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Ein kleiner Piks, der Leben retten kann

Grippe-Impfung Ein kleiner Piks, der Leben retten kann

Die nächste Grippewelle kommt bestimmt. Wer einer Risikogruppe angehört, der sollte sich jetzt impfen lassen, raten Experten.

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Wer sich bis Ende November impfen lässt, der hat die Gewähr, dass der Körper bis zum Ende des Jahres genügend Abwehrstoffe aufgebaut hat.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Jetzt ist die Zeit für die Grippe-Impfung. Die Kassen zahlen die Impfung für alle Risikogruppen. „In Deutschland ist die Impfung für alle ab 60 Jahren empfohlen, da in dieser Gruppe die Erkrankungen schwerer und komplikationsreicher verlaufen“, sagt Ute Arndt. Sie ist Doktor der Humanbiologie, Diplom-Humanbiologin und stellvertretende Leiterin für die Sparten Medizin und Wissenschaft beim Deutschen Grünen Kreuz mit Sitz in Marburg.

Dasselbe gelte für Patienten aller Altersgruppen mit Vorerkrankungen. „Schwangere Frauen sind ebenfalls von schweren Krankheitsverläufen bedroht und sollen geimpft werden“, ergänzt sie. Ebenso sollten alle Menschen in Gemeinschaftseinrichtungen sowie das dort tätige Personal geimpft werden. „Auch medizinisches Personal sollte geimpft sein, zum eigenen Schutz und damit die Patienten nicht angesteckt werden“, betont die Marburger Expertin.

In ihrer Veröffentlichung von Montag weise die Ständige Impfkommission darauf hin, dass auch Asylsuchende jeder Altersgruppe gegen Influenza geimpft werden sollen, berichtet sie.

Influenza wird oft mit Infekten verwechselt

„Macht es überhaupt noch Sinn, sich gegen die Grippe impfen zu lassen?“, fragte sich manch einer, der sich im vergangenen Jahr impfen ließ, aber im Winter trotzdem erkrankte. Bereits Anfang des Jahres, die Grippewelle war noch gar nicht voll im Gang, kündigten Fachleute an, der Impfstoff 2014/2015 sei nur eingeschränkt wirksam. Der Grund: Den Virenstamm, der zu einer Vielzahl von Erkrankungen führte, hatte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) nicht prognostiziert.

Es gebe verschiedene Ursachen, warum Erkrankungen auftreten, obwohl man gegen Influenza geimpft sei, sagt Dr. Ute Arndt. Zum einen verwechselten viele Menschen die „echte“ Grippe (Influenza) mit grippalen Infekten, heftig verlaufenden Erkältungskrankheiten. „Selbstverständlich wirkt die Grippeschutzimpfung nicht gegen diese Infektionen, da sie durch zahlreiche andere Viren verursacht werden“, erklärt sie. Zum anderen gebe es bei der Grippeimpfung keine hundertprozentige Schutzwirkung. Das habe mehrere Gründe: Das Immunsystem reagiere unterschiedlich und individuell auf eine Impfung.

Beispielsweise spiele das Alter des Betreffenden dabei eine Rolle, auch bestimmte Medikamente könnten Einfluss auf die Wirksamkeit nehmen. „Außerdem hängen die Schutzraten maßgeblich davon ab, wie gut das sogenannte Matching ist, die Übereinstimmung der Impf-Virusstämme mit den tatsächlich zirkulierenden Influenza-Stämmen.

Dieses Matching sei in der vergangenen Saison 2014/2015 nicht optimal gewesen, da Stämme von den im Impfstoff enthaltenen abgewichen seien, erläutert die Expertin. „Für die jetzt kommende Saison hat die Weltgesundheitsorganisation anhand der Meldungen aus den Surveillance-Systemen eine andere Stammzusammensetzung empfohlen“, berichtet sie. Grundsätzlich könne es aber immer sein, dass so ein Mismatch auftrete.

In den vergangenen Jahren sei dies aber nur ausnahmsweise der Fall gewesen. „Es ist kein ,Fehler‘ der WHO, sondern darin begründet, dass sich die Viren auch ganz kurzfristig verändern. Die Impfstoffproduktion beginnt ja bereits einige Monate vor der neuen Saison“, erläutert die Marburgerin. Definitiv könne niemand vorhersagen, wie wirksam der neue Impfstoff sei. „Das wäre spekulativ. Die Erfahrung aber hat gezeigt, dass das Matching in der Regel gut ist“, bekräftigt Dr. Arndt.

Grippewelle bricht um den Jahreswechsel aus

Und warum verändern sich die Grippeviren? „Das Genom  – die Erbinformation – der Influenzaviren besteht aus mehreren Segmenten, die sich gegebenenfalls auch komplett austauschen können“, sagt die Humanbiologin und erklärt, das könne auftreten, wenn ein Organismus gleichzeitig mit verschiedenen Influenza-A-Viren infiziert sei.

Ein solch drastischer Gen-Austausch – ein sogenannter Shift – könne dann zu Pandemien führen, weil ein ganz neues Virus entstanden sei. Kleinere Veränderungen im Erbgut und die damit verbundene Änderung der Virus-Oberflächenmoleküle treten nach ihren Worten ständig auf, man spricht vom Drift bei Influenza A und Influenza B. Diese könnten aber ausreichend sein, dass das Immunsystem das veränderte Virus dennoch nicht oder nur schlecht erkenne und man deshalb auch wieder erkranke, sagt sie und betont: „Deshalb ist es wichtig, jedes Jahr mit dem jeweils aktuellen Impfstoff geimpft zu werden.“

Der ideale Zeitpunkt für eine Impfung seien die Monate Oktober oder November, da die Grippewelle in der Regel um den Jahreswechsel ausbreche, sagt Susanne Glasmacher vom Robert-Koch-Institut.

Glasmacher weist darauf hin, auch mit einer Impfung gebe es keinen hundertprozentigen Schutz vor der Grippe. „Aber wenn Sie einen löchrigen Schirm haben, nehmen sie ja auch besser den als gar keinen“, sagt sie.

Feedback

Hier das Ergebnis der OP-Umfrage „Husten, Schnupfen, Heiserkeit: Lassen Sie sich gegen Grippe impfen?“:
Ja (48) = 39 Prozent
Nein (75) = 61 Prozent  

Das Für und Wider zeigt sich auch auf der OP-Facebook-Seite. Hier exemplarisch zwei Antworten zur Frage, ob eine Impfung sinnvoll ist:
Lieber zum Eisschwimmen
„Nein, ich geh lieber zum Eisschwimmen, und das den ganzen Winter durch. Das gibt Grippeschutz auf natürliche Art.“ (Falko Strasser)
Eine Pflichtaufgabe
„Ja. Da ich mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs bin und auch viel mit Menschen zu tun habe. Ist einfach Pflicht.“ ( Uwe Gerhard)

von Hartmut Berge

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