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Ein großer Wurf für die Inklusion

Sportfest Ein großer Wurf für die Inklusion

Ort der Inklusion: Das Georg-Gaßmann-Stadion ist am Samstag Sport- und Spielstätte für Dutzende Behinderte geworden. Das Angebot war exakt auf ihre Bedürfnisse angepasst.

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Frank Damm, Goldgewinner bei den Special Olympics 2012.

Quelle: Miriam Prüßner

Marburg. Für Jasmin Jacob aus Gladenbach war das Rhönrad eindeutig der Favorit des Tages. Viermal stieg sie ein, weil es schön im Bauch gekribbelt hat. Scott Bieberschick aus Groß-Gerau schwärmt von den Spielen. Die Wasserschleudern seien am tollsten gewesen, genauso wie Eimerwerfen, Säckeheben oder Strohballenrollen. „Das Tischtennis war besonders cool“, sagt Terra Meissner aus Mörfelden. „Und Wasserbombenwerfen, das war top.“ Die gewonnene Medaille, die sie wie die anderen Teilnehmenden am Ende des Tages verliehen bekommen hat, macht sie stolz und gibt ihr ein gutes Gefühl, sagt sie.

In einen Raum für Spiel, Spaß, Herausforderung, Anerkennung und Glücksgefühle verwandelte sich das Stadion. Ein Ort der Inklusion. Aus ganz Hessen waren 150 Behinderte gekommen, um an diesem Tag an einem vielfältigen und auf ihre Bedürfnisse abgestimmten Spiel- und Sportangebot teilzunehmen. Unter dem Motto „Miteinander in Spiel und Sport - ein inklusives Sportfest“ fand der hessenweit einzigartige 4. Aktionstag statt. Von Sportangeboten wie Tischtennis, Basketball, Judo, Tanzen, Rhönrad oder Jiu Jitsu, über einen Spieleparcours aus zwölf Aktion-, Konzentrations- und Koordinationsspielen, bis hin zu der Möglichkeit sich durch das Absolvieren verschiedener Leichtathletik-Disziplinen für ein Sportabzeichen zu qualifizieren, hatten die Teilnehmer eine Vielfalt an Beteiligungsmöglichkeiten. Abschließend gab es ein Fußballspiel der gemischten Unified-Mannschaft gegen die Damen-A-Jugendmannschaft von BG Marburg - die Behinderten gewannten 7:1.

Neben Behindertensportgrößen wie dem 47-jährigen Deutschen Meister Frank Dampf oder dem Special-Olympics-Fußballstar Sarah Kuli, waren auch Sportneulinge dabei. In ihren Darmstädter Werkstätten gebe es zwar Sport- und Spielangebote, aber an einem Wettbewerb, so verrieten die fünf Angereisten, haben sie noch nie teilgenommen. Jetzt maßen sie sich für das Sportabzeichen im Weitsprung aus dem Stand, 100-Meter-Laufen, Zielweitwurf und Medizinballwerfen. Der 3000-Meter-Lauf sorgte zunächst für Nervosität, bis dann doch fast alle aus der Gruppe ihre Angst überwanden und es schafften. Diese Erfolgserlebnisse und die damit verbundenen Glücksgefühle sind auch der Kern des Tages. „Durch Erfolg, Gemeinschaftserlebnisse und Glücksempfinden bekommen die Teilnehmenden gesellschaftliche Anerkennung“, weiß Franz Nietsch, Ehrenvorsitzender des Sportkreises Marburg-Biedenkopf. 2007 hatte der erste Aktionstag dieser Art stattgefunden. Damals hatte man festgestellt, welch großes Bedürfnis es unter Menschen mit Behinderung gibt, sich in geeigneten, an Freude und Spaß orientierten Sportarten zu betätigen. Dass sich der Aktionstag zu einer gesellschaftlichen anerkannten und politisch beachteten Veranstaltung entwickelt hat, zeigt sich daran, dass ihn diesmal auch Innen- und Sportminister Boris Rhein (CDU) besuchte.

Von Glücksgefühlen spricht auch Sporttrainer Holger Dolfen, der für die Teilnehmenden unter anderem das Tanzangebot durchführte: „Tanzen bedeutet pures Glück und Entspannung, die Teilnehmer waren voll dabei“, erzählt er. Und darin spiegelt sich die Idee der Inklusion. Zwar war der Tag darauf ausgelegt, dass sich auch Nicht-Behinderte-Menschen beteiligen und alle gemeinsam Sport treiben, aber unterm Strich waren es doch sehr wenige. Inklusion bedeutet in diesem Zusammenhang eher, so Nietsch, dass die Teilnehmer durch einen solchen Tag Spaß am Sport finden, danach in Vereine gehen und auf diese Art auf gesellschaftlicher Ebene integriert werden.

von Kristina Gerstenmaier

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