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„Ein bunter Haufen und nicht nur Nerds“

Kreisjugendparlament „Ein bunter Haufen und nicht nur Nerds“

Sich einmischen, der Politik vor Ort oder auch in Land und Bund sagen, wo der Schuh drückt: Drei Jungparlamentarier aus dem Kreis schwärmen von den Möglichkeiten, die das Kreisjugendparlament ihnen eröffnet.

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Berit Kase, dahinter Silas Nowak (rechts) und Felix Freudenstein.

Quelle: Carina Becker

Marburg. Sie heißen Felix Freudenstein (18 Jahre), Silas Nowak (15) )und Berit Kase (15). Sie kommen aus Niederweimar, Fronhausen/Lahn und Burgholz. Und sie wollen für Jugendliche in Dörfern und Städten im Landkreis etwas bewegen. „Auf jeden Fall hat man durch eine Mitarbeit im Kreisjugendparlament viele Möglichkeiten, für Gleichaltrige etwas zu tun“, sagt Felix Freudenstein und meint: „Mitzumachen, das lohnt sich allein schon, um neue Leute kennenzulernen.“

Das KJP, das sei nicht etwa „eine Gruppe von Nerds“, sondern ein „bunt gemischter Haufen“, stellen sie klar. „Sieht man doch schon an uns dreien“, meint Silas Nowak beim Treffen mit der OP, „da sind ganz unterschiedliche Typen mit dabei.“

Unterschiedliche Themen eingebracht

So unterschiedlich wie die jungen Leute selbst, so unterschiedlich sind auch die Themen, die sie sich im Laufe ihrer zweijährigen Amtszeit suchen oder die an das KJP von Jugendlichen aus dem Landkreis herangetragen werden.

Berit Kase, Felix Freudenstein und Silas Nowak traten gemeinsam mit den anderen Jung-Abgeordneten für die Einführung einer so genannten Clever-Card für den Busverkehr im Landkreis ein, mit der alle Jugendlichen innerhalb des Kreisgebiets reisen dürfen, ohne weitere Fahrkarten zu benötigen - auch in den Ferien. Sie stritten auf Kreisebene für ein eigenes Antragsrecht gegenüber dem Kreistag. Sie setzten sich für eine Verbesserung im Schienenverkehr ein, als es in Fronhausen Probleme mit überfüllten Zügen gab. All dies mit Erfolg.

„Das ist schon super, dass wir in der Kreispolitik jetzt selbst unsere Sachen begründen und erklären können“, sagt Berit Kase über das neue Mitspracherecht in den Ausschüssen: „Jetzt müssen wir das nicht mehr über Abgeordnete von einer Partei machen, sondern können selbst verdeutlichen, welche Interessen wir haben und alle wissen dann, dass das von uns kommt.“

Wichtig für Felix Freudenstein, der schon zwei Amtszeiten im KJP mitgearbeitet hat und nun mit 18 Jahren aufgrund der Altersgrenze ausscheiden muss: „Kontakt zur großen Politik zu bekommen und auch mit Bundes- und Landtagsabgeordneten diskutieren zu können über unsere Themen.“ So gelang es dem amtierenden KJP im vergangenen Jahr, einen Kongress mit 15 Kinder- und Jugendvertretungen aus ganz Hessen in Marburg zu organisieren.

Viel Geld für viel Gutes

„Einfach, um miteinander über verschiedene Jugendthemen ins Gespräch zu kommen“, sagen die jungen Abgeordneten und berichten, dass der „hohe Besuch“ dabei vom hessischen Finanzminister Thomas Schäfer (CDU) bis zur SPD-Landtagsabgeordneten Angelika Löber reichte. „Meistens nehmen die Erwachsenen uns dann schon ernst, wenn wir mit ihnen reden und ihnen unsere Anliegen vortragen“, meint Berit und ist davon überzeugt, dass die Arbeit des KJP in vielfältiger Weise wirkt.

So auch, wenn Anliegen aus den Dörfern im Landkreis an das Parlament herangetragen werden. Immerhin: Die Jugendvertretung von Marburg-Biedenkopf verfügt über das vergleichsweise stolze Jahresbudget von 10000 Euro - beim Partnerschafts-Jugendparlament im Berliner Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf seien nur 500 Euro im Jahr frei verfügbar, berichten die jungen Abgeordneten, was sie auf ihrer Abschlussreise nach Berlin mit Besuch der befreundeten Jugendvertretung vor einigen Wochen erfahren haben. „Dabei ist das ein Jugendparlament in einer großen Stadt“, staunt Berit Kase noch immer.

„Das ist unser Geld“, sagt Felix Freudenstein über das Budget des KJP, „damit kann man viel Gutes erreichen.“ So unterstützten die Jungparlamentarier in der laufenden Legislaturperiode die Elterninitiative für leukämie- und tumorkranke Kinder sowie die Kinder- und Jugendtheaterwoche mit ihren Spenden. Selbst organisierten sie unter anderem eine Rocknacht in Gladenbach. „Unser Budget eröffnet auch Jugendlichen, die gern wollen, dass in ihrem Dorf etwas passiert, gute Möglichkeiten. Man kann uns beispielsweise auch ansprechen, wenn man Geld für einen Jugendraum braucht“, sagt Silas Nowak, der sich, so wie seine Parlamentskollegin Berit Kase auch, erneut für die Wahl zum KJP hat aufstellen lassen.

11000 Stimmberechtigte

Und so funktioniert die KJP-Wahl: 11000 Stimmberechtigte im Kreis dürfen abstimmen. Noch knapp zwei Wochen lang dürfen Jugendliche zwischen 12 und 18 Jahren ihre Kreuze für die Wahl zum 10. Kreisjugendparlament setzen – gewählt wird dabei nach Wohnort und nicht etwa nach Schulbezirken. Alle zwei Jahre wird die Interessenvertretung der Jugendlichen im Landkreis Marburg-Biedenkopf neu gewählt. 52 Jugendliche aus 19 Gemeinden des Landkreises stellen sich zur Wahl – dabei schwankt die Zahl der Bewerber von Kommune zu Kommune, reicht von einem Kandidaten in Münchhausen, Neustadt, Ebsdorfergrund und Wohratal bis hin zu sechs Kandidaten in Kirchhain. Die Wahlunterlagen stellte die Geschäftsstelle des Kreisjugendparlaments beim Landkreis den Jugendlichen per Post nach Hause zu. Sie haben mehrere Möglichkeiten, ihre Stimme abzugeben: Entweder sie senden ihren Stimmzettel direkt zurück an die Geschäftsstelle oder sie werfen die Wahlunterlagen in die Wahlurnen, die an den Schulen im Landkreis verteilt werden. Ortsnah können die Stimmzettel auch in den Rathäusern abgegeben werden, die sie dann nach Ablauf der Wahlfrist weiterleiten. Die Wahlzettel werden noch vor den Osterferien ausgewertet und die Kandidaten über den Ausgang der Wahl informiert. Am 3. Mai findet die erste Sitzung des neu gewählten KJP statt.

Über die Wahl und die Arbeit des KJP informiert die Geschäftsstelle des Kreisjugendparlaments, E-Mail: kjp@marburg-biedenkopf.de, Internet: www.kreisjugendparlament.de

von Carina Becker

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