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Eindringliche Warnung vor Waffenexporten

„Deutsche Geschäfte mit dem Tod“ Eindringliche Warnung vor Waffenexporten

Der Rüstungsgegner ­Jürgen Grässlin hielt einen Vortrag im TTZ mit dem Titel „Deutsche Geschäfte mit dem Tod“.

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Marburg. Mehr als 100 Interessierte fanden sich am vergangenen Freitag im Vortragsraum des Technologie- und Tagungszentrums (TTZ) ein, um dem Vortrag mit dem provokanten Titel „Deutsche Geschäfte mit dem Tod“ von Jürgen Grässlin, Deutschlands wohl bekanntestem Rüstungsgegner, zu lauschen. Der Pazifist kämpft bereits seit Jahrzehnten gegen die Rüstungsindustrie – jedoch nicht allein.

„Man kann nicht allein gegen die Rüstungsindustrie­ kämpfen. Man stiftet andere dazu an, mit einem zu kämpfen“, sagte der 58-jährige Pädagoge. Dies schafft er nicht zuletzt mit seinen beiden Werken „Schwarzbuch Waffenhandel“ und „Netzwerk des Todes“, in denen er die Verstrickung Deutschlands im Export der tödlichen Waren aufzeigt.

Als einen großen Teil der Problematik erachtet Grässlin die „Undurchsichtigkeit der Regierung“, wie er es nannte. „Frau Merkel spricht von Fluchtgründen, vergisst dabei aber immer, Rüstungsexport als einen davon zu nennen.“ Sigmar Gabriel habe vor seiner Wahl 2013 verkündet, dass es mit ihm keine Waffenexporte mehr geben werde, aber im Jahr darauf habe sich die Anzahl dieser Geschäfte verdoppelt. Dabei könne man kaum nachvollziehen, in wessen Hände die Waffen letztendlich wandern, denn „Waffen wandern immer zum nächsten Schlachtfeld“, wie Grässlin sagt.

Erschütternde Erfahrungsberichte

Er kritisierte, wie betroffen die Politiker sich zur Zeit des Arabischen Frühlings präsentierten, während der Hersteller Daimler zeitgleich das Gaddafi-Regime mit Panzern und Raketen beliefert habe. In den Golfkriegen seien über Jahrzehnte hinweg die miteinander in Konflikt stehenden Parteien von Deutschland und anderen Staaten aufgerüstet worden, meinte der Referent. Dazu sagte er: „Es gibt für die Rüstungsindustrie drei Gründe, beide Seiten einer Auseinandersetzung zu beliefern: Erstens Profit. Zweitens Profit. Drittens Profit.“

Der Zynismus des Referenten und seine erschütternden Erfahrungsberichte und Bilder, die er aus Kriegsgebieten mitgebracht hat, sollten aber sein Publikum nicht nur entmutigen. Grässlin berichtete auch von Erfolgen – von Klagen, die Waffengeschäften einen Riegel vorgeschoben haben und von Menschen, die Rüstungskonzerne aus Gewissensgründen verlassen hätten.

Zuletzt rief Grässlin seine Zuhörer dazu auf, sich nicht die Demokratie nehmen zu lassen. 83 Prozent aller Deutschen seien laut Umfragen gegen den Export von Waffen. „Wir können nur etwas dagegen tun, wenn wir uns vernetzen. Ich glaube nicht an den Wandel von oben, ich glaube an den Wandel von unten – und das sind wir“, meinte der Vortragende.

von Marie Rentergent

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