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Ein fieser Gast zur Winterzeit

Norovirus Ein fieser Gast zur Winterzeit

Eine neue Variante des bekannten Norovirus sorgt derzeit für eine steigende Zahl von Krankheitsfällen im Landkreis.

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Übelkeit, schwallartiger Brechdurchfall, Bauch-, Kopf und Muskelschmerzen: Ein sicheres Zeichen für den Norovirus. Schon jetzt sind doppelt so viele Fälle wie vergangenes Jahr in Marburg und dem Landkreis gemeldet worden.

Quelle: dpa

Marburg. Da stimmt etwas nicht. Eben war doch noch alles gut. Und nun, ganz plötzlich fühlt man sich hundsmiserabel. Das Unwohlsein schlägt blitzartig zu. Allein, es bleibt nicht dabei. Das Norovirus ist auch deshalb so tückisch, weil es so unvermittelt auftritt.

Oftmals merkt der Betroffene gar nicht, dass der Krankheitserreger sich bereits ausgebreitet hat. Die einsetzende Reaktion des Körpers ist dann jedoch umso heftiger. Schwallartiger Brechdurchfall, Bauch-, Kopf und Muskelschmerzen, sowie Übelkeit sind die Folgen. Zudem müssen manche Erkrankte noch zusätzlich mit erhöhter Temperatur oder Fieber kämpfen. Der hohe Flüssigkeitsverlust während des Krankheitsverlaufs ist ein weiteres Problem.

Mehr Fälle als im Vorjahr

Das Auftreten des Norovirus zwischen Oktober und März ist keine Besonderheit. Besonders ist in dieser Saison nur die Anzahl der gemeldeten Fälle. Denn diese übersteigt schon jetzt, obwohl der Höhepunkt der Krankheitswelle eventuell noch bevorsteht, die Zahl der gemeldeten Fälle aus dem vergangenen Jahr (137) um mehr als das Doppelte (288).

In diesem Winter infizieren sich laut Robert-Koch-Institut (RKI) wohl auch deshalb mehr Menschen, weil eine neue Virusvariante umgeht. „Das bedeutet jedoch nicht, dass das Virus gefährlicher ist oder die Krankheit schwerer verläuft als sonst. Es kann sich nur besser vor dem Immunsystem verbergen, so dass mehr Leute erkranken“, erklärt Susanne Glasmacher vom RKI.

Zum Thema Norovirus gibt es auch ein Info-Schreiben des Marburger Gesundheitsamtes. Darin steht, dass die Inkubationszeit, also die Zeit zwischen Infektion und Erkrankungsbeginn, etwa 6 bis 50 Stunden beträgt. „Insbesondere während der akuten Erkrankung und mindestens bis zu 48 Stunden nach Abklingen der Beschwerden besteht Ansteckungsfähigkeit“, heißt es dort weiter.

Zwei Tage das Bett hüten!

Auch wenn die Erkrankung häufig genauso schnell verschwindet, wie sie aufgetreten ist, sollten Infizierte mindestens zwei Tage nach Abklingen der Symptome noch zu Hause bleiben. Der Virus selbst kann sogar noch zwei Wochen mit dem Stuhl ausgeschieden werden.

Da also auch noch nach der Genesung eine Gefahr für das direkte Umfeld des Kranken besteht, sollten die üblichen Hygieneregeln auch im Anschluss an die Erkrankung dringend beachtet werden. Eine Übertragung über kontaminiertes Wasser oder andere Getränke ist ebenfalls möglich.

Hygiene-Regeln
  • Gründliches Händewaschen nach dem Toilettenbesuch, vor dem Essen und vor der Zubereitung von Mahlzeiten zwingend, Flüssigseife, Handtuch und Hygieneartikel getrennt für den Erkrankten bereitstellen.
  • Kontakte zum Erkrankten auch innerhalb der Familie auf erforderliches Minimum reduzieren. Besonders gefährdet sind Kleinkinder und alte Menschen.
  • Reinigung der Toilette nach jeder Benutzung durch den Erkrankten. Mit Erbrochenem oder Stuhl kontaminierte Gegenstände und Flächen umgehend gründlich reinigen. Regelmäßige Reinigung aller anderen Kontaktflächen (besonders der Türklinken). Für Reinigung jeweils haushaltsüblichen Sanitärreiniger und Gummihandschuhe verwenden. Der generelle Einsatz von Desinfektionsmitteln im Privathaushalt ist in der Regel nicht erforderlich.
  • Textilien mit Kochwaschgang, mindestens jedoch bei 60 Grad in der Maschine, waschen.

Besonders gefährlich kann das Nororvirus für Kleinkinder und ältere Menschen werden. Deshalb sollte besonders in Altenheimen und anderen Gemeinschaftseinrichtungen, wie Kindertagesstätten und Kindergärten, auf bestimmte Vorsichtsmaßnahmen und eine sorgfältige Hygiene geachtet werden. Dies gilt besonders, wenn es um die Zubereitung von Lebensmitteln geht.

Für Menschen, die direkt in diesem Bereich beschäftigt sind, beispielsweise als Koch, greift sogar ein Tätigkeitsverbot, wenn bei ihnen das Virus nachgewiesen wurde. 

Hinweise für Eltern
  • Nach Infektionsschutzgesetz (IfSG) sind Eltern verpflichtet, die Norovirus-Erkrankung ihres Kindes der Gemeinschaftseinrichtung zu melden.
  • Für Kinder bis zum 6. Lebensjahr gilt ein Besuchsverbot für Gemeinschaftseinrichtungen. Die Wiederzulassung kann erst 48 Stunden nach dem Abklingen der klinischen Symptome erfolgen. Ein Ärztliches Attest ist nicht erforderlich.

Dr. Markus Morr, Presse- und Kulturreferent beim Landkreis, liegen derzeit keine Informationen darüber vor, dass in den vergangenen Wochen Institutionen aufgrund von Erkrankungen geschlossen werden mussten. Gegenüber der OP erklärt Morr, dass es aber auch vorkommen kann, dass Einrichtungen nicht über eine krankheitsbedingte Schließung informieren.

Es gibt aber auch Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit, die zeigen, wie aggressiv das Virus sein kann. Im Januar 2015 musste die komplette Unfallstation der Main-Kinzig-Kliniken in Gelnhausen aufgrund einer Norovirusinfektion geschlossen werden. Damals wurde bei einem Patienten die Brechdurchfall-Erkrankung nachgewiesen. Zwölf weitere Patienten wurden daraufhin vorsorglich isoliert.  Vier von ihnen wiesen Symptome der Viruserkrankung auf.

von Dennis Siepmann

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