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Eine AG gegen das Vergessen

Stolpersteine Eine AG gegen das Vergessen

Die AG Gedenken der Martin-Luther-Schule (MLS) hat am Montag anlässlich des Jahrestages der Pogromnacht zwei der Stolpersteine ehemaliger Schüler und ihrer Familien geputzt.

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Der Stolperstein von Hermann Jacobsohn war der zweite Gedenkstein, die die Gruppe am Montag besuchte.

Quelle: Rike Werner

Marburg. Die Arbeitsgruppe der AG Gedenken will an die nationalsozialistische Vergangenheit Deutschlands erinnern. „Das Ziel der Aktion ist es, dass wir an diese Menschen denken, dass sie nicht vergessen werden“, sagt Arne Erdmann, der die AG leitet, „Wir wollen dafür sorgen dass Diskriminierung und Verfolgung sich nicht wiederholen“, betont der Lehrer. Gemeinsam mit Barbara Wagner und Thomas Werther von der Marburger Geschichtswerkstatt besuchte die Arbeitsgruppe die Stolpersteine der Familie Reis vor der Friedrichstraße 2 sowie den von Hermann Jacobsohn vor der Schückingstraße 24. An beiden Stationen gab es kurze Erläuterungen über die Hintergründe der Steine.

Währenddessen polierten die Teilnehmer die Steine und legten ein paar Blumen zum Gedenken hin.

„Ich finde, das ist eine sehr schöne Aktion“, sagt die Schülerin Myriel Schiller. „Es ist gut, mal praktisch zu gedenken.“

Ihre Mitschülerinnen stimmen ihr da zu: „Man kommt den Opfern näher“, bestätigt Fiona Bauhofer, die ebenfalls in der Gedenk-AG ist.

Unter dem Begriff Stolpersteine kennt man die Gedenksteine, die an die Opfer des Nationalsozialismus erinnern sollen. Es handelt sich dabei um ein Projekt des Kölner Bildhauers Gunter Demnig, der diese vor den ehemaligen Wohnhäusern der Opfer verlegt. Auf den Messingsteinen sind Name, Geburtsjahr, Tag der Deportation und das Todesdatum eingraviert.

Der jüdische Rechtsanwalt Dr. Hermann Reis besuchte die heutige Martin-Luther-Schule. Er wurde wie auch seine Frau Selma Reis und ihre gemeinsame Tochter Marion Berta Reis 1944 in Auschwitz ermordet.

Hermann Jacobsohn, ein Altphilologe und Universitätsprofessor, nahm sich das Leben, nachdem er aufgrund seiner jüdischen Abstammung vom Staatsdienst ausgeschlossen worden war. Seinem Sohn gelang die Flucht nach England.

Arne Erdmann betont die Wichtigkeit der gelungenen Flucht und nimmt Bezug auf die aktuelle Flüchtlingskrise: „Ich wollte zeigen, wie wichtig es ist, Menschen aus anderen Ländern aufzunehmen.“

von Rike Werner

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