Volltextsuche über das Angebot:

26 ° / 10 ° wolkig

Navigation:
Eindringliche Besinnungsstunde

Gedenken an 9. November 1938 Eindringliche Besinnungsstunde

Rund 150 Teilnehmer hatte die Besinnungsstunde im Garten des Gedenkens für die im November 1938 zerstörte Synagoge.

Voriger Artikel
Rettungsassistent hilft Flüchtlingen auf Lesbos
Nächster Artikel
Mittwoch ist die feierliche Eröffnung

Die offizielle Gedenkfeier zur Reichspogromnacht fand am Montag im Garten des Gedenkens in Marburg statt.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. In einem beklemmenden Klagegesang betete Amnon Orbach, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Marburg, für die Seelen der sechs Millionen von den Nationalsozialisten ermordeten Juden.

Der Ruf des gesungenen Gebets hallte weit über den hell erleuchteten abendlichen Gedenkplatz. Dabei nannte Orbach auch die Namen der für diese Vernichtungsaktionen besonders berüchtigten Konzentrationslager wie ­Auschwitz, Treblinka oder Theresienstadt. Ebenso berührend war die musikalische Umrahmung mit dem Song „Hallelujah“.

Die gemeinsame Besinnungsstunde der Stadt Marburg, der Jüdischen Gemeinde und der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit fand an einem besonderen Ort statt: auf dem vor drei Jahren als Gedenkstätte eingeweihten unbebauten Grundstück der im November 1938 bei einem Brandanschlag der Nationalsozialisten zerstörten jüdischen Synagoge.

„Heute ist dieser Ort ein beliebter Treffpunkt geworden“, freute sich Marburgs Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD), dass der Garten des Gedenkens so gut angenommen werde. Er erinnerte an die Geschehnisse rund um den 9. November 1938, das Datum der „Reichspogromnacht“, in Marburg.

So habe die Feuerwehr keine Löschversuche unternommen, und die verbliebenen Pfeiler des jüdischen Gotteshauses seien gesprengt worden. Am Morgen des 10. November 1938 seien auch noch 31 jüdische Männer in „Schutzhaft“ genommen worden. Insgesamt seien in ganz Deutschland rund um die Pogromnacht Tausende Juden verhaftet, misshandelt und teilweise auch getötet worden. Man dürfe die Ereignisse von damals nicht vergessen, sagte Vaupel.

Auch wenn es an diesem Abend besonders um die Erinnerung an die Vernichtung des Judentums in Deutschland gehe, dürfe man die aktuelle Frage der Flüchtlinge aus Ländern wie Syrien oder Irak nicht ausklammern, sagte Dr. Klaus Dorn, Vorsitzender der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit. Menschliche Schicksale könnten nicht allein an Herkunft oder Religion festgemacht werden.

„Es sind Weiße und Schwarze. Es sind Muslime, Christen, Kurden Jesiden, die nicht mehr in ihrem Land leben, sondern dort höchstens sterben können“, sagte Dorn.

Nach den Reden und Gebeten legten OB Vaupel sowie Stadtverordnetenvorsteher Heinrich Löwer (SPD) und Uni-Kanzler Dr. Friedhelm Nonne Kränze zum Gedenken an die Ereignisse des 9. November 1938 nieder.

von Manfred Hitzeroth

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr