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Ein Ziel ist Hilfe für die Bürgerhilfe

Kreisseniorenrat Ein Ziel ist Hilfe für die Bürgerhilfe

Die Mitglieder des Kreisseniorenrates haben ihren Arbeitsschwerpunkt klar umrissen. Dabei geht es um die Ausgestaltung des Themas Bürgerhilfe möglichst in allen Kommunen des Landkreises. 

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Der Kreisseniorenrat hielt im Gefahrenabwehrzentrum des Kreisverwaltungsgebäudes seine erste ordentliche Sitzung ab. Mit dabei waren der Vorsitzende Dr. Horst Tritschler (von links) sowie die Beisitzer Hildegard Kräling und Herbert Bodenbender.

Quelle: Manfred Schubert

Marburg. Nach Aufnahme in die Landesseniorenvertretung Hessen (LSVH) möchte der Kreisseniorenrat zu dessen Mitgliederversammlung am 25. Mai den Beschlussvorschlag einbringen, dass der Vorstand mit der Hessischen Landesregierung und allen Parteien im Landtag Kontakt mit dem Ziel aufnehmen soll, erneut einen Gesetzentwurf zur Ergänzung der Hessischen Gemeindeordnung einzubringen. Durch diesen soll der Landtag die Voraussetzungen schaffen, dass in Städten und Gemeinden sowie Kreisen demokratische Wahlen zur Einrichtung von Seniorenräten stattfinden.

Konrad Weiershäuser gab zu bedenken, dass man sich bereits seit 15 Jahren ergebnislos mit dem Thema befasse. Verschiedene Spitzenverbände würden die Gründung von Seniorenräten empfehlen, die Regierung wolle aber keine Seniorenräte zwingend vorschreiben, da es sonst heiße „wer bestellt, bezahlt“. Beisitzer Herbert Bodenbender, der den Antrag vorgestellt hatte, meinte, er halte weniger von Schreiben, mehr von Gesprächen. Einen Versuch sei die Sache wert.

„Wir müssen durch unsere Arbeit Beispiele setzen“

Der Vorsitzende Dr. Horst Tritschler zeigte sich überzeugt davon, dass im Landkreis die Einrichtung des Seniorenrates durchaus anerkannt werde, beide Bundestagsabgeordnete hätten diesen beglückwünscht und gutes Arbeiten gewünscht. „Wir müssen durch unsere Arbeit auch Beispiele setzen“, sagte er. Auf Anfrage eines Mitglieds teilte er mit, dass der bisherige als Verein bestehende Kreisseniorenrat sich laut dessen Vorsitzendem auflösen werde.

Eckhard Heym berichtete, er sei nach den Kosten der Institution Kreisseniorenrat gefragt worden. Martina Berckhemer von der Stabsstelle Altenhilfe des Landkreises erklärte, im Haushalt stünden 46.000 Euro, verteilt auf drei Jahre, sowie 10.000 Euro Budget zur Verfügung. Tritschler ergänzte, in der Junisitzung wolle der Kreisseniorenrat über die Budgetfrage entscheiden und eine klare Vereinbarung für die nächsten drei Jahre treffen.

Hilfe für ältere Menschen in ihrem eigenen Zuhause

Berckhemer und ihre Kollegin Ruth Schlichting stellten dem Gremium in einem ausführlichen Rück- und Ausblick die Arbeit der 1989 eingerichteten Stabsstelle Altenhilfe vor. Bislang sei Altenhilfeplanung eine freiwillige Leistung, für die es anders als für die Jugendhilfe keine gesetzliche Verpflichtung gebe. Dennoch würden immer mehr Kommunen und Kreise sie sich leisten.

Mit der Frage, was in Kommunen an Strukturen aus Beratung, ehrenamtlichem Engagement und professioneller Hilfe geschaffen werden muss, damit ältere Menschen so lange wie möglich zu Hause leben können, will sich der Kreisseniorenrat demnächst intensiver befassen. Dazu gebe es, wie Tritschler sagte, einige Beispiele im Kreis, die weiter als andere seien. Ein Projekt, die seit vier Jahren bestehende Bürgerhilfe in Amöneburg-Mardorf, wollen sich die Ratsmitglieder am 14. Juni gemeinsam anschauen.

„Wir sitzen nicht nur hier, um die Gremien des Kreistags zu beraten, sondern wollen auch vermittelnd und beratend Wirksamkeit vor Ort in der Region entfalten. Wir müssen noch weiter konkretisieren, wie wir uns als Kreisseniorenrat einklinken wollen, was dann bestimmt viel mehr Arbeit erfordert“, sagte der Vorsitzende.

Ambulate Strukturen sollen gestützt werden

Eine Forderung wäre seines Erachtens, dass jede Kommune eine Außenstelle des Pflegestützpunktes Marburg-Biedenkopf brauche. Schlichting warf ein, 30 Prozent der Menschen, die in Pflegeeinrichtungen leben, müssten dies nicht und täten dies nur, weil sie daheim keine Hilfen für Einkauf und so weiter hätten. Berckhemer ergänzte, das bisherige Pflegesystem werde auf Dauer nicht finanzierbar sein, und zukünftig werde es an Pflegekräften fehlen. Es gehe um Stützung der ambulanten Strukturen: „Wir versuchen dem gegenzusteuern, dass Investoren ‚große Klötze‘ hinsetzen, denn die wollen dann ihre Betten voll bekommen. Das untergräbt die Bemühungen vor Ort.“ In solchen Fällen von Investorenbauvorhaben wäre die Stimme des Kreisseniorenrates zusätzlich zu den Stimmen vor Ort hilfreich, meinte Schlichting.

Auf einen späteren Zeitpunkt wurde ein Antrag zur ärztlichen Versorgung im Landkreis verschoben. Zur nächsten Sitzung wolle man die neue Leiterin des Kreisgesundheitsamtes, Dr. Birgit Wollenberg, einladen. Der Antragsteller, Klaus Strüber, sagte, es sei überfällig, dass die Regionalisierung der Kassenärztlichen Vereinigung abgeschafft werde. Auch die überörtliche Zusammenarbeit von Ärzten sei von deren Seite nicht gewollt, sagte er unter Verweis auf ein Beispiel aus Dautphetal und Gladenbach.

Weitere Dinge, mit denen sich der Kreisseniorenrat befassen könnte, seien zum Beispiel eine Kampagne zur Barrierefreiheit im öffentlichen Raum in Zusammenarbeit mit den Zeitungen, schlug Tritschler vor. „Aus meiner Sicht brauchen wir so etwas, um in der Öffentlichkeit präsent zu sein“, meinte er, aber auch ganz andere Ideen könne man in der nächsten Sitzung diskutieren.

  • Die nächste Sitzung findet statt am Freitag, 10. Juni, 10 Uhr, Landratsamt (Nebengebäude C, Gefahrenabwehrzentrale/GAZ), im Lichtenholz 60, 35043 Marburg-Cappel.

von Manfred Schubert

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