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Eine Pionierin der Autismusforschung

Zum 100. Geburtstag von Professorin Doris Weber Eine Pionierin der Autismusforschung

Professorin Doris Weber hat viele ihrer Patienten mit Autismus auch nach Beendigung ihrer Tätigkeit weiter betreut.

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Professorin Doris Weber im Jahre 1990.

Quelle: privat

Mabrurg. Sie hat sich durch ihr jahrzehntelanges Wirken an der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie der Philipps Universität, am Institut für ärztlich-pädagogische Jugendhilfe und an der Erziehungsberatungsstelle 
am Ortenberg bleibende Verdienste erworben: Am Samstag feierte Professorin Doris Weber in Marburg ihren 100. Geburtstag. In wissenschaftlicher Hinsicht ist sie die Pionierin der Autismusforschung im deutschen Sprachraum.

Doris Weber wurde in Weidenau/Sieg geboren. Dort besuchte sie auch die Schule und legte das Abitur ab. Das Medizinstudium führte sie an die Universitäten in Freiburg, Danzig, Prag und Marburg. Nach bestandenem Staatsexamen und der Promotion (1947) in Marburg war sie im Jahre 1948 zunächst als unbezahlte Assistentin an der damaligen Nervenklinik tätig.

Im Jahre 1952 erlangte sie die Facharztanerkennung für Psychiatrie und Neurologie und arbeitete in der Folgezeit auf der Kinderstation der Nervenklinik, die 1947 eingerichtet worden war. 1970 habilitierte sie sich für das Fach Kinder-und Jugendpsychiatrie mit dem Thema: „Der frühkindliche Autismus unter dem Aspekt der Entwicklung“. 1971 wurde sie zur Professorin ernannt und leitete das Institut für ärztlich-pädagogische Jugendhilfe bis 1981 und die Erziehungsberatungsstelle des Vereins für Erziehungshilfe bis 1985.

Engagement weit über berufliche Pflichten hinaus

Ihre wissenschaftlichen und klinischen Aktivitäten waren 
durch eine bemerkenswerte 
Kontinuität gekennzeichnet. 
Schwerpunkte waren die Schulphobie, die sie im deutschen Sprachraum erstmalig als eigene Entität abgegrenzt hat, die Schizophrenie des Kindes und Jugendalters und die Anorexia nervosa.

Ihre ganze Liebe und Zuwendung galt aber den Patienten mit Autismus, von denen sie viele, auch nach der Beendigung ihrer beruflichen Tätigkeit, weiterhin betreut hat. Dies geschah hauptsächlich während der ärztlichen Versorgung des Kerstin-Heims, eines Heimes für autistische und geistig behinderte Kinder, das sie seit der Gründung im Jahre 1962 bis 2000 begleitet hat.

Charakteristisch für ihre klinische Tätigkeit war immer der anteilnehmende, warmherzige 
 und verständnisvolle Kontakt zum einzelnen Patienten und seiner Familie. Diese engen Kontakte ermöglichten ihr, auch Aussagen über jahrzehntelange Entwicklungen zu machen. Ein großer Teil der Langzeitbetreuung von Patienten mit Autismus und vor allem ihre Verlaufsuntersuchungen, erfolgten in der Erziehungsberatungsstelle am Ortenberg, in der sie auch nach ihrer Pensionierung noch ein Zimmer hatte.

Was in der Familie, im Freundes- und Kollegenkreis immer mit ihrer Persönlichkeit verbunden bleibt, ist ihre positive 
Lebenseinstellung, ihre mitmenschliche Anteilnahme, ihr feiner Humor und ihre Zuverlässigkeit. Man konnte immer auf sie bauen.

von Helmut Remschmidt

 
Professor Helmut Remschmidt war bis zu seiner Emeritierung 2006 Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie der Philipps-Universität Marburg.
 
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