Volltextsuche über das Angebot:

12 ° / 9 ° Regenschauer

Navigation:
Eine Kultstätte als Quell der Erholung

Durstlöscher Eine Kultstätte als Quell der Erholung

„Forschest, Wandrer, du, wer ich sei und was ich bedeute?“ Die lateinische Inschrift im Schröcker Elisabethbrunnen spricht die Brunnenbesucher direkt an und fordert sie auf, das „schmeichelnde Wellengeriesel“ als Durstlöscher oder Waschgelegenheit zu nutzen.

Voriger Artikel
Afrikafahrer erreichen per Rad ihr Ziel in Kenia
Nächster Artikel
Bauern klammern sich an letzten Strohhalm

Der Elisabethbrunnen bei Schröck wurde 1596 errichtet und war einst eine belebte Wallfahrtsstätte von Elisabeth.

Quelle: Lisa Kroggel

Schröck. Die Gravur in dem 1596 errichteten Brunnen erzählt weiterhin von der Geschichte des Denkmals und von seiner Schönheit inmitten der Natur.

Diese Schönheit entgeht Spaziergängern, die auf dem hübschen runden Plätzchen auf das Denkmal blicken, auf keinen Fall. Aus hellrotem Sandstein gebaut lehnt sich der hohe Brunnen an eine steile Felswand an. Dahinter beginnt erst der Wald, wodurch der saubere Ort angenehm schattig, aber nicht dunkel ist. Rundherum stehen Tische und Bänke aus Stein, die die Schröcker Kolpingfamilie regelmäßig säubert und in Stand hält. „Der Brunnen soll schließlich ein reiner Ort bleiben, und dafür sorgen wir“, sagt Heinrich Nau von der Schröcker Kolpingfamilie.

Über den Brunnen selbst heißt es in der Schröcker Chronik: „Der Bau ist zweigeschossig über einem tonnengewölbten mit Sitzbänken versehenen Raum errichtet, in den die Röhre des Brunnens einmündet. In dem Giebel, der die mit dorischen und ionischen Säulen und Gebälken versehene Mauerfläche bildet, steht das Wappen des Landgrafen.“

Den Elisabethbrunnen ließ Landgraf Ludwig 1596 ursprünglich als „Elisabethborn“ zu Ehren der Heiligen errichten. Das seitdem sprudelnde Quellwasser können durstige Wanderer theoretisch auch heute noch genießen. Zwar hängt ein „Kein Trinkwasser“-Symbol über dem Hahn, aber Nau erklärt: „Es ist gutes Wasser, es wird nur nicht regelmäßig geprüft.“ Vielleicht macht aber auch die Legende, dass schon die heilige Elisabeth aus derselben Quelle geschöpft habe, das kühle Nass so attraktiv. Auch über die besondere Heil- und Reinigungskraft des Wassers wird noch in der Schröcker Chronik von 1976 spekuliert.

Fest steht hingegen, wo die lang verschollene Kreuzkapelle liegt. Seit etwa 1500 existieren schriftliche Nachweise über die Kapelle, die die Stadt Marburg im Laufe des 16. Jahrhunderts teilweise zerstörte und die Steine für andere Bauten, auch für das Rathaus, verwendete. Dann schichtete sich über lange Zeit Erde auf den Mauern auf und die Kapelle geriet in Vergessenheit. 1925 entdeckte ein Schröcker bei Waldarbeiten die Fundamente im Wald oberhalb des Brunnens. Der Elisabethbrunnen ist als Teil des Elisabethpfads von Eisenach bis zur Elisabethkirche integriert und über mehrere Wanderwege, auch von Sonnenblick aus, zu erwandern. Autofahrer führt die Straße „Zum Elisabethbrunnen“ von Schröck aus zum Ziel.

von Lisa Kroggel

Mehr dazu lesen Sie in der Printausgabe der OP.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Marburg

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr