangenen Jahres ausrichtet. Der Vortrag des Hannoveraners bildet den Abschluss der Reihe zum Titel „Ökonomisierung oder Demokratisierung - Was wird aus unserem Bildungssystem?“.

Im OP-Gespräch kritisiert Negt die fehlende Orientierung und Prägung im Schulsystem. Im Fokus stünde das zielgerichtete Führen in die Berufswelt. Gesellschaftliche Fragen, soziale Bildungsprozesse, die Schaffung von Vorratshaltung für das spätere Leben - das alles tauche nicht mehr auf dem Stundenplan auf. „Alles Gelernte wird nicht sofort angewendet. Schule schafft keinen subjektbezogenen Arbeitsraum.“

Ziel müsse es sein, kognitive, soziale und emotionale Ausbildung zu forcieren. Nur so entstünden Urteilsfähigkeit, Empathie und das Verständnis, mit demokratischen Prozeduren umzugehen.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) kritisiert in erster Linie die fehlende Transparenz des Kultusministeriums. Paradigmenwechsel in Form von curricularen Umwälzungen sollen in aller Stille vollzogen werden, lautet einer der Vorwürfe. Schlagworte wie „Bildungsstandards“, „Kompetenzorientierung“ und „Selbstständige Schule“ klängen zwar gut - mit der Vortragsreihe wollen die Lehrer und Professoren der Erziehungswissenschaften ihre Besorgnis über die Form der Bildungsreformen in Deutschland zum Ausdruck bringen.

„Bildung ist mehr als das bloße Weitergeben von Wissen“, sagt der Marburger GEW-Sprecher Bernd Georgy und lädt alle Interessierten zum Abschlussvortrag von Professor Oskar Negt. Titel: „Emanzipation statt Anpassung: Was müssen Menschen in einer Welt der Umbrüche wissen und können?“. Um 19 Uhr beginnt der Vortrag im Hörsaal 00/0070 der Philipps-Universität (Biegenstraße 14). Der Eintritt ist frei.

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