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Ein bisschen Hilfe am Ende der Welt

Verein unterstützt Aids-Waisen Ein bisschen Hilfe am Ende der Welt

Viele Jahre war Armin Hedwig Lehrer in der Stiftsschule Amöneburg. Jetzt, als Pensionär, hat er zusammen mit dem Haddamshäuser Thomas Komm einen Verein gegründet, mit dem sie Aids-Waisen in Uganda unterstützen.

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Die Klassenräume sind oft ein reines Provisorium.

Quelle: Privat

Marburg. Armin Hedwig läuft in seiner Wohnung hin und her. Vom Wohnzimmer in den Essbereich, ins Arbeitszimmer und wieder zurück ins Wohnzimmer. Aus allen Ecken schleppt er Berichte und Infobroschüren heran, sucht Bilder heraus, breitet sie auf dem Tisch aus. „Das hier ist die Schule, in diesen Räumen schlafen die Schüler und hier wurde der Brunnen eingeweiht“, erklärt er. Ständig fällt ihm etwas Neues ein. Ein anderer Aspekt. Eine andere Geschichte. Und dann sagt er den einen Satz, der erklärt, warum er das alles macht. „Bei meinem ersten Besuch in Mannya wurde ich von einem Spalier singender Kinder empfangen. Ich sollte eine Rede halten, aber ich konnte nur noch heulen.“

Ein Satz, der alles erklärt. Warum er täglich etwa vier Stunden Zeit investiert. Warum er auf eigene Kosten in das Dorf Mannya in Uganda reist, an einen der ärmsten Orte der Welt. Und warum es ihm jetzt, hier in seinem Wohnzimmer, so schwer fällt, sich zu sammeln, und ganz ruhig und der Reihe nach von seinem Projekt zu erzählen.

Armin Hedwig hat zusammen mit Thomas Komm vor drei Jahren den Verein St. Francis-Rakai-Initiative Marburg gegründet. Ihr Ziel: Den über 400 Aidswaisen, die in Mannya das „St. Francis Little Birds Orphanage Home“ besuchen, ein besseres Leben zu ermöglichen. „Mit nur fünf Euro kann man ein Kind einen ganzen Monat lang ernähren“, sagt Komm.

Komm und Hedwig sind zwar beide pensioniert – zur Ruhe gesetzt haben sie sich aber noch lange nicht. „Eigentlich ist das ein Halbtagsjob, den wir hier machen“, sagt Komm. „Das Projekt bestimmt mittlerweile mein Leben“, sagt Hedwig und fügt schmunzelnd hinzu: „Meine Frau ist schon total sauer.“

Brunnen wurde reaktiviert

Doch die viele Arbeit lohnt sich, denn die Männer können erste Erfolge vorweisen. 18 Paten haben sie bereits gefunden, die mit jeweils 300 Euro im Jahr einem Schüler den Besuch einer weiterführenden Schule ermöglichen. „Ohne Paten – und damit ohne weiterführende Schulbildung – landen die Kinder irgendwann ganz sicher auf der Straße“, erklärt Komm. „Die Schüler, die nach der Grundschule vier Jahre auf einer Secondary School weiterlernen, haben dagegen die Möglichkeit, Grundschullehrer oder Krankenschwester zu werden. Nach sechs Jahren haben sie sogar ihr Abitur."

Ein zweiter Erfolg: der Bau eines Pumpbrunnens. „Als ich das erste Mal zu Besuch in Mannya war, mussten die Kinder drei Kilometer weit bis zum nächsten Wasserloch laufen“, erinnert sich Hedwig. Zurück kamen sie mit 10-Liter-Kanistern auf dem Kopf – gefüllt mit völlig verdrecktem Wasser. Gemeinsam mit der Organisation „Ingenieure ohne Grenzen“ hat der Marburger Verein es seitdem geschafft, einen eingefallenen Brunnen 600 Meter von der Schule entfernt zu reaktivieren. „Auch dieses Wasser muss abgekocht werden, aber es ist viel sauberer als das Wasser aus dem Wasserloch“ sagt Hedwig.

"Wir können die Welt nicht verändern"

Doch das ist ihnen nicht genug. Das nächste Projekt haben sie bereits vor Augen: den Bau einer Wasseraufbereitungsanlage, die sauberes Trinkwasser liefern soll – nicht nur für die Schüler, sondern für 3000 bis 4000 Dorfbewohner. 10 500 Euro muss der Verein dafür aufbringen.
Daneben finanzieren sie die Arbeit einer Sozialarbeiterin und die Ausbildung von sechs Lehrern, haben zehn Stockbetten angeschafft, kaputte Fensterscheiben repariert, Klassenräume renoviert und ein neues Gebäude gebaut, in dem für die Kinder gekocht wird. „Wir können nicht die Welt verändern, aber wir können im Kleinen helfen“, sagt Hedwig.

Denn manchmal sind es auch ganz banale Dinge, die dringend benötigt werden. „Viele Kinder haben keine Schuhe“, sagt Komm. Nur ein kleiner Teil der 400 Schüler lebe direkt in der Schule, die meisten seien nach afrikanischer Tradition bei Aids-Witwen in der Umgebung untergebracht. Diese Schüler haben zum Teil einen Schulweg von bis zu sieben Kilometern. „Viele Kinder kommen dann mit blutenden Füßen in der Schule an“, sagt Komm.

Bei dieser Schilderung schüttelt Hedwig den Kopf. „Man kann sich einfach nicht vorstellen, unter welchen Bedingungen die Menschen dort leben“, sagt er. „Die Kinder haben gar nichts. Kein Geld, kein Spielzeug, kaum Kleidung. Sie sind grausam arm – und trotzdem zufrieden.“
Im April will Hedwig das nächste Mal nach Mannya reisen. Dann soll die Wasseraufbereitungsanlage eingeweiht werden. Und nicht vielleicht, sondern ziemlich sicher wird Armin Hedwig auch dann wieder ein paar Tränen der Rührung verdrücken.

Info: Armin Hedwig und Thomas Komm informieren am 22. November um 18 Uhr mit einem Film- und Videovortrag im Altenhilfezentrum Auf der Weide 6 in Marburg über ihren Verein und ihre Reise nach Uganda. Der Eintritt ist frei.

von Maren Schultz

Alles begann mit einer Brieffreundschaft

Thomas Komm (70) und Armin Hedwig (69) sind Vorsitzende des gemeinnützigen Vereins St. Francis-Rakai-Initiative Marburg. Komm, Diplom-Volkswirt, arbeitete bis 2008 an der Philipps-Universität Marburg als Leiter des Referates für Internationale Beziehungen. Hedwig unterrichtete bis zu seiner Pensionierung an der Stiftsschule Amöneburg die Fächer Englisch, Politik und Erdkunde. Kennen gelernt haben sie sich über ein Afrika-Projekt, das Hedwig im Jahr 2007 in Zusammenarbeit mit der Uni an der Stiftsschule organisierte. Damals beschäftigten sich die Amöneburger Schüler mit dem Aids-Waisenhaus St. Francis in Mannya im ugandischen Distrikt Rakai. Rund zwei Jahre später hatten 150 Schüler eine Brieffreundschaft zu den ugandischen Schülern geknüpft.Nach und nach entwickelte sich das Projekt immer weiter und mündete schließlich in der Vereinsgründung.

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