Volltextsuche über das Angebot:

19 ° / 5 ° wolkig

Navigation:
"Ein Verein innerhalb der Kirche"

Gnadauer Gemeinschaftsverband "Ein Verein innerhalb der Kirche"

Um das Thema „Evangelium und Erfahrung“ ging es am vergangenen Wochenende bei einem Symposium in der Evangelischen Hochschule Tabor in Marburg.

Marburg. Anlass dazu war das 125-jährige Bestehen des Gnadauer Gemeinschaftsverbandes, Netzwerk der evangelischen Gemeinschaftsbewegung, und dem zahlreiche landeskirchliche Gemeinschaften, die Marburger Mission, das Mutterhaus Hebron oder der Deutsche Gemeinschafts-Diakonieverband angehören. Es gehe bei diesem Symposium um die Geschichte und Zukunft der Gemeinschaftsbewegung, die ihren Beginn im 19. Jahrhundert hatte, erläuterte Professor Frank Lüdke, der zu den Veranstaltern gehört und die Tagung moderierte.

Im Mai 1988 fand in Gnadau bei Magdeburg die erste Gnadauer Pfingstkonferenz statt. Sie bildete den Anfang der organisierten Gemeinschaftsbewegung, zu der sich heute bis zu 300000 Christen zugehörig fühlen. „Damals gab es mehr und mehr Kirchenmitglieder, die sich selbst organisieren wollten und sozusagen einen Verein innerhalb der Kirche gegründet haben“, sagt Lüdke.

Ein Grund dafür sei gewesen, dass diese Christen große Motivation gehabt hätten, ihr geistliches Leben selbst zu gestalten. Sie hätten sich mehr geistlichen Austausch, Gebetsgemeinschaft und andere Gottesdienstformen gewünscht. „Das waren und sind bis heute sehr aktive, emanzipierte Gemeindeglieder, denen - im Gegensatz zu den Freikirchen - die Zugehörigkeit zur Kirche nach wie vor wichtig ist“, betont Lüdke. Am Wochenende ging es in erster Linie um die Vergangenheit mit Vorträgen zu Themen wie „Die evangelische Gemeinschaftsbewegung im kirchenpolitischen Raum“ oder „Wie pietistisch ist die Gemeinschaftsbewegung?“ Es sei wichtig zu schauen „Wo kommen wir her?“ sagt Lüdke. denn: „Wir brauchen Klarheit über die eigene Identität, um den weiteren Weg planen zu können.“

Werbung für „gepflegtesgeistliches Leben“

Präses Dr. Michael Diener, dessen Vortragsthema „Pietismus in der Postmoderne - zwischen evangelikal und evangelisch“ war, betonte die Vielfalt der Menschen in den Gemeinschaften und die Notwendigkeit, zur „Einheit in der Vielfalt“ zu finden.

Grundlage allen Handelns sei immer Jesus Christus, so Diener. Er warb unter anderem für „eine liebevolle Einladung zum Glauben“ und ein „gepflegtes geistliches Leben in einer Gemeinschaft mit Stärken und Schwächen“. Außerdem sei es wichtig, in den „furchtlosen Dialog mit anderen Religionen“ zu treten und weiterhin verstärkt gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen.

„Dabei leben und handeln wir nicht aus eigener Kraft, sondern aus Gottes Liebe und Verheißung“, meinte der Referent. Das bunt gemischte Publikum hatte Gelegenheit, bei der Abschlussdiskussion eigene Gedanken einzubringen und sich mit der Zukunft des Gemeinschaftsverbandes auseinanderzusetzen.

von Ines Dietrich

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Marburg