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Eine Hoffnung namens "rVSV-ZEBOV"

Ebola-Forschung Eine Hoffnung namens "rVSV-ZEBOV"

Kampf gegen Ebola: Die erste Phase der klinischen Studie für einen Impfstoff gegen das tödliche Virus kann beginnen. Tests an Tieren waren bereits erfolgreich.

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Weltweit forschen Wissenschaftler auch unabhängig voneinander an einem Impfstoff gegen das tödliche Ebola-Viorus. Hier hält eine Forscherin in Lausanne eine Probe in der Hand.

Quelle: Jean-Christophe Bott

Marburg. Kampf gegen Ebola: Die erste Phase der klinischen Studie für einen Impfstoff gegen das tödliche Virus kann beginnen.
Auf diesen Impfstoff hofft die Welt: In Deutschland haben Forscher am Montag mit einer klinischen Studie zur Erforschung von Wirksamkeit und Risiken eines Impfstoffs begonnen. Er rechnet damit, sagt Professor Stephan Becker, der Leiter des Instituts für Virologie an der Marburger Philipps-Universität, „dass wir wenige Monate nach Studienbeginn alle notwendigen Daten zusammen haben, um zu beurteilen, ob die klinische Entwicklung fortgeführt und ausgeweitet werden kann und dann auch Menschen in den Epidemie-Gebieten geimpft werden können.“

Im Hochsicherheitslabor in Marburg werden die serologischen Untersuchungen zu den Studien durchgeführt. Das Blut aller Probanden wird hier unter anderem auf Antikörper untersucht, die im Körper das Ebolavirus erfolgreich bekämpfen. Der Wirkstoff besteht aus einem ungefährlichen Trägervirus, in den ein kleiner Baustein aus dem Ebola-Virus eingebaut ist.

Verläuft alles wie geplant, könnte der Impfstoff etwa ab Herbst 2015 eingesetzt werden – vorausgesetzt, alle Tests verlaufen positiv. Tests an Tieren waren bereits erfolgreich. Der Impfstoff soll nun in den nächsten sechs Monaten an zunächst 30 Freiwilligen getestet werden, teilte das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) am Montag mit. Das UKE hat die Federführung für die Studie.

Forscher halten Gefahr in Deutschland für gering

Unter der Leitung von Becker soll in Marburg die serologische Untersuchung des Blutes stattfinden. Der Impfstoff „rVSV-ZEBOV“ soll bereits nach einer einzigen Dosis schützen. Er habe Potenzial, auch unmittelbar nach einer erfolgten Ebola-Infektion zu wirken, hieß es. „In zahlreichen nicht-klinischen Studien konnten die Vakzine Labortiere vor dem tödlichen Ebola-Virus schützen“, teilte das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) zu dem Impfstoff mit. Das DZIF unterstützt die Studie am UKE. Professor Stephan Becker leitet den Arbeitsschwerpunkt „neu auftretende Infektionskrankheiten“.

In dieser Woche wollen auch Wissenschaftler der Uniklinik Tübingen im zentralafrikanischen Gabun beginnen, das Mittel an Freiwilligen zu testen. Weitere Studien laufen in den USA und sollen auch in der Schweiz starten, hieß es am UKE. Eine Ausbreitung in Deutschland sei praktisch ausgeschlossen, sagte Lars Schaade, Vizepräsident des Robert-Koch-Instituts. Ebola sei nicht über die Luft übertragbar, außerdem seien Patienten während der vergleichsweise langen Inkubationszeit nicht ansteckend.

„Das sind alles Faktoren, die eine Eingrenzung möglich machen.“ Wichtig sei, Kontaktpersonen zu ermitteln und diese dann zu untersuchen. Schaade betonte, in den vergangenen Monaten hätten lediglich drei Ebola-Infizierte das westafrikanische Krisengebiet mit Flugzeugen verlassen – in zwei Fällen Richtung USA, in einem Fall nach Nigeria. „Das ist auf die Zeit betrachtet sehr wenig.“

Zahl der Fälle in Afrika auf 13 268 gestiegen

Helfern, die nach einem Einsatz in Westafrika nach Deutschland zurückkämen, sollte insofern nicht mit „irrationalen Ängsten“ begegnet werden. Deutschland sei mit den insgesamt sieben Sonderisolierstationen „gut aufgestellt“, sagte der Sprecher der Kompetenz- und Behandlungszentren für hochkontagiöse und lebensbedrohliche Erkrankungen (STAKOB) des Robert-Koch-Instituts, René Gottschalk.
Die beginnende Grippesaison und aus Westafrika heimkehrende Helfer werden nach Ansicht der Experten die Zahl der Ebola-Verdachtsfälle in Deutschland steigen lassen. Die Grippe habe ganz ähnliche Symptome wie Ebola. Nach WHO-Angaben vom 7. November ist die Zahl der Ebola-Fälle insgesamt auf 13 268 gestiegen.
Fast 5000 Menschen starben nach den offiziellen Zahlen bisher an der Seuche. Allein in Liberia erkrankten laut WHO 6619 Menschen, 2766 von ihnen starben. Die Epidemie sei dort „alles andere als vorüber“, warnte die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen. Über das ganze Land verteilt komme es zu neuen Krankheitsausbrüchen. „Ein Impfstoff gegen Ebola wäre auf längere Sicht ein Segen für die Menschen in den betroffenen Regionen“, betont deswegen Becker.

von Till Conradund unserer Agentur

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