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Ein beherzter und bescheidener Retter

Student rettet 80-Jährige Ein beherzter und bescheidener Retter

"Eigentlich habe ich nicht viel gemacht", meinte Steffen Emge. Eigentlich hat der Student aber verhindert, dass einer Frau Schlimmeres passiert.

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„Held des Alltags“ Steffen Emge steht am Cappeler Berg in Marburg. 

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Wenn Steffen Emge über den Abend des 22. November dieses Jahres spricht, ist er unaufgeregt, fast schon zurückhaltend. Selbst zum Sport ist der Student noch gegangen, ohne dabei über den früheren Abend zu sprechen. „Auch Freunden habe ich davon eigentlich nichts erzählt. Ich wollte nicht, dass sie denken, ich prahle.“ Einzig die Frage, ob er die Polizei oder die Feuerwehr hätte rufen müssen, beschäftigte den angehenden Chemiker.

Student hörte den Hilferuf rechtzeitig

Denn als der 21-Jährige an jenem Donnerstag „eigentlich zu früh“ auf dem Weg von den Lahnbergen nach Hause war, blieb am steilen Stück der Cappeler Straße in der Nähe der Adolf-Reichwein-Schule plötzlich eine Frau auf dem Gehweg stehen. „Ich habe deshalb meine Kopfhörer herausgenommen. Erst hat es sich angehört wie das Pfeifen von einem Vogel. Aber dann haben wir gehört, dass dort jemand um Hilfe ruft“, berichtet er.

Eine 80-jährige Frau, die gerade am Knie operiert worden und auf zwei Krücken unterwegs gewesen war, war ins Straucheln geraten und den Abhang zwischen dem Georg-Büchner-Weg hinuntergerutscht. Erst auf einem Felsvorsprung blieb die Frau hilflos liegen. „Eigentlich ist es nicht so steil“, versuchte Emge zu relativieren.

Wer sich die Stelle ansieht, von der die Frau drohte, weiter abzurutschen, bekommt aber einen anderen Eindruck. Drei Meter senkrecht abwärts geht es nach dem Felsvorsprung in die Tiefe. Nicht auszumalen, welche Verletzungen sich die über 80-jährige hätte zuziehen können.

Emge handelte richtig und wählte die 110. „Es hat relativ lange gedauert, bis dann auch die Polizei kam“, erinnerte sich der gebürtige Niedersachse. Da Emge im Dunkeln nicht abschätzen konnte, wie akut die Frau gefährdet war, kletterte der Student über die ­doppelte Leitplanke und anschließend über einen Umweg das glitschige Laub hinauf auf den Felsvorsprung. Teilweise auf Händen und Füßen.

„Ich habe es nicht als gefährlich empfunden“, sagte Emge, „rauf war kein Problem, aber wieder runter wäre schwierig gewesen“. Oben angekommen, hielt sich der 21-Jährige mit einer Hand im Gestrüpp fest. Mit der anderen Hand sicherte Emge die Frau ab, damit diese nicht weiter abstürzen konnte. „Die Frau war ziemlich aufgebracht. Ich habe sie dann versucht, zu beruhigen. Mehr konnte ich nicht machen.“ Als die Feuerwehr schließlich an der Stelle angekommen war, wurde nach der Frau, die vorsichtshalber ins Krankenhaus gebracht wurde, aber außer ein paar Kratzern und blauen Flecken keine schlimmeren Verletzungen davongetragen hatte, auch Emge von der Feuerwehr wieder auf sicheren Boden gebracht.

80-Jährige bedankt sich mit einem Brief

Ob er es wieder so machen würde? Selbstverständlich. „Ich bin noch nie in so eine Situa­tion geraten, wo ich helfen musste. Deswegen war ich auch ein bisschen verunsichert, ob ich alles richtig gemacht habe. Aber anscheinend habe ich das.“ Hat Emge. Die Frau bedankte sich bei ihm mit einem Brief und einer Einladung zum Essen.

Emge antwortete mit einem Brief und lehnte die Einladung dankend ab. „Ich habe eigentlich nicht viel gemacht“, sagte der 21-Jährige. Emge ist eben ein beherzter und bescheidener Retter.

von Andreas Arlt

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