Volltextsuche über das Angebot:

21 ° / 13 ° Regenschauer

Navigation:
Eine Schall-Oase mitten in der Stadt

Sprachatlas Eine Schall-Oase mitten in der Stadt

Der Umzug in das neue Sprachatlas-Gebäude ist so gut wie abgeschlossen. Die OP durfte schon einmal einen Blick hineinwerfen.

Voriger Artikel
„Wissenschaft lebt von Kritik, nicht von Ignoranz“
Nächster Artikel
Fette Beats und Bowle auf dem Markt

Eine raffiniert verwinkelte Bauarchitektur prägt das Innenleben des Sprach- atlas-Gebäudes. Hier blickt man vom Treppenaufgang im ersten Stock hinunter auf das Foyer.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Hinter dem Haupteingang des neuen Forschungszentrums befindet man sich schon nach wenigen Metern in der neuen Welt der Marburger Sprachforscher, die mit einer kühnen Innenarchitektur beeindruckt und durch eine meterhohe Fensterfront Ausblicke auf den Mühlgraben bietet. Das großzügig gestaltete Foyer im Erdgeschoss bietet auch einen Blick nach oben über drei Ebenen. Unmittelbar neben dem Foyer befindet sich ein Hörsaal, der akustisch betrachtet ein Unikat an der Marburger Universität ist und als eine wahre „Schall-Oase“ mit allen Schikanen der Schalldämmung ausgestattet ist.

„Es ist wohl der Hörsaal mit der besten Akustik an der Uni“, freut sich Professor Jürgen Erich Schmidt, Direktor des Forschungszentrums Deutscher Sprachatlas (DSA).

Der Marburger Sprachatlas ist in sein neues Gebäude umgezogen. OP-Fotograf Thorsten Richter war bei einem ersten Rundgang dabei.

Zur Bildergalerie

Und darauf haben die Sprachwissenschaftler auch im Zuge des Bauprozesses immer wieder nachhaltig gedrungen und dabei auch die beratenden Erkenntnisse eines Akustik-Gutachters mit einbeziehen lassen. Man hört schon beim ganz normalen Sprechen in diesem mit rund 60 Sitzplätzen ausgestatteten Raum, dass die menschliche Stimme hier besonders gut hörbar gemacht wird. Das ist auch deswegen so wichtig, weil die Marburger Sprachforscher hier nicht nur Vorträge planen, sondern sich auch Sprachaufnahmen anhören wollen, bei denen es auf jede Nuance im Tonfall und in der Stimmmodulation ankommt. Es sei bei der Raumgestaltung und Schalldämmung nicht nur um Verstehbarkeit, sondern auch um die Feinheiten im sprachlichen Ausdruck gegangen, fasst Schmidt zusammen. Nebenbei funktioniert die Dämmung des Verkehrslärms von der nahegelegenen Straße am Pilgrimstein so gut, dass man überhaupt nichts von den vorbeifahrenden Autos hört.

Der Hörsaal soll übrigens in der Hälfte der Zeit auch für andere Zwecke der Universität zur Verfügung stehen und könnte eine interessante Alternative zur Alten Aula, bisher der „guten Stube der Universität“ bieten.

Die Räume sind klimatisiert

Auf drei Geschossen und rund 2000 Quadratmetern Fläche ist neben dem Vortragssaal sowie Büro- und Laborräumen auch eine Bibliothek entstanden, die Raum für 30000 Bände gibt. „Es ist alles sehr übersichtlich“, freut sich Bibliothekar Arne Pflüger über sein neues Reich. Dass es hier Spaß macht, zu arbeiten, bestätigt auch der Student Patrick Wickert, der gerade eine Internet-Bibliographie erstellt. Modernste Lagerungsbedingungen gibt es in drei Archiv-Räumen für die „Schätze“ des Forschungszentrums: dazu zählen die Original-Erfassungsbögen von Georg Wenker, der vor mehr als 100 Jahren in Marburg den Grundstein für den deutschen Sprachatlas legte. Auch wichtige Tondokumente (rundes Foto) und großformatige Sprachatlanten zu Sprachen aus aller Welt haben jetzt in dem neuen Gebäude eine angemessene Unterbringung.

Die Räume sind klimatisiert und weisen durchgehend eine Temperatur von 17 Grad sowie 45 Prozent Luftfeuchtigkeit auf. Zudem werden auch ehemalige Aufnahmegeräte der Sprachforscher von damals aufbewahrt, die heutzutage aber nur noch zeitgeschichtlich-dokumentarischen Wert besitzen.

Von der deutlichen Verbesserung gegenüber der Bibliothek im alten Sprachatlas-Gebäude im Hermann-Jacobssohn-Weg ist auch Professor Joachim Herrgen, stellvertretender Direktor des DSA, begeistert.

Seit vier Wochen ist der Umzug abgeschlossen, und das alte Sprachatlas-Gebäude ist nun vollständig geräumt. Nunmehr sind auch die Sprachforscher aus den anderen drei über die ganze Stadt verteilten Uni-Standorten mit in das neue Domizil umgezogen. Insgesamt 50 Mitarbeiter haben nun ihre Büros in den oberen Stockwerken. Besonders wichtig finden es Herrgen und Schmidt, dass die Mitarbeiter aus allen Arbeitsgemeinschaften - von der Erforschung der Regionalsprachen bis hin zu den Neurolinguisten - in dem neuen Bau zusammenkommen und noch viel mehr Möglichkeiten zum Austausch haben.

10,5 Millionen Euro hat der Neubau gekostet. Es war der erste Bau, den die Uni-Bauabteilung aufgrund der Teilbauautonomie in Eigenregie erstellt hat. Eine Einweihung des Baus erfolgt im Mai.

von Manfred Hitzeroth

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr