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Eine Macht im Marburger Fußball

95 Jahre FSV Ockershausen Eine Macht im Marburger Fußball

Vor 95 Jahren wurde der FSV Ockershausen gegründet. Der Verein ist längst untergegangen, seine früheren Spieler treffen sich noch heute.

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In vorbildlicher Haltung schießt Ernst Muth (rechts) in einem Meisterschaftsspiel 1961  aufs Tor.

Quelle: privat

Ockershausen. In Ockershausen gründeten – vornehmlich junge Fußballer und Funktionäre – im Jahre 1920 den Fußballverein „FSV Ockershausen“. Während die Marburger Vereine in dieser Zeit dem westdeutschen Spielverband angehörten, spielten die Ockershäuser unter schwierigen Verhältnissen zunächst im Oberhessischen Spielverband. Das berichtet Reinhold Drusel in seiner Chronik. „Eine wesentliche Leistungssteigerung“, berichtet Drusel weiter,  „verzeichneten die Ockershäuser, als es gelang, die bisher bei den Marburger Vereinen spielenden, guten und erfahrenen Spieler aus Ockershausen, für den Ockershäuser Club zu gewinnen.“

Eine furiose Aufstiegsserie führte den Verein bis in die damalige höchste deutsche Spielklasse, die Gauliga. In dieser Klasse spielte man nun auch erstmals gegen die beiden Marburger Vereine: VfB 05 Marburg und Germania 08 Marburg. Das war die Grundlage für ein überaus „herzliches“ Verhältnis zu den beiden Lokalrivalen. „Am schönsten war es gegen den VfL“, erinnert sich etwa Ernst Muth (85), in den ersten Nachkriegsjahren als linker Läufer in jener Mannschaft aktiv, die den beiden arrivierten Vereinen auf die Pelle rückten.

Lokalderbys fanden vor 4000 bis 5000 Zuschauern statt, auf dem Germanenplatz an der Weintrautstraße, auf dem Platz an der Gisselberger Straße oder am Zwetschenweg.

Mag sein, dass die Erinnerung einiges verklärt, aber für Muth und seine heute noch lebenden Mannschaftskameraden steht nach gut einem halben Jahrhundert fest: „Meistens haben wir gewonnen.“

Aber die Statistik gibt Muth und seinen Kollegen recht: Von den acht Ligabegegnungen zwischen November 1946 und Februar 1950 gewann der FSV Ockershausen fünf, nur zwei gingen an den VfL, eine Begegnung endete 1:1 unentschieden, schreibt Reinhold Drusel. Im Jahr 1961 schlossen sich die Vereine Germania 08 und der FSV Ockershausen zu den Sportfreunden Marburg zusammen. Auch dieser Traditionsverein existiert heute nicht mehr,  die Sportfreunde fusionierten mit Blau-Gelb Marburg und firmieren nun unter „Sportfreunde Blau-Gelb Marburg“.

Nach dem Zusammenschluss zu den Sportfreunden trafen sich die früheren Ockershäuser Spieler zunächst nur noch zu traurigen Anlässen – bei Beerdigungen verstorbener Fußballkameraden.

Das änderte sich 1993, als sich Ernst Muth und Hans Lesch nach der Beerdigung ihres früheren Mitspielers Karl Naumann entschlossen, die ehemaligen Mannschaftskameraden wieder regelmäßig zusammenzutrommeln.
Seitdem trifft sich die Vereinigung ehemaliger Ockershäuser Spieler mehrfach im Jahr, feiert einmal im Jahr ein großes Grillfest und erinnert sich gemeinsam an die alten Zeiten.

Oberbürgermeister überreicht Ehrenurkunde

Und immer wieder beschwören sie ihr Motto, mit dem sie Erfolg hatten: „Elf Freunde müssen es sein, um Siege zu erringen.“

Aus Anlass der Gründung des FSV Ockershausen überreichte Oberbürgermeister Egon Vaupel (Foto unten: Till Conrad) eine Ehrenurkunde an dessen  ehemalige Spieler und dankte ihnen für ihren „vorbildlichen“ Zusammenhalt. Adolf Baumann wurde von dem DFB-Ehrenamtsbeauftragten für seine jahrzehntelange Treue zum FSV Ockershausen ausgezeichnet.

von Till Conrad

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