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Ein kostspieliger „Blick über den Tellerrand“

Japan-Reise Ein kostspieliger „Blick über den Tellerrand“

Der Landkreis reagierte mit einem detaillierten Antwortenkatalog zur Japan-Reise von Landrätin Kirsten Fründt (SPD)auf Fragen der OP.

Einmal Marburg-Tokyo und wieder zurück: Das macht knapp 20 000 Kilometer, die Landrätin Kirsten Fründt und die Mitglieder ihrer Reisegruppe für den Japan-Besuch zurücklegen. Am Montagabend kehren sie zurück.

Quelle: Grafik: Sven Geske

Marburg. Von Marburg nach Tokyo und wieder zurück. Mehr als 20000 Kilometer für die Inspiration, für Eindrücke und Impulse, die die Arbeit der Kreisverwaltung befruchten sollen. Denn, so führt es der Landkreis auf Nachfrage der OP aus: „In vielen Bereichen des Lebens hilft der Blick über den sprichwörtlichen Tellerrand, den Horizont zu erweitern. Insofern erhofft sich der Landkreis interessante und wichtige Impulse zu den Themen Klimaschutz und erneuerbare Energien.“

Um diese Impulse heim nach Marburg-Biedenkopf zu holen, reist Landrätin Fründt mit „fachlicher“ Verstärkung. So ist man von Kreisseite zu dritt unterwegs – Dolmetscherin und Reisebegleitung kommen hinzu. Fründt wird von ihrem Stabsstellen-Leiter Ralf Laumer und von Stefan Franke, Fachdienstleiter der Stabsstelle Klimaschutz und erneuerbare Energien, begleitet.

Dienstreise soll 15000 Euro kosten

Damit ist die Reisegruppe noch nicht komplett: Auch der Ehemann der Landrätin ist dabei. „Hierbei anfallende Kosten trägt Herr Fründt vollumfänglich selbst. Die Begleitung der Landrätin durch ihren Ehemann hat privaten Charakter, zudem ist er kein Mitarbeiter der Verwaltung. Daher hat die Landrätin darüber nicht informiert“, teilt die Pressestelle des Kreises der OP mit.

Die Japan-Dienstreise kostet den Landkreis nach gegenwärtigen Prognosen 15000 Euro – finanziert aus der Haushaltsstelle „Partnerschaften und Ehrenamtsförderung“. Aktuell unterhält der Kreis mit Japan keine offizielle Partnerschaft. Die Abrechnung erfolge nach der Reise „auf Euro und Cent über die vorhandenen Rechnungen, Kreditkartenabrechnungen und Quittungen“, erklärt der Landkreis.

Durch einen Überblick von Dienstreisen hauptamtlicher Verwaltungsmitarbeiter für die Jahre 2009 bis 2016, die der Landkreis der OP vorlegte, kann man die Gepflogenheiten etwas nachvollziehen. So unternehmen Fründt und Begleiter derzeit die mit weitem Abstand teuerste Dienstreise des Landkreises. Zwar vertraten auch andere Mitarbeiter der Verwaltung wie etwa 2014 der frühere Erste Kreisbeigeordneten Dr. Karsten McGovern (Grüne) den Kreis auf anderen Kontinenten – doch zumeist finanziert durch dortige Gastgeber oder andere Kostenträger. Wie bei McGoverns Indienreise zum Beispiel durch die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit.

Kreis-Mitarbeiter kommen in der Welt herum

Bei weiteren Auslandsaufenthalten, die der Landkreis in dem Überblick aufführt, handelt es sich um zwei Führungskräftetagungen im Ausland. So tauchen dort aus den Jahren 2012 und 2013 die Klausurtagungen der Fachbereichsleiter auf, die in Lüsen (Tirol) und in Danzig (Polen) stattfanden.

Mit jeweils 25 Beteiligten und Kosten von einmal 5700 Euro und einmal 7200 Euro sind dies neben einem Besuch der Partnerschaftskommission in Koscierzyna (Polen) im Jahr 2012 sowie der aktuellen Japan-Reise beinahe die einzigen von der Verwaltung finanzierten Reisen, die den Steuerzahler mehr als 1000 Euro gekostet haben. Wie gesagt, beinahe: Mit rund 1200 Euro schlug 2015 die Dienstreise des Ersten Kreisbeigeordneten Marian Zachow (CDU) zur Weltklimakonferenz in Paris zu Buche – auch er wurde begleitet von einem Mitarbeiter des Fachdienstes Klimaschutz.

In puncto Klimaschutz der Kreis international gefragt – Mitarbeiter des Fachdienstes reisten bereits nach Polen, Österreich und Italien. Stets ohne, dass dem Kreis dadurch Reisekosten entstanden wären.

Dass der Landkreis für die Japan-Reise selbst zahlt, erscheint indes wohl als selbstverständlich. So führt die Kreisverwaltung gegenüber der OP aus, dass japanische Delegationen aus Kuzumaki ihre Besuche in den Jahren 2014 und 2015 auch selbst finanzierten.

„Zudem erstreckt sich die Dienstreise der Landrätin über mehrere Kommunen, verschiedene Ebenen und mehrere Gastgeber in Japan“, heißt es auf die Frage, warum die Reisekosten diesmal nicht von den Gastgebern übernommen werden. Jedoch trügen diese „einen Teil der vor Ort entstehenden Kosten“, etwa für Empfänge oder Arbeitsessen.

Nächstes Auslandsziel ist Polen

Die Unterbringung von Fründt und Delegation erfolgt in Japan an sechs verschiedenen Orten – in Zwei- oder Drei-Sterne-Hotels. Unter­wegs ist man vor Ort mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Die Hin- und Rückflüge erfolgen mit der Lufthansa in der einfachen „Economy-Class“.

An den meisten der insgesamt zehn Reisetage ist das Programm dicht getaktet. So ist dieser Samstag vollgepackt mit Besichtigungen zum Thema Direktvermarktung und Energiegewinnung aus Biogas und Pellets sowie mit einem Treffen von Vertretern des Studentenwerks der Universität Tokyo, mit denen unter anderem über eine Verwaltungsreform gesprochen werden soll. Am Sonntag steht für Landrätin und Mitreisende ein Gespräch mit dem ehemaligen Premierminister Naoto Kan auf dem Programm.

Kaum aus Japan zurück und vom Jetlag erholt, wird die Landrätin wieder ins Ausland aufbrechen, dann nach Polen. Bei den Partnern in Koscierzyna, mit denen der Landkreis seit 15 Jahren verschwistert ist, werden vier Besucher aus Marburg-Biedenkopf erwartet, teilte die Kreisverwaltung der OP am Freitag auf Nachfrage mit: Neben der Landrätin auch der Kreistagsvorsitzende Detlef Ruffert (SPD), abermals Fründts Stabsstellenleiter Ralf Laumer sowie Aga Sauerwald, Mitarbeiterin des Fachdienstes Ehrenamtsförderung und Partnerschaften, die zugleich als Dolmetscherin fungieren werde.

Die reinen Reisekosten übernimmt, so sei es bei Partnerschaftsbesuchen üblich, der Kreis. Kosten für Unterkunft, Verpflegung und Programm würden von den polnischen Gastgebern getragen.

von Carina Becker

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