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Ein "großer Wurf" oder "schlecht für die Stadt" ?

Verkehrskonzeot Nordviertel Ein "großer Wurf" oder "schlecht für die Stadt" ?

Mit den Stimmen der Koalition brachte das Stadtparlament die Umgestaltung der Nordstadt auf den Weg.

Marburg. Kern des neuen Verkehrskonzepts ist ein Zweirichtungsverkehr in der Robert-Koch-Straße und der Bunsenstraße. Außerdem wurde ein Verkehrsversuch beschlossen, mit dem nach ersten Erfahrungen mit dem Zweirichtungsverkehr in der Robert-Koch- und in der Bunsenstraße die Elisabethstraße für den öffentlichen Individualverkehr gesperrt werden soll.

Sonja Sell (SPD) sprach von einer „Sternstunde der Bürgerbeteiligung“, während CDU-Frau Karin Schaffner klagte, vor allem „Menschen auf der Durchreise“ seien an der Erstellung des Verkehrskonzepts beteiligt worden. Sie sieht die „Zerstörung der Nordstadt“, weil Menschen aus den Stadtteilen und von außerhalb nicht mehr ins Nordviertel kämen.

Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) warf Schaffner daraufhin vor, sie rede „gegen die Interessen der Stadt eine Gästekrise herbei“. Die Zahlen zeigten wachsende Gästezahlen. Zu dem Argument von Manfred Jannasch (CDU), etwa 100 Parkplätze fielen durch dieses Konzept in der Nordstadt weg, sagte Vaupel: „Wegen Parkplätzen fährt heute kein Mensch mehr in die Stadt, sondern wegen der Qualität der Flächen.“ Nur mit hoher Aufenthaltsqualität könne der Einzelhandel die Konkurrenz mit dem Internet bestehen.

Für die Grünen ist das Verkehrskonzept, wie Bürgermeister Franz Kahle sagte, ein „großer Wurf“ in Richtung Fahrradfreundlichkeit der Stadt. Der Vorsitzende des Verkehrsausschusses, Uwe Volz (Grüne), sprach von einer gelungenen Gestaltung des öffentlichen Raums, der in Marburg außerordentlich begrenzt sei.

CDU-Verkehrspolitiker Manfred Jannasch sieht mit der Zweispurigkeit der Robert-Koch-Straße und der Bunsenstraße das nächste Nadelöhr auf die Stadt zukommen, nämlich im zukünftig verkehrsberuhigt gestalteten Bereich der Stadthalle.

Er konterte zudem die Vaupel‘sche Bemerkung von steigenden Gästezahlen: „Touristen kaufen keine Fernseher im Nordviertel.“ Das Wichtigste für das Nordviertel seien die dort ansässigen Handels- und Gewerbetriebe, und für die seien massive Nachteile zu befürchten.

CDU-Chef Philipp Stompfe fasste das Konzept deswegen als „schlecht für die Stadt“ zusammen. Die Koalition brachte mit ihrer Mehrheit das Konzept dennoch auf den Weg.

von Till Conrad

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