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Eine Grundlage des Zusammenlebens

„Zusammenleben in einer Multikulti-Gesellschaft“ Eine Grundlage des Zusammenlebens

„Westliche Gesellschaften haben Abschied genommen vom negativen Menschenbild in der Erziehung“, sagt Pädagogik-Professor Dr. Benno Hafeneger.

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Professor Dr. Benno Hafeneger (stehend) sprach über „Anerkennung“ als wichtiger Grundlage für die Multikulti-Gesellschaft.

Quelle: Till Conrad

Marburg. Hafeneger hielt den Auftaktvortrag in der Reihe „Zusammenleben in einer Multikulti-Gesellschaft“, die der Verein „Colloquium“ in diesem Wintersemester auch angesichts der Flüchtlingskrise veranstaltet.

Dem Verein geht es um die Etablierung einer Veranstaltungsform, in der aktuelle Entwicklungen aufgegriffen und analysiert werden, sagte der stellvertretende Vorsitzende Serdar Özsoy vor 40 Zuhörern im vollen Vereinslokal am Hirschberg. Konkret: Wissenschaftler sollten aus den Erkenntnissen ihres Fachgebiets heraus einen Beitrag leisten zur Leitfrage der Veranstaltungsreihe.

„Anerkennung“ als wichtiges Prinzip in der Pädagogik

Wer nun geglaubt hatte, dass sich Hafeneger, einer der profiliertesten Rechtsextremismus-Forscher der Republik, in seinem Vortrag auf die aktuelle Flüchtlingsdiskussion begrenze, sah sich getäuscht. Ihm ging es in seinem Vortrag „Respekt, Zugehörigkeit, Anerkennung“ eher um grundlegende Kategorien in unserer Gesellschaft, „ohne die die Generationenfolge nicht funktionieren kann.“

Hafeneger spricht dabei ungern von „Respekt“, lieber von „Anerkennung“ als wichtigem Prinzip in der Pädagogik. „Anerkennung ist das Bemühen, den anderen so anzunehmen, wie er geworden ist“, fomulierte er. „Nur wenn man dazu in der Lage ist, kann man sich mit dem Anderen auseinandersetzen.“

In Familie und Schule setze sich das Prinzip der Anerkenung langsam durch, glaubt der Pädagoge. Die Erkenntnis „alles was wir sind, ist in der Auseinandersetzung mit anderen Menschen entstanden“ sei ein Leitfaden für das eigene Verhalten anderen gegenüber.

Anerkennung als Schlüssel zur Integration

„Viele Jugendliche, die in extremistischen Gruppen landen, haben eine negative Anerkennungsbilanz vorzuweisen“, berichtet Hafeneger über Ergebnisse seiner Feldforschungen. Anders herum formuliert: „Je mehr positive Anerkennung Menschen zuteil wird, desto größer ist der Beitrag zur Humanisierung der Gesellschaft.“

Und im Übrigen auch zur Integration von Migranten: „Anerkennung heißt in diesem Zusammenhang nicht nur Angebote zum Spracherwerb, schulische und berufliche Integration, sondern vor allem auch die Auseinandersetzung mit ihrer Kultur und ihrer Gesellschaft.“

  • Den nächsten Vortrag in der Reihe „Zusammenleben in einer Multikulti-Gesellschaft“ hält am Donnerstag, 5. November, der Sozialpsychologe Professor Ulrich Wagner über „Fremdenfeindlichkeit“. Beginn: 19 Uhr im Vereinslokal von „Colloquium“, Hirschberg 1.

von Till Conrad

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