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"Ein anderer Blick auf die Menschen"

OP erhält Journalistenpreis "Ein anderer Blick auf die Menschen"

Auf der Preisverleihung des deutschen Lokaljournalistenpreises in Dresden erhält die OP Anerkennung für die Inszenierung der Menschen aus der Region in der crossmedialen Serie „Ich und Ich“.

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Jury-Vorsitzender Dieter Golombek (von links), die OP-Redakteure Thorsten Richter, Nadine Weigel und Chefredakteur Christoph Linne sowie die früheren Politiker Hans-Gert Pöttering und Kurt Biedenkopf bei der Preisverleihung.Foto: Konrad-Adenauer-Stiftung

Dresden. Hell leuchtet in Röhren „Kunst der Gegenwart“ an der einen Wand im Lichthof des Dresdner Albertiums. An der anderen Seite steht: „Neue Meister“. Überschrift und Unterzeile für Journalistinnen und Journalisten, die sich an diesem Tag ausgezeichnet fühlen dürfen. Sie bekommen Preise, den Deutschen Lokaljournalisten-Preis der Konrad-Adenauer-Stiftung, „was für die Zeitungsbranche so etwas ist wie der Oscar für die Filmwelt“.

Das ist ein Zitat, denn Selbstlob duftet unangenehm. Der Sprecher der Jury Dieter Golombek, der die Ehrung vor 34 Jahren erfand, ist jedoch weit davon entfernt, zu küren, was nur heiße Luft wäre. 568 Bewerber aus ganz Deutschland mussten sich mit ihren eingereichten Beiträgen einer kritischen Prüfung unterziehen. 13 deutsche Redaktionen bekommen an diesem Montag ihre Urkunden.

Den Tusch zum Preis spielen im Albertinum die Klazzbrothers. Sängerin Maria Markesini schwärmt mit Songs von Bob Dylan und Kurt Weill so hinreißend, dass der Festredner Kurt Biedenkopf den Chefredakteur der Sächsischen Zeitung, Uwe Vetterick, charmant auffordert, er möge doch veranlassen, dass er über diese musikalische Naturgewalt alsbald etwas in seiner Zeitung liest. Der Ministerpräsident a.D. darf das, er kam als Elder Statesman, von politischer Einflussnahme keine Spur, sondern der wohlgemeinte Wunsch eines Lesers. Das genau ist es auch, was Qualitätsjournalismus ausgezeichnet werden lässt: Dem Leser vor Ort auf der Spur, für ihn da sein, sich einsetzen für seine Wünsche und Probleme, ihn erfühlen. Das sagt der Vorsitzende der Konrad-Adenauer-Stiftung und frühere Präsident des Europäischen Parlament Hans-Gert Pöttering.

CDU-Politiker Kurt Biedenkopf lobt den Träger des ersten Preises, die Sächsische Zeitung, die die Verleihung ausrichtete, für ihre preisgekrönte Idee des „Familienkompass“. Er spricht über den Begriff der Familie, denn der habe sich in den vergangenen Jahrzehnten relativiert. Junge Männer und Frauen benötigten wieder eine Orientierung, schließlich folgte der fortschreitende Individualisierung in der deutschen Gesellschaft eine Lockerung des sozialen Zusammenhalts. Es sei ja nicht einmal mehr klar definiert, wer Familie sei und wie sich der Schutzauftrag des Staates geändert habe. Bevölkerungspolitik wäre in den vergangenen Jahren ein Tabu gewesen. Nicht zuletzt, weil die Nazis Heldenmütter ehrten und Nachwuchs nach ihrem Bilde züchteten.

Doppelporträts von der OP originell inszeniert

Hier müsse sich dringend etwas ändern, wobei er Anzeichen erkenne, aber weiß, dass es nicht reicht, Milliarden in familienpolitischen Projekten zu versenken. Es bräuchte Experimente von unten, aus der Gesellschaft heraus, gegen Bürokratie, die vor allem der Minimierung von Risiken diene, aber nicht der nachhaltigen Entwicklung der Bevölkerung. Noch mal Tusch, diesmal mit Beifall vom Publikum.

Aber auch für die Oberhessische Presse fielen lobende Worte. Jury-Chef Golombek würdigte, die OP habe es auf originelle Weise verstanden „prominente und weniger prominente Menschen“ zu präsentieren. „Kleider machen Leute, machen eine andere Figur , einen anderen Blick“ stellte in Anlehnung an den Schweizer Dichter Gottfried Keller fest. Die OP inszeniere dies in crossmedialen Doppelporträts und schreibe dazu „Geschichten, wie sie nur in der Region zu schreiben sind.“

von Peter Ufer

OP in der „Eliteliga der Regionalzeitungen“

Der Deutsche Lokaljournalistenpreis gilt als „Oscar“ für Lokaljournalisten. Sieben Mal hat die Oberhessische Presse diese Auszeichnung, inklusive Sonderpreise, bisher erhalten.

