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„Ein Wunder, dass kein tödlicher Unfall passiert ist“

Fischerei „Ein Wunder, dass kein tödlicher Unfall passiert ist“

Das hätte übel enden können. Unbekannte wollten offenbar im Südviertel auf verbotenen Fischzug gehen. Mit einer Stromstärke, die auch Tiere oder Menschen in Ufernähe hätte verletzen können.

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So sieht es aus: das im Marburger Mühlgraben gefundene Elektrofischerei-Gerät.

Quelle: Jürgen Schwarz

Marburg. Die Aktiven des Fischereivereins Marburg und Umgebung sind an Überraschungen gewöhnt, wenn sie zweimal jährlich an die vom Verein bewirtschafteten Gewässern zur Reinigungsaktion ausrücken. Doch was die erfahrenen Angler vergangenes Wochenende im Mühlgraben bei der Straße „Auf der Weide“ fanden, hätte sich wohl keiner vorher ausdenken können.

Im Wasser lag eine selbstgebaute Anlage zur illegalen ­Fischerei mit Strom. Das Elektrofischen ist nur Personen erlaubt, die speziell dafür ausgebildet wurden. Im Marburger Fischereiverein dürfen dies zum Beispiel nur drei Mitglieder tun - und natürlich nicht, um die Fische anschließend zu verwerten, sondern etwa, um die Bestände zu kontrollieren. Dazu werden tragbare Geräte mit 12-Volt-Batterien benutzt. Die ­Fische werden davon im Umkreis von bis zu drei Metern kurzzeitig betäubt.

Lebensgefährlicher Eigenbau

Die jetzt gefundene Vorrichtung, ein mit Granulatbeton gefüllter Eimer, in dem Kupferrohre eingegossen wurden, die dann unter Strom gesetzt werden können, ist dagegen nicht nur illegal, sondern auch ein lebensgefährlicher ­Eigenbau. Denn angeschlossen wird das Gerät offenbar über ­einen herkömmlichen 220-Volt-Haushaltsstecker. „Da bei dieser Voltzahl anzunehmen ist, dass auch die Amperezahl entsprechend hoch sein wird, ist es nur durch ein Wunder zu erklären, dass hierbei kein tödlicher Unfall passiert ist“, berichtet Vereinsvorsitzender Jürgen Schwarz, noch immer fassungslos. Fische würden davon im weiten Umkreis sicher getötet, aber auch Menschen im Uferbereich wären unter Umständen der Gefahr eines tödlichen Stromstoßes ausgesetzt. Wer die Anlage gebaut und dort hinterlassen hat, ist unbekannt. Der Verein bittet deshalb um Hinweise. Vielleicht wurde beobachtet, dass sich jemand im oder am Mühlgraben Auf der Weide zu schaffen gemacht hat. Möglicherweise könnte der Strom für die Anlage über einen tragbaren Generator zum Gewässer gebracht worden sein, vielleicht mit einem Fahrzeug. Hinweise bitte an den Vereinsvorsitzenden Jürgen Schwarz, Telefon 06423/541169 oder an die Polizei, Telefon 06421/4060.

Neben diesem schockierenden Fund sammelten die Vereinsmitglieder auch diesmal wieder säckeweise Müll an den Flussufern im Stadtgebiet ein. Aus dem Wasser geholt wurde im Marburger Süden unter anderem ein leerer Tresor. Als Naturschutz-Ausgleich für die Befestigung des Zugangs zum barrierefreien Angelplatz am Vereinsheim in Wehrda stellten die Angler außerdem ein Insektenhotel auf. Insgesamt waren am Wochenende 80 Vereinsmitglieder im Einsatz und räumten dabei auch die Hinterlassenschaften vieler anderer Fluss- und Ufernutzer im Stadtgebiet weg.

von Michael Agricola

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