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Ein ganz besonderes Weihnachtsgeschenk

Erfolgreiche Hand-Operation Ein ganz besonderes Weihnachtsgeschenk

Sandor Ciprian kann ­endlich seine Finger ­bewegen. Er kam mit ­Verwachsungen an den Händen auf die Welt.

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Sandor Ciprian zeigt stolz seine operierte Hand. Mit ihm freuen sich sein Vater Csaba-Sandor (rechts) und Kinderzelt-Vorsitzender Bernd Druschel.

Quelle: privat

Marburg. Viele Kinder freuen sich immer noch über die Spielsachen, die sie zu Weihnachten bekommen haben, über leckeres Essen und Schulferien. Bei Sandor Ciprian ist das anders: Der fünfjährige Rumäne freut sich besonders darüber, dass er seine Päckchen selbst auspacken konnte - und dass er vielleicht bald in die Schule darf. Für ihn ist das alles etwas Besonderes, etwas Ungewöhnliches. Denn bisher konnte Ciprian nichts packen oder aufreißen - er kam mit stark verwachsenen Fingern auf die Welt.

In Deutschland kaum ein Problem: „Häufiger als man denkt kommen Kinder mit zwei verwachsenen Fingern und Schwimmhäuten auf die Welt“, erklärt Dr. Dario Zovko ( Privatfoto), leitender Oberarzt der Kinderchirurgie am Uniklinikum in Marburg. Das könne schnell behoben werden, sei keine schwere Operation.

Doch Sandor Ciprian kam in Rumänien auf die Welt, als Roma-Kind, lebt dort in einem Ghetto. Er wurde nicht operiert, lebte fünf Jahre lang mit drei verwachsenen Fingern an der rechten Hand, viele Fingerglieder fehlen ihm. „Und jetzt kann er einen Stift halten und wundervoll spielen“, sagt Zovko. Er selbst hat die Hand des Jungen fünf Stunden lang operiert, die Finger getrennt und viel Haut transplantiert.

Drei Wochen lang musste der Fünfjährige einen festen Verband um seine Hand tragen. „Als dann der Verband gelöst wurde, hatte Sandor sofort Gefühl in den Fingern. Er hat sie gesehen und ständig bewegt“, beschreibt der Oberarzt. „Er hat sich so gefreut, dass er rumgesprungen ist und alles angefasst hat.“

Ein unbeschreiblicher Moment für den kleinen Jungen und seinen Vater, der acht Wochen mit Sandor Ciprian in Deutschland gelebt hat, um bei ihm zu sein - während der Operation und der ersten Heilungsphase. „Es hat sich voll gelohnt“, sagt der Arzt. Ein leises Lächeln stiehlt sich bei der Erinnerung auf sein Gesicht.

Mutter: Mein Junge wurde abgelehnt und gehänselt

„Ein tolles OP-Ergebnis“, freut sich auch Bernd Druschel vom Verein kunterbuntes Kinderzelt aus Schlüchtern. Der Verein kümmert sich um arme Kinder aus Rumänien, hat den Kontakt zur Uniklinik hergestellt und den Eingriff finanziell ermöglicht.

„Sandor ist schon lange ein Patenkind unserer Organisation“, erzählt Druschel. Regelmäßig bekomme der Junge Kleidung und Essen. Lebenswichtig sei die Operation nicht gewesen. Druschel war es trotzdem eine Herzensangelegenheit, das Geld dafür zusammenzubekommen: „Die Mutter hat uns berichtet, dass der Junge abgelehnt und gehänselt wurde.“

Vor wenigen Monaten sei er dann noch beim Schultauglichkeitstest nicht zugelassen worden - weil er keinen Stift halten konnte. „Er hätte keinen Zugang zur Bildung gehabt, außer er wäre in eine Behinderteneinrichtung gegangen“, berichtet Druschel. Dann hätte er 100 Kilometer entfernt von seiner Familie in einem Heim leben müssen. Das wollte Druschel nicht zulassen, ebenso wenig die Eltern.

Ihm ist seine neue Lebensqualität bewusst

Rund 8000 Euro hat der Verein für Sandor Ciprian gesammelt, um die Operation, die Unterkunft und Verpflegung in Marburg zu ermöglichen. „Ich denke, dass er jetzt in die normale Regelschule darf“, zeigt sich Druschel hoffnungsfroh. Der Antrag sei bereits gestellt, der Verein unterstütze die Familie dabei.

Druschel hat einen guten Kontakt zu der Schule, brachte vergangene Woche erst mehr als 6000 Weihnachtspäckchen für die Schüler dorthin. „Für uns selbst ist das tollste Geschenk, dass Sandor so richtig stolz auf seine Hand ist und sie immer herzeigt. Ihm ist richtig bewusst, dass er eine ganz neue Lebensqualität hat.“

Der Verein und die Kinderchirurgie arbeiten schon seit einigen Jahren zusammen. Fünf rumänische Kinder hat Dr. Zovko bereits operiert. „Er hat vielen von ihnen wirklich das Leben gerettet“, betont Druschel. Gemeinsam planen beide schon einen Eingriff für das nächste Kind.

Weihnachten hat Sandor bei seiner Familie gefeiert. Schon im Januar kommt er zurück nach Marburg. „Ich möchte die Hand nochmal sehen, wenn alles abgeheilt ist“, sagt Zovko. „Vielleicht operiere ich auch schönheitsmäßig nochmal.“

Bis dahin trägt der Junge noch Handschuhe, welche die Narbenbildung vermeiden sollen. „Bei Kindern sind die Chancen da sehr gut“, verrät der Arzt und freut sich schon auf das Wiedersehen mit dem lebensfrohen Jungen, dem er ein ganz besonderes Weihnachtsgeschenk gemacht hat.

von Patricia Grähling

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