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Eine Art Schnellbus auf die Lahnberge

Seilbahn Eine Art Schnellbus auf die Lahnberge

Die lange umstrittene Seilbahn auf die Lahnberge bleibt politisches Ziel von Bürgermeister Dr. Franz Kahle (Grüne) - aber nicht um jeden Preis.

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Eine Seilbahn über den Blitzweg: Für viele Anwohner eine Horrorvision, für Verkehrsplaner eine Zukunftsvision.

Quelle: Foto: Thorsten Richter, Montage: Nikola Ohlen

Marburg. Eigentlich wollte Kahle im September öffentlicvh machen, wie sich die beauftragte „Planungsgruppe Nord“ (PGN) aus Kassel die künftigen Verkehrsbeziehungen zwischen dem Lahntal und den Lahnbergen vorstellt. Daraus wird nichts, wie der Bürgermeister der OP auf Anfrage berichtete: Nach der internen Vorstellung der Studie in einer Arbeitsgruppe der Stadtverwaltung muss die PGN nachbessern - „das Thema Seilbahn war zu kurz belichtet“, sagt Kahle.

So wird es Oktober, vielleicht November werden, bis die Öffentlichkeit Klarheit hat über die Pläne, die seit Jahren umstritten sind.

Kein touristisches Projekt

Die Stadtverordnetenversammlung hatte 2013 beschlossen, den Bau einer Seilbahn zwischen der Innenstadt und den Lahnbergen umfangreich prüfen zu lassen. Ein Projekt, das seit 2009 schon politisch tot zu sein schien, steht spätestens seit diesem Zeitpunkt wieder auf der politischen Tagesordnung. Auch innerhalb der rot-grünen Koalition ist das Thema alles andere als unumstritten. Eine Resolution gegen den Beschluss gibt es schon, beispielsweise vom SPD-Ortsverein Marburg-Nord.

Kahle spricht denn auch lieber von „Wegebeziehungen“ zwischen dem Lahntal und den Lahnbergen und betont, dass die Anbindung der Lahnberge an die Kernstadt auch eine Herausforderung für den Fahrrad-verkehr wie für den ÖPNV ist. „Mit einer Seilbahn als touristischem Projekt habe ich nichts am Hut“, sagt der Bürgermeister im OP-Gespräch. Er betrachtet die Seilbahn als die beste Möglichkeit, schnell vom Tal auf den Berg zu kommen - mit Fahrrad. Die Stadtwerke-Busse seien für die Mitnahme von Fahrrädern ungeeignet.

Die Seilbahn als eine Art Schnellbus auf die Lahnberge: Für Kahle müssten dafür Rahmenbedingungen erfüllt sein, ohne die das Projekt nicht funktioniere:

  • Die Verbindung macht nur dann Sinn, wenn sie ohne zusätzlichen Parksuchverkehr erreichbar ist - „zusätzliche Parkplätze im Lahntal darf es für dieses Projekt nicht geben“, sagt der Bürgermeister.
  • Damit Pendler von außerhalb schnell zu den Lahnbergen kommen, muss eine Talstation in unmittelbarer Nähe zu einem Zughaltepunkt sein. Studien hätten ergeben, dass Entfernungen von mehr als 400 Metern nicht angenommen werden. Anders formuliert: Mit dem Bau einer Seilbahn stünde ein seit Jahren diskutierter Bahnhof „Marburg-Mitte“ ganz oben auf der Agenda.
  • Investitionskosten von 30 bis 40 Millionen Euro wären „zu 90 bis 95 Prozent förderfähig“, sagt Kahle mit Verweis auf die Bestimmungen „schienengebundener Verkehrssysteme“.

Am wahrscheinlichsten wäre im Falle einer Entscheidung für die Seilbahn eine Trasse, die vom Schülerpark über den Blitzweg in Richtung Spiegelslustturm führen würde, bestätigt Kahle.

Pläne in Hamburg wurden abgelehnt

In Hamburg wurden unterdessen Seilbahnpläne des Senats von den Bürgern in einer Volksabstimmung krachend abgelehnt. Von den 50400 Abstimmenden im Bezirk Hamburg-Mitte votierten 63,4 Prozent gegen die Pläne der privaten Investoren, des Seilbahnbauers Doppelmayr und des Musical-Veranstalters Stage Entertainment.

Sie wird damit nicht gebaut werden, zumal die regierende Hamburger SPD das Projekt ablehnt. Geplant war eine Seilbahn, die auf 80 Meter hohen Stützen vom Heiligengeistfeld in St. Pauli über die Elbe zu den Musicaltheatern im Hafen fahren sollte.

Nicht ohne Zustimmung der Bevölkerung

Kahle weiß das natürlich, und er sagt: „Eine Seilbahn kann man nicht gegen den Willen der Bevölkerung einfach bauen.“ Er setzt auf Überzeugungsarbeit, sobald die Planer - vielleicht im Herbst - auch Detailfragen ­beantworten können. Die „Bürgerinitiative gegen eine Seilbahntrasse in Marburg“ argumentiert auf ihrer Internetpräsenz (www.keine-seilbahn-in-marburg.de) mit Umweltgründen, erheblichen Auswirkungen für das Stadtbild und nennt die Seilbahn auch verkehrspolitisch unsinnig.

Zudem würden Persönlichkeitsrechte beschnitten, befürchten vor allem Anwohner des Blitzwegs. Ihre Grundstücke würden wohl von einer Seilbahn überquert werden.

Natürlich wäre das dünnes rechtliches Eis für die Stadt, weswegen der Bürgermeister verspricht: „Im Rahmen eines Planfeststellungsverfahrens müssten die Anwohner natürlich alle zustimmen - ansonsten können wir das Projekt zu den Akten legen.“

von Till Conrad

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