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Eine Chance auf bessere Lebensqualität

Ionenstrahltherapie-Zentrum Eine Chance auf bessere Lebensqualität

Die Kinderonkologie in Marburg steht, so formuliert es der Ärztliche Direktor des UKGM, Professor Harald Renz, vor einem „Quantensprung“.

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Professor Dr. Harald Renz (von links), Professorin Dr. Rita Engenhart-Cabillic, Professor Dr. Rolf F. Maier, Professor Dr. Dieter Körholz und Dr. Gunther Weiß berichten über Zukunftsperspektiven in der Behandlung von Krebs bei Kindern.

Quelle: Till Conrad

Marburg. Der erste jugendliche Patient ist am Marburger Ionenstrahltherapie-Zentrum erfolgreich behandelt worden. Der 17-Jährige litt an einem nicht operablen Tumor tief im Zentrum des Gehirns. Bei einer Operation, auch bei einer Bestrahlung mit herkömmlichen Photonen, wären Teile des Hirns irreparabel beschädigt worden.

Der junge Mann, so berichtet Professorin Rita Engenhart-Cabillic, die Direktorin der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie in Marburg, konnte während der Behandlung ganz normal weiter in die Schule gehen; Professorin Engenhart-Cabillic geht davon aus, dass der Patient „gesund wird und auch gesund bleibt“. Spätschäden seien nicht zu erwarten.

Der junge Patient war aus der Sprechstunde des Gießener Kinderonkologen Professor Dieter Körholz zur Behandlung ans MIT überwiesen worden. Körholz ist seit Sommer 2015 in Gießen - und er spielt eine wesentliche Rolle bei der Weiterentwicklung auch der Marburger Kinderonkologie: Im kommenden Monat eröffnet eine kinderonkologische Ambulanz in Marburg, die von Professor Körholz, einem ausgewiesenen Experten für die Behandlung von Tumoren und Sarkomen (bösartige Tumoren in Weichteilen) geleitet wird.

Bestrahlung, die Lebensqualität sichert

Im Mai kommt auch der Kinderchirurg Professor Dr. Guido Seitz nach Marburg. Er nahm den Ruf auf eine neu geschaffene W3-Professur für Kinderonkologische Chirurgie an und verstärkt damit auch das Spezialistenteam der Kinderklinik unter Leitung von Professor Dr. Rolf F. Maier.

Der medizinische Hintergrund für diese personelle Offensive: Für Kinder und Jugendliche gelten sämtliche Tumoren und Sarkome laut Gutachten der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie als „gesicherte Indikation“ für die Bestrahlung mit Protonen oder Ionen, berichtet Professor Körholz.

Eigentlich leicht nachvollziehbar: Gerade für Menschen, die sich noch im Wachstum befinden, ist die Erhaltung gesunden Gewebes von entscheidender Bedeutung für ihre späterer Lebensqualität, sagt Professor Maier. Und das gewährleistet nun einmal die Bestrahlung mit Ionen oder Protonen deutlich besser als die herkömmliche Bestrahlung mit Photonen.

Gerade bei jüngeren Patienten ist es aber mit der Bestrahlung nicht getan, berichtet Professorin Engenhart-Cabillic. Damit sie während der Bestrahlung ruhig sind, müssen sie möglicherweise eine Narkose erhalten - ein Fall künftig für die kinderonkologische Ambulanz, nur wenige hundert Meter vom Marburger Ionenstrahl-Therapiezentrum entfernt. Die kinderonkologische Ambulanz soll aber nicht nur die Wege der jungen Patienten zum Bestrahlungsplatz am MIT verkürzen, sondern auch die engere Zusammenarbeit mit der kinderonkologischen Chirurgie erleichtern, sagt Professor Körholz.

UKGM spielt in Spitzenliga

Wie viele junge Patienten künftig am MIT behandelt werden sollen, darauf wollten sich weder Körholz noch Engenhart-Cabillic festlegen: „Wir behandeln alle, die wollen“, sagt Engenhart-Cabillic. Professor Dieter Körholz blickt schon weit in die Zukunft. „Wir bieten künftig flächendeckend alle Felder der pädiatrischen Onkologie an“, sagt Körholz, der deswegen mit einem „Zuwachs an überregionaler Zuweisung“ rechnet.

Das UKGM spiele im „Kompetenzwettbewerb“ für die Behandlung von Hirntumoren bundesweit in der Spitzenliga. Durch die gleichzeitig mögliche Behandlung von Sarkomen werde diese Spitzenposition noch zementiert, sagte Körholz in einem OP-Hintergrundgespräch.

Als einziger Standort bundesweit kann Marburg, darauf weist Professorin Rita Engenhart-Cabillic hin, vier Behandlungsplätze anbieten, an denen sowohl mit Protonen (zur Behandlung von Tumoren) als auch mit Ionen (zur Bestrahlung von Sarkomen) bestrahlt werden kann.

von Till Conrad

 
Hintergrund
Das Marburger Ionenstrahl-Therapiezentrum (MIT) ist seit Herbst 2015 im Patientenbetrieb. In der Endausbaustufe sollen dort bis zu 750 Patienten jährlich behandelt werden, für das erste Jahr sind 100 behandelte Patienten angepeilt. Nach fünf Monaten Betrieb wurden bisher 40 Patienten behandelt, teilt Dr. Gunther Weiß mit.
 
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