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Eine Anlaufstelle für Familien

Geburtshaus Marburg Eine Anlaufstelle für Familien

Seit rund 40 Jahren arbeitet Hebamme Margot Hackenberg in ihrem Traumberuf, hat unzählige Neugeborene während ihrer ersten Schritte im Leben begleitet. Vor 20 Jahren gründete sie gemeinsam mit sieben Kolleginnen das Geburtshaus Marburg.

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Kein Beruf, eher eine Berufung: Liebevoll erinnert sich Margot Hackenberg an die zahlreichen Babys, denen sie auf die Welt geholfen hat. Seit mittlerweile 20 Jahren betreut die Hebamme Mütter und Neugeborene im Geburtshaus Marburg.

Quelle: Ina Tannert

Marburg. Schon 20 Jahre ist es her, dass acht engagierte Hebammen mit der Gründung des Geburtshauses Marburg den Grundstein für eine alternative Rundum-Betreuung von Müttern und Neugeborenen legten. Eine davon war Margot Hackenberg.
Die dienstälteste aus dem Hebammenteam im Marburger Geburtshaus hat bereits vor 36 Jahren ihre Berufung gefunden. Geboren wurde sie 1954 im Fichtelgebirge, wuchs im Ruhrgebiet auf und absolvierte eine Krankenpflegeausbildung.

Ihren ursprünglichen Berufswunsch, Medizin zu studieren, gab sie jedoch umgehend auf, nachdem sie im Krankenhaus zum ersten Mal eine Geburt hautnah miterlebte. „Da hat sich alles verändert, da wusste ich: ich will Hebamme werden“, erzählt sie schmunzelnd. Mit 21 Jahren begann sie ihre Ausbildung in Marburg und blieb auch nach ihrem Abschluss in der Universitätsstadt.

Kunstwissenschaft „so nebenbei“ studiert

Ab Mitte der 70er Jahre arbeitete sie in der Marburger Frauenklinik, zwischenzeitlich in Wehrda und Gießen und schloss „so nebenbei“ ihr kunstwissenschaftliches Studium ab, erzählt sie. Ihren Beruf hat sie immer mit ganzem Herzen ausgeführt, trotzdem störte sie der zeitbedingt kurze klinische Ablauf auf der Geburtsstation. Sie wünschte sich einen langfristigen, intensiveren Kontakt mit den Schwangeren und Neugeborenen. „Es fehlte einfach eine Rundum-Betreuung“, erklärt die Geburtshelferin. Dies könne eine Klinik zeitbedingt einfach nicht leisten. Ihr Ziel war es daher, schwangeren Frauen einen anderen Raum, eine Alternative zur klinischen Geburtshilfe zu bieten, verbunden mit einer langfristigen individuellen Betreuung.

Ihren Traum verwirklichte Margot Hackenberg schließlich vor 20 Jahren gemeinsam mit sieben anderen Hebammen aus der Region. In einer Zeit, in der Geburtshäuser als Alternativen zu Kliniken selten vorhanden und noch recht kritisch beäugt wurden, gründeten die Frauen 1994 das Geburtshaus Marburg im Schwanhof. „Wir waren voller Elan, wollten etwas Großes starten“, erinnert sich das letzte verbliebene Gründungsmitglied. „Am Anfang gab es viel Gegenwind, unser Haus musste erst langsam wachsen“, weiß die Hebamme noch gut.

Mit der Zeit etablierte sich das Zentrum als feste Institution in Marburg. Waren es im ersten Jahr noch 40 Neugeborene, kommen im Geburtshaus heute etwa 120 Kinder pro Jahr auf die Welt. Sieben Hebammen begleiten die Frauen und ihre Familien während der gesamten Schwangerschaft und im ersten Lebensjahr der Säuglinge. Nicht ausschließlich die Geburt, die Familie an sich soll im Zentrum der Institution stehen. Innerhalb des umfangreichen Kursangebots treffen die Familien auf Gleichgesinnte, lernen rund um Geburtsvorbereitung, Erste Hilfe, Säuglingspflege, Gymnastik, Yoga für Mutter und Kind oder Elterngruppen den neuen Lebensabschnitt kennen.

„Hebammen mussten schon immer kämpfen“

„Wir sehen uns nicht nur als Geburtshilfe, sondern als Anlaufstelle für Familien“, erklärt Margot Hackenberg. Dies erfordert nicht wenig Einsatz von dem Hebammenteam. Bereitschaftsdienste, Hausbesuche, Tag- und Nachtbetreuung vor Ort, Kurse oder Sprechstunden kosten Zeit, erfordern viel Erfahrung und eine große Leidenschaft für den Beruf.

Diese aufrechterhalten zu können fällt vielen betroffenen Frauen heute nicht leicht. Seit Jahren haben vor allem freiberufliche Hebammen mit unsicheren Arbeitssystemen und steigenden Versicherungsbeiträgen zu kämpfen, viele Geburtshelferinnen mussten ihren Beruf aus Kostengründen bereits aufgeben, trotz steigender Nachfrage. „Hebammen mussten schon immer kämpfen“, weiß Hackenberg. Die 60-Jährige selber möchte so lange weiter arbeiten, wie sie eben kann: „So lange ich die Treppen des Geburtshauses hochkomme, mache ich weiter.“

von Ina Tannert

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