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Ein Wiedersehen in Bad Neustadt

UKGM Ein Wiedersehen in Bad Neustadt

Der überraschende Verkauf von 43 Rhön-Kliniken an den Konzern Fresenius ist seit Freitag das beherrschende Thema in den Stationen des Marburger Uni-Klinikums.

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Beim Neujahrsempfang am Uniklinikum Marburg gab der Vorstandsvorsitzende der Rhön-Klinikum AG, Dr. Dr. Martin Siebert, einen Ausblick. 

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. „Wir haben auf der Homepage von Rhön nach Informationen gesucht, aber auch nichts Neues erfahren“, berichtet eine Krankenschwester. Nach was sie und ihre Kolleginnen gesucht haben? „Was der große Verkauf jetzt für uns in Marburg bedeutet“, erklärt die Pflegerin. Am Freitag gab die Klinikskette in Bad Neustadt an der Saale bekannt, dass sie 43 Kliniken an den Konzern Fresenius verkauft (die OP berichtete). Die Adhoc-Mitteilung kam in der Nacht zu Freitag.

Das UKGM gehört zu den wenigen Krankenhäusern, die bei Rhön bleiben. Darüber, ob das eine gute oder eine schlechte Nachricht für die erste privatisierte Uni-Klinik Deutschlands ist, gehen die Antworten bisher auseinander. Die Geschäftsführung des UKGM traf sich am Freitag mit Führungskräften und Betriebsratsmitgliedern und erklärte ihnen, dass der Verbleib bei Rhön ein gutes Zeichen sei.

Zeitgleich zu dem internen Gespräch übermittelte das Unternehmen Presseerklärungen und einen Brief an die Mitarbeiter mit der gleichen Botschaft: „Alle Mitarbeiter profitieren von der Fokussierung auf medizinische Exzellenz und bezahlbare Spitzenmedizin“.

Ähnlich äußerten sich wenig später auch Spitzenpolitiker der hessischen CDU. Vollkommen anderer Meinung sind Oppositionspolitiker: Sie machen sich Sorgen um die Zukunft des UKGM. Die Mitarbeiter fragen sich nun, nach der überraschenden Nachricht und den unterschiedlichen Interpretationen dieser Nachricht, in welche Richtung es für den Standort Marburg, für ihren Arbeitsplatz geht.

Mitarbeiterin vermisst ein „Wir-Gefühl“ am UKGM

„Wir haben schon viel erlebt. Wir müssen abwarten“, sagt eine Pflegerin, die seit mehr als 20 Jahren im Dienst ist. Eine jüngere Mitarbeiterin erzählt, dass es endlich mit der hohen Fluktuation und dem hohen Krankenstand ein Ende haben müsse - nur dann komme das UKGM in ruhige Fahrwasser, unabhängig wem es gehöre. Und sie fordert ein „Wir-Gefühl“, wie es dies noch vor Jahren gegeben habe.

Das „Wir-Gefühl“ ist auch Thema der Betriebsräte aus Marburg und Gießen. Sie werden in dieser Woche zusammenkommen, um die Sachlage gemeinsam zu erörtern. Morgen reist eine Delegation aus Marburg und Gießen zum Konzernbetriebsrat zum Rhön-Stammsitz nach Bad Neustadt an der Saale, berichtet Björn Borgmann vom Marburger UKGM-Betriebsrat auf Anfrage der OP.

In Franken treffen sich bis Donnerstag die Betriebsräte aller Rhön-Häuser, auch diejenigen der Kliniken, die am Freitag verkauft wurden.

Das Drei-Milliarden-Euro-Geschäft steht unter dem Vorbehalt der Zustimmung des Bundeskartellamtes sowie in mehreren Einzelfällen erforderlichen Zustimmung vormaliger kommunaler Träger oder Minderheitsgesellschafter. Solange dies noch nicht geschehen ist, können alle nochmal zusammenkommen. „Ich bin gespannt, was die Kollegen aus den anderen Kliniken berichten werden“, sagt Borgmann.

Er mache sich um die Arbeitnehmer in den Kliniken, die an Fresenius verkauft werden, Sorgen. Es gebe keine wirksamen Schutzmechanismen vor Abbau von Arbeitsplätzen. Auch hier hat die Rhön AG eine andere Botschaft: Mitarbeiter, die zu Fresenius wechseln, „arbeiten in einem stabilen Umfeld mit hervorragenden Wachstumsperspektiven“, heißt es in einem Brief an das Personal.

von Anna Ntemiris

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