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Ein leidenschaftlicher Musiker mit viel Humor

Zum Tod von Professor Martin Weyer Ein leidenschaftlicher Musiker mit viel Humor

Nur wenige Musiker besitzen die Gabe, ihr klingendes Geschenk an die Zuhörer mit einprägsam-allgemeinverständlichen Erläuterungen zu ergänzen. Martin Weyer zählte zu diesen Künstlern.

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Professor Martin Weyer.

Quelle: privat

Marburg. Trotz seiner angegriffenen Gesundheit hatte Professor Martin Weyer (Privatfoto) sich ganz fest vorgenommen, wenigstens im 18-Uhr-Gottesdienst an Heiligabend die Orgel in der Lutherischen Pfarrkirche St. Marien zu spielen, berichtet Pfarrer Ulrich Biskamp. Doch das war ihm nicht mehr vergönnt. Denn an dem Tag, an dem die Christenheit Jesu Geburt feiert, ist der international erfolgreiche Organist im Alter von 78 Jahren gestorben.

„Es fiel mir schwer, an Weihnachten auf seinem Instrument zu spielen“, sagt Landeskirchenmusikdirektor Uwe Maibaum, der Weyer seit zehn Jahren kannte. „Sein Instrument“ - das war seit zwölf Jahren in der Lutherischen Pfarrkirche St. Marien die Schuke-Orgel, die 2014/2015 aufwendig restauriert wurde. Maibaum hat Weyer für sein großes Repertoire bewundert und dass er damit bis ins hohe Alter sein Publikum erfreut hat - die „Königin der Instrumente“ zu spielen ist schließlich nicht nur eine mentale, sondern auch eine physische Herausforderung. „Er hat wahrscheinlich mehr geübt als wir Kantoren“, sagt Maibaum.

Alle, die Weyer als Musiker, Moderator von Gesprächskonzerten und Hochschullehrer erleben durften, erinnern sich an einen Menschen voller Humor. Er habe „mit viel Witz, aber nie ohne Hand und Fuß“ gelehrt, beschrieb ihn eine seiner Studentinnen vor zwölf Jahren beim Abschied vom Musikwissenschaftlichen Institut der Philipps-Universität. 38 Jahre hatte er dort gewirkt, zunächst als Lektor, später als Universitätsmusikdirektor und Professor für Musikwissenschaft. Von 1970 bis 1985 amtierte Weyer auch als Organist an der Elisabethkirche.

Seit dem 1. Advent 2004 war Weyer Organist an der Lutherischen Pfarrkirche St. Marien - und zwar mit allen Konsequenzen. Er spielte nicht nur in den Gemeindegottesdiensten, sondern auch bei Taufen und Trauungen, berichtet Biskamp. Und Maibaum hebt Weyers große­ Zuverlässigkeit hervor: „Wir konnten uns hundertprozentig auf ihn verlassen.“ Vermissen werden ihn ganz besonders die Besucher der von ihm ins Leben gerufenen „Orgelgesprächskonzerte“ - da hatte er „eine richtige Fangemeinde“, sagt Biskamp.

In allen Epochen der Musikgeschichte zu Hause

Und auch die von Weyer gespielten Neujahrskonzerte und seine Beiträge zur samstäglichen „Stunde der Orgel“ werden in dankbarer Erinnerung bleiben.

Vermissen werden ihn aber auch die alten Menschen im Elisabethenhof, die er mit seiner Orgelkunst erfreut hat, wie Biskamp berichtet, und die Kinder in der Kindertagesstätte Philippshaus, für die Weyer in den dortigen Kindergottesdiensten musiziert hat - wobei sich der große, stattliche Mann nicht zu fein war, im Gespräch mit den Kleinen auf den niedrigen Kita-Stühlen Platz zu nehmen.

Weyer, der am 16. November 1938 in Cammin/Pommern ­geboren wurde, war auf der Orgel in allen Epochen zu Hause: beim Barockmeister Johann Sebastian Bach genauso wie beim Spätromantiker Max Reger, dessen Schaffen er sich auch als Musikwissenschaftler ganz besonders widmete.

Seine Leidenschaft als Musiker und Forscher galt aber nicht nur seinem Instrument. Wer ihn, wie der Autor dieser Zeilen, in seinen Seminaren und Vorlesungen erleben durfte, profitierte auch von seinem reichen Wissen in anderen Musikgattungen, etwa der Sinfonik, und der Musikgeschichte der skandinavischen Länder und der USA.

von Michael Arndt

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