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Ein Vorbild für die Gespräche in Nahost

Diskussionsveranstaltung Ein Vorbild für die Gespräche in Nahost

Eine gemeinsame Friedensinitiatve kam nicht zustande. Aber Amnon Orbach und Khaled Osaily zeigten, dass es einen Weg zum Frieden geben kann: Wenn man einander zuhört und Argumente austauscht.

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Diskussionsleiter Professor Albrecht Fuess (von links), Khaled Osaily und Amnon Orbach diskutierten.

Quelle: Jan Bosch

Marburg. Auf Einladung der Jüdischen Gemeinde Marburg sprachen am Mittwochabend im Historischen Rathaussaal der palästinensische Unternehmer Khaled Osaily und der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde und Marburger Ehrenbürger Amnon Orbach zum Thema „Ist es möglich, Frieden über Handel und industrielle Produktion in Israel und Palästina zu erreichen?“

Osaily ist einer der wichtigsten Unternehmer in Palästina. Als Grundproblem sieht er die Blockade seitens Israels, wodurch die Palästinensergebiete seit Jahren in ihrer Entwicklung stagnieren. Aufgrund der stetig wiederkehrenden Kampfhandlungen kommt es immer wieder zu zahlreichen Toten und Verletzten, zur erneuten und weiteren Zerstörung von Wohnhäusern und Infrastruktur.

„Investoren brauchen aber Sicherheit“, sagt Osaily, „und die ist in Palästina nicht gegeben, also investiert niemand.“ Häufig helfen sich die Betroffenen selbst, indem beispielsweise Baumaterial aus Hilfslieferungen für den Aufbau von zerstörten Wohnhäusern, zum Tunnelbau verwendet wird.

In seiner Zeit als Bürgermeister konnte Osaily zahlreiche Projekte erfolgreich umsetzen, wozu Ausbau der Infrastruktur und des Elektrizitätsnetzes gehören. Auch im Bildungsbereich konnte er durch das Einwerben von Hilfsgeldern für den Bau von Schulen zur Entspannung der katastrophalen Lage sorgen. Osailys Motto lautet, wer Bildung und Kultur genießen kann, beschäftigt und zufrieden ist, wird kein Terrorist.

Auf die Frage, ob ein palästinensischer Staat regierungsfähig ist, kann er auch nur eine vage Antwort geben.

Durch Entbehrung und Bedrohung können die Menschen kein „normales“ Leben führen, dementsprechend können sich auch keine normalen gesellschaftlichen und politischen Strukturen entwickeln.

Eine Zweistaatenlösung auf Grundlage des arabischen Friedensplans von 2002 wäre für ihn machbar. Dieser auf Initiative von Saudi-Arabien zustande gekommene Plan sieht die Normalisierung der Beziehungen zwischen Israel und den islamischen Staaten sowie die Anerkennung Israels vor.

Im Gegenzug wird von Israel der Rückzug aus allen 1967 besetzten Gebieten sowie die Anerkennung eines unabhängigen palästinensischen Staates mit Ost-Jerusalem als Hauptstadt gefordert.

Es gibt natürlich Einwände gegen den Plan - dabei ist für Orbach die Jerusalem-Frage noch nicht einmal die entscheidende. Kann Israels Sicherheit in den Grenzen von 1967 gewährleistet werden? Eine Frage, die Osaily schon bei der mittäglichen Vorbesprechung mit „Ja“ beantwortet hat.

Eine Patentlösung ist natürlich auch an diesem Abend nicht zustande gekommen. Immerhin gibt es bedeutende Israelis und Palästinenser, die gemeinsam versuchen, die verfahrene Situation friedlich zu lösen.

von Jan Bosch

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