 „Sie spielt damit in der Eliteliga der deutschen Regionalzeitungen“, sagt Dieter Golombek, der den Preis vor 34 Jahren erfunden hat. Nun gibt Golombek den Vorsitz der Jury ab. Sein Appell zum Abschied: „Halten Sie die Qualität des Lokalteils hoch, er ist das Herz der Zeitung.“

Es ist der wichtigste Zeitungspreis in Deutschland: Der Lokaljournalistenpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung. Drei Hauptpreise und mehrere Sonderpreise werden jährlich vergeben. Redaktionen, die ausgezeichnet werden, können stolz sein. Sie haben sich gegenüber 700 anderen Bewerbern durchgesetzt. Bei der Preisverleihung gestern in Dresden erhielt die Oberhessische Presse einen Sonderpreis in der Kategorie Foto für die crossmediale Serie „Ich und Ich“ . Es ist das siebte Mal, dass die OP die begehrte Auszeichnung erhält.

Für den Juryvorsitzenden Dieter Golombek (73) war es das letzte Mal, dass er die Preise vergibt. Der „Mister Lokaljournalismus“ wird nach 34 Jahren als Jurysprecher verabschiedet. Ihm folgt Heike Groll, die in der Chefredaktion der Volksstimme Magdeburg arbeitet.

Zeichen setzen gegen den schlechten Ruf

Als Golombek 1980 den Preis ins Leben rief, galten Lokaljournalisten als unterste Kaste. Neben den Kollegen im Politik-Ressort, Wirtschaft oder Feuilleton waren sie das fünfte Rad am Wagen. Dagegen wollte Golombek ein Zeichen setzen: „Der Preis sollte zeigen, zu welchen Höchstleistungen Lokaljournalisten in der Lage sind.“

Die Kriterien sind anspruchsvoll. In die Auswahl kommen nur Zeitungen, die bürgernahe Konzepte umsetzen, schwierige Themen aufgreifen, sich zum Anwalt der Leser machen oder engagierten Service bieten.

Das Renommée des Preises ist vor allem Golombeks Verdienst. Er setzte sich von Anfang an für eine unabhängige Jury ein. Denn die Tatsache, dass die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung den Preis auslobt, ließ viele Journalisten die Nase rümpfen. So prägte der Juryvorsitzende den Leitsatz: „Der Preis zeichnet journalistische Qualität aus und keine Gesinnung.“ Das war nicht selbstverständlich. Golombek erinnert sich, dass es immer wieder Beschwerden von CDU-Provinzfunktionären gab, weil die Jury allzu kritische Redaktionen auszeichnete. Aber die Stiftung habe die Jury stets verteidigt. Die Geschichte des Preises ist ein Abbild der Themen, die in den vergangenen drei Jahrzehnten die Menschen bewegt haben. Die Redaktionen schrieben über Umweltschutz, Stadtentwicklung und Ausländer, beschäftigten sich mit Arbeitslosigkeit und demographischem Wandel, Gesundheit und Bildung, Bürokratie und Wohnungsnot. Sie arbeiteten historische Themen auf, von den Gräueln der Nazizeit bis zur Diktatur in der DDR. Und sie mischten sich ein, gaben den Bürgern eine Stimme, schufen ein Diskussionsforum vor Ort.

Golombek kennt allerdings auch die andere Seite: „Es gab und gibt viel journalistisches Elend.“ So mancher eingereichte Artikel ließ die Jury staunen, wie so etwas überhaupt gedruckt werden konnte. Daran habe sich in den letzten 30 Jahren nichts geändert.

Was sich aber geändert hat, sei das Bewusstsein in vielen Medienhäusern. „Es gibt immer mehr Chefredakteure, die konzeptionell denken, die Freiräume schaffen für wichtige und große Geschichten“, sagt Golombek. Genau das ist für ihn der Weg, der die Zeitungen unverzichtbar mache. Das tue nicht nur den Lesern gut, sondern der Gesellschaft insgesamt. Golombek: „Guter Journalismus ist ein Lebenselexier für die Demokratie.“

von Robert Domes

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Von Redakteur Michael Schmidt

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