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Ein cooler Arbeitsplatz an heißen Tagen

OP-Sommerserie: „Kalte Orte“ Ein cooler Arbeitsplatz an heißen Tagen

An heißen Tagen sind kühle Orte besonders gefragt. Wir haben für unsere neue Serie eine besonders coole Arbeitsstelle besucht, an der die Temperatur üblicherweise bis unter minus 20 Grad sinkt.

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Der wohl coolste Job des Studentenwerks: Matthias Wied arbeitet Lagerist in der Mensa am Erlenring.

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. Wenn man in den Katakomben der Uni-Mensa am Erlenring die Tür des „Frosters“ geöffnet und einen durchsichtigen Vorhang aus Plastik-Lamellen durchschritten hat, dann betritt man eine eisige Welt. Wer als Besucher aus dem bis zu 30 Grad heißen Marburg eines Sommertages in diese Gefrierlager eintritt und womöglich nur ein T-Shirt und eine leichte Sommerhose trägt, dem stockt plötzlich der Atem. Es ist wie eine Art persönlicher Schockfrostung, und schon nach wenigen Sekunden zieht eine unangenehme extreme Kälte in alle Glieder.

Dieser Arbeitsplatz ist wirklich gewöhnungsbedürftig: Es ist quasi ein riesiger „begehbarer Gefrierschrank“. Auf einer Fläche mit einer Länge von sieben Metern, einer Höhe von rund drei Metern und einer Breite von drei Metern stapeln sich dort auf 16 Paletten und zusätzlichen Rollwägen tiefgefrorene Lebensmittel in Kisten mit einem Gewicht von mehreren tausend Kilogramm, die bis zur Weiterverarbeitung in der Großküche für die Versorgung der Studierenden dort zwischengelagert werden.

Schnelle Bewegungen auf glattem Boden

Wärmer als minus 18 Grad darf es deswegen in dem speziellen Kühlraum des Marburger Studentenwerks nicht werden. Beim Besuch der OP vor Ort lag die draußen vor der Tür auf einer Temperaturanzeige angegebene Temperatur bei minus 22 Grad.

Länger als fünf Minuten hält man es als Besucher dort eigentlich kaum aus. Doch Lager­arbeiter Matthias Wied, der sich hier zusammen mit einem Kollegen die Arbeit teilt, hat so 
seine Tricks für den täglichen Arbeitseinsatz. „Schnelle Bewegungen“ nennt Wied als besonders effektives Hilfsmittel. Dabei muss er allerdings besonders trittsicher sein. Denn durch die Kälte wird der Boden fast so rutschig wie eine Eisbahn.

Wenn er länger als einige Minuten in dem Froster mit dem Ein- oder Ausräumen von Ware zu tun hat, dann zieht Matthias Wied eine besondere Arbeitskleidung an: Zusätzlich zu seinem Lageristenkittel staffiert er sich dann noch mit einer dicken Winterjacke und Handschuhen aus. So schafft er es, bis zu 20 Minuten am Stück in dem Gefrierlager zu verbringen.

„Die Kälte zieht 
die Beine hoch“

Dann wird es aber auch ihm zu kalt. „Die Kälte zieht dann die Beine hoch“, beschreibt Wied. Übrigens machen ihm größere Temperaturunterschiede nach eigenen Angaben nicht ganz so viel aus. So könne er im Hochsommer ohne Weiteres nach getaner 
Arbeit bei unter minus 20 Grad gleich darauf eine gemütliche Pause auf dem Mensa-Vorplatz bei fast 50 Grad mehr und einer Temperatur von 30 Grad machen, verrät er im Gespräch mit der OP.

Vielleicht liege diese Gewöhnung an extreme Temperaturschwankungen auch daran, dass in dem großen Gefrierraum keine feuchte, sondern eher eine sehr trockene Kälte herrsche. Für Brillenträger stellt diese allerdings ein Hindernis dar, denn wenn man die Gefrierkammer verlässt und wieder in wärmere Gefilde kommt, beschlägt die Brille in Sekundenschnelle.

In der Mensa wird täglich Essen für mehrere tausend Studierende zubereitet. So kann es schon sein, dass im Froster einmal 400 Hähnchen zwischengelagert werden müssen. Auch tiefgeforenes Gemüse – von Erbsen und Möhren bis zu Mais oder Brokkoli – wird dort kistenweise gelagert.

Mehl wird bei plus
 acht Grad gelagert

Der Renner ist übrigens ein Gemüse, das auf den ersten Blick gar nicht unbedingt die 
 typische Tiefkühlkost ist. Die Rede ist von Zwiebeln. Bis zu 200 Kisten bereits vorgeschnittener tiefgefrorener Zwiebelringe finden hier pro Woche zwischenzeitlich Platz. Neben diesem Froster verfügt das Studentenwerk noch über einen nahezu baugleichen Raum in der Mensa auf den Lahnbergen sowie zwei kleinere Lager für Tiefkühlware direkt bei der Küche in der Hauptmensa am Erlenring.

Doch im Lager der ErlenringMensa im Keller gibt es auch noch einige weitere Räume, die von den Lageristen betreut werden und in denen es nicht ganz so kühl ist. So werden beispielsweise Mehl, Zucker, Salz oder Linsen in großen Mengen im Kühlhaus bei einer Plus-Temperatur zwischen acht und zehn Grad gelagert.

von Manfred Hitzeroth

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