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Hochwasser und die Folgen

Ein wenig Urlaubs-Flair statt viel Bahn-Frust

Die Betreiber des Marburger Pannen- und Abschleppdienstes halfen auch in Berlin, wo sie privat unterwegs waren. Als sie vom Bahn-Chaos-Frust der OP-Redakteurin Anna Ntemiris erfuhren, reagierten sie umgehend.

Eigentlich wollte OP-Redakteurin Anna Ntemiris (rechts) mit der Bahn von Berlin zurück nach Marburg fahren. Familie Stauzebach, auf dem Bild Ute (links) und Paula, nahmen sie im „Pick-up-Service“-Bus mit.

© Gunnar Stauzebach

Marburg. „Zugverbindung heute Abend nicht einzuhalten. Nun es gibt wirklich Schlimmeres, als noch etwas länger in Berlin zu bleiben“. Das war mein Facebook-Eintrag am Montag um 10.07 Uhr. Als ich am Freitagmorgen vom Zug aus das Hochwasser bei Stendal sah, ahnte ich nicht im Geringsten, dass diese Naturkatastrophe einige Tage später auch mich berühren würde. Nein, ich stand weder im Wasser noch habe ich Sandsäcke geschleppt oder mich um bekannte Menschen sorgen müssen. Ich hatte am Montag, nach vier wunderschönen Tagen in der Hauptstadt, schlicht keine Möglichkeit, meine geplante Rückfahrt mit der Bahn anzutreten.

Zunächst war das auch kein Problem: Ein Montagabend in Berlin ist sehr gut auszuhalten. Doch je näher der Dienstag heranrückte desto nervöser wurde ich. Wann könnte ich abreisen? Und vor allem wie? Welche Termine muss ich absagen, welche Arbeit muss noch auf sich warten?

Die Bahn-Hotline konnte mir nur eine Ansage machen: Versuchen Sie es später noch mal. Die Internet-Nachrichten hatten nur eine Botschaft: Keine Verbindung nach Hannover oder Frankfurt. Betroffene, die von Marburg aus nach Berlin gereist waren, berichteten mir von einer achtstündigen Odyssee quer durch Deutschland. Nein, auf so etwas hatte ich wirklich keine Lust.

Ungeplant und doch viel schöner als erwartet

Das Studieren des Flugplans brachte mich auch nur zur Erkenntnis, dass ich mein Büro am Dienstag wohl nicht betreten könnte. Ein Marburger versuchte mir mit Stichworten wie „Entschleunigung“ zu erklären, dass eine ungeplante Pause in unserer schnelllebigen Welt, uns bewusst mache, dass innehalten nicht das Schlimmste sei. Recht hat er, aber meine Antwort per SMS: „So langsam fühle ich mich meiner Freiheit beraubt, wenn ich hier festsitze. ....So ein ungeplanter Tag ist seltsam.“ Ich fühlte mich an meine Situation während der Aschewolke vor zwei Jahren erinnert - damals saß ich einige Tage länger in Athen fest und jammerte multimedial. Zurück zur Facebook-Mitteilung, die ich an meine rund 500 „Freunde“ geschickt hatte. Sie war - rückblickend so etwas wie ein kleiner Hilferuf. So jedenfalls nahm dies Ute Stauzebach wahr - eine von meinen neuen Facebook-Freunden.

Die Marburgerin ist noch gar nicht so lange im sozialen Netzwerk aktiv. „Eigentlich bin ich auch eher vorsichtig, was die Angabe von Aufenthaltsorten angeht“, so Ute Stauzebach. Das Marburger Unternehmerpaar Ute und Gunnar Stauzebach war mit Tochter Paula am Wochenende ebenfalls in Berlin unterwegs - mit dem großen Autobus und angehängtem Wohnwagen. Als Ute Stauzebach jedenfalls meinen Eintrag auf ihrem Smartphone las, schrieb sie mir eine Nachricht: Ich könnte mit ihnen zurückfahren. Ich freute mich riesig, konnte aber immer noch nicht ahnen, mit welchem Gefährt ich zurückkomme. Erst als ich am Berliner Südkreuz den gelben Wagen samt Anhänger sah, war mir klar: Hier sind wirklich meine gelben Engel. Stauzebachs, die unter anderem Waschanlagen, eine Spedition und einen Abschleppdienst, betreiben, bringen im Auftrag des ADAC auch Urlauber, die zum Beispiel eine Panne mit dem Wohnwagen haben, ins In- und Ausland zurück. Dieser „Pick-up-Service“ bekam eine neue Bedeutung.

Und Gunnar Stauzebach war von den Folgen des sozialen Netzwerks beeindruckt. Spätestens als wir im Harz eine Rast machten, und die Familie mich auch noch zum Abendessen im Wohnwagen einlud, kam bei mir die Erkenntnis: Wenn „kleine“ Dinge anders laufen, als man es sich gewünscht oder geplant hat, dann ist das längst kein Grund zum Jammern.

Besser als jedes Bordrestaurant

Mit einer Portion Gelassenheit, ganz viel Dankbarkeit („Mir geht‘s gut“) und kreativen Lösungen findet man neue Wege. Meinen Marburger „Engeln“ hat die Hilfsbereitschaft sichtlich Freude bereitet. Mir hat sie sogar geschmeckt: In welchem Zug, in welchem Flugzeug bekommen Passagiere schon so eben selbst zubereitete Pasta mit frischem Spargel und spanischen Kräutern serviert?

von Anna Ntemiris


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