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Ein meditativer Ort mit Tiefgang

Serie "Kalte Orte", Teil 6 Ein meditativer Ort mit Tiefgang

Der Gewölbekeller und die dahinter liegende „Höhle“ sind besonders interessante Kleinode in dem Geschäftshaus in der Wettergasse 42. Mit diesem Beitrag beenden wir die OP-Serie „Kalte Orte“.

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Den Keller, der vermutlich im 13. Jahrhundert in den Sandstein des Schlossberges gehauen wurde, entdeckte Roland Werner erst vor zwei Jahren bei Umbauarbeiten des Begegnungszentrums „Con:Text“.

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. Beim Umbau nach dem Auszug eines Juweliergeschäfts aus den Räumen im Erdgeschoss stießen die Hauseigentümer Roland Werner und seine Frau Elke Werner auf eine Überraschung. „Als wir 2014 begannen, das Ladengeschäft Wettergasse 42 zu renovieren, entdeckten wir im Geschäft auf eine Bodenplatte, über die Vitrinen gestellt waren“, berichtet Elke Werner. „Als unser Architekt die Platte öffnete, stieg er auf den Eisenstiegen senkrecht in den Keller, der in keinem der uns Eigentümern des Hauses vorliegenden Pläne verzeichnet war.“

Keller reicht etwa 20 Meter in den Schlossberg hinein

Die Hausbesitzer waren so begeistert über ihre Entdeckung, dass sie den anscheinend lange nicht mehr genutzten Keller, der rund 20 Meter in den Schlossberg hineinreicht, wieder hergerichtet haben. „Wir haben aus den beiden Kellerräumen viel Schlamm und Schutt rausgemacht“, erinnert sich Roland Werner. Die alten Treppenstufen, die früher in den Keller führten, wurden in Absprache mit der bei der Stadt Marburg angesiedelten Unteren Denkmalschutzbehörde erhalten, aber zusätzlich mit einer neuen Metalltreppe versehen. Die alten Treppenstufen dienten den Denkmalschützern zur Datierung. Sie stammen wohl aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts um 1260.

Der Keller ist zweigeteilt. Das heißt, man steht im vorderen Teil in einem Gewölbekeller, im hinteren Teil in einer Höhle, die in den Sandstein gegraben wurde. Bei Regen tropft es dort, denn der Sandstein gibt das Wasser weiter.

Der vordere Keller wurde neu mit Pflastersteinen ausgelegt. Zudem befindet sich dort ein gepflastertes Logo, dessen altchristliche Symbole die Botschaft „Jesus Christus siegt“ verkünden. Zwei kleine Lampen leuchten ihn aus. Im hinteren kleinen Keller stehen nur ein Hocker und eine Kerze.

„Interne Klimaanlage“ für Kaffeebar

Der Kellerraum unten ist deutlich kühler als die Räume des christlichen Buchladens „Con: Text“ im Erdgeschoss, in dem auch noch eine kleine Kaffeebar die Besucher zum Verweilen einlädt. „Im Sommer freuen sich die Mitarbeiter, wenn die kühle Luft von unten die Treppe hochzieht. Das ist die interne Klimaanlage“, erzählt Roland Werner.

Besucher des Ladens, laut Imagebroschüre ein „Ort mit Tiefgang“, dürfen während der Geschäftszeiten zwischen 10 Uhr und 18 Uhr auch gerne die Kellerräume besichtigen.

Zudem wurden die Kellerräume auch schon einmal für kleinere Veranstaltungen genutzt. So war dort beispielsweise bei „Marburg b(u)y night“ im November eine Cocktailbar aufgebaut, und es gab auch schon einmal einen Abend mit Kleinkunst. Rund 30 Personen finden hier Platz.

Auf jeden Fall findet man hier unten im Keller nur wenige Meter entfernt von dem manchmal hektischen Treiben in der Fußgängerzone in der Oberstadt eine Oase der Ruhe, die auch zum Meditieren einlädt.

von Manfred Hitzeroth

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