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Ein halbes Jahrhundert voller Musik

Serie "50 mit 50" Ein halbes Jahrhundert voller Musik

Er ist mit Leib und Seele Musiker und Marburger aus vollem Herzen, obwohl er im Jahr 1964 in Brasilien zur Welt kam: Jean Kleeb.

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Heute sitzt Jean Kleeb täglich an seinem Grotrian-Steinweg-Flügel.Mit acht Jahren bastelte er sich noch sein eigenes Klavier aus einem Pappkarton und Wäscheklammern.

Quelle: Katharina Kaufmann

Marburg. Zwei Bilder, zwischen denen fast ein halbes Jahrhundert liegt. Zwei Bilder, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Und doch zeigen sie denselben Menschen mit der bis heute selben Passion für die Musik: Schon mit acht Jahren wollte Jean Kleeb unbedingt Klavier spielen lernen. Weil seine Eltern keines besaßen, wurde der junge Brasilianer handwerklich aktiv: Aus einer Pappschachtel und zahlreichen Wäscheklammern bastelte er sich sein erstes eigenes Piano. „Natürlich konnte man darauf nicht wirklich spielen. Aber als Kind hat man ja viel Phantasie“, erklärt der 50-Jährige heute.

 

Mittlerweile sitzt er täglich an seinem Flügel in seinem Marburger Arbeitszimmer und spielt, komponiert oder arrangiert Musikstücke. Hobby und Beruf sind bei ihm eins geworden. „Ich sehe mich als Botschafter anderer Kulturen und Länder“, sagt der gebürtige Brasilianer über sich selbst. Gereist ist er viel in den vergangenen fünf Jahrzehnten, eine eindeutige Lieblingsmusikrichtung hat er in den zahlreichen besuchten Ländern und Kulturen nicht gefunden. „Ich habe so viele Musikstile und -richtungen kennengelernt, da kann und will ich mich echt nicht genau festlegen“, antwortet er und lacht.

1992 kam Kleeb nach Marburg

Seit 1992 lebt und arbeitet Kleeb in Marburg - erst als Lehrer, seit zwölf Jahren als selbstständiger Musiker, Komponist und Chorleiter. Zuvor studierte er an der Universität in Sao Paulo. „Ich wollte nach dem Studium unbedingt nach Europa und auch auf den Spuren meiner Ahnen wandeln. Die sind nämlich in den 1920er-Jahren von Deutschland und der Schweiz nach Südamerika ausgewandert“, erklärt er. Ans Bleiben habe er damals nicht gedacht.

Geblieben ist er trotzdem. „Jetzt mit 50 habe ich das Gefühl, dass das Leben erst richtig losgeht. Dass alles vorher nur eine Übung war“, sagt er - so wie das Klimpern auf Wäscheklammern im Kindesalter.

von Katharina Kaufmann

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Von Redakteur Katharina Kaufmann

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