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Ein Traumjob trotz Putzdienst

"Tierisch menschlich" Ein Traumjob trotz Putzdienst

"Ich mag sie alle" - auf die Frage nach einem Liebling will sich Valerie Dollerschell nicht festlegen. Die 23-Jährige kümmert sich vor allem um die Katzen und weiß eines genau: dass sie ihren Traumjob macht.

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Valerie Dollerschell und der zwölf Wochen alte Kater Linus, der im Tierheim auf ein neues Zuhause hofft.

Quelle: Heike Döhn

Marburg. Dabei ist ihre Arbeit bestimmt nicht immer so, wie sich ein junges Mädchen die Arbeit mit Tieren erträumen mag. Stundenlanges Kuscheln ist nicht drin, schließlich muss alles picobello sauber sein, vor allem in der Quarantänestation für Katzen, für die Valerie Dollerschell verantwortlich ist. Da geht schon mal der halbe Tag für das Putzen drauf, dazu kommt die lästige Büroarbeit - „man hat nicht so viel Kontakt zu den Tieren wie man sich das vielleicht wünschen würde“, sagt die 23-Jährige.

2013 wurden 270 Katzen aufgenommen

Aber auch diese Arbeit muss getan werden. Das ist der jungen Frau schon in ihrer Ausbildung zur Tierpflegerin klargeworden - und im Umgang mit den eigenen Tieren, die sie seit ihrer Kindheit begleiten: „Ich reite seit 18 Jahren, da weiß man, wie viel Pflege dahinter steckt.“Doch auch wenn sie nicht jede Minute mit den Tieren verbringen kann, ist sie sich sicher, dass ihre Arbeit einen Sinn hat, vor allem, wenn wieder ein herrenloser Stubentiger vermittelt werden kann.

Das passiert zum Glück ziemlich oft, ist aber auch dringend nötig, denn beispielsweise im Vorjahr wurden 270 Katzen im Tierheim aufgenommen. „Zum Glück gibt es Menschen, die nehmen extra kranke oder alte Katzen auf, damit die noch ein schönes Leben haben“, erzählt die Tierpflegerin.

Andererseits gebe es auch Leute, die ihre Katzen aus sehr eigenartigen Gründen loswerden wollen: „Einmal haben welche gesagt, ,die haart so doll‘, da muss man sich schon beherrschen, nichts dazu zu sagen.“

Andere Katzen kommen ins Tierheim, weil die Besitzer keine Zeit mehr haben oder wenn ein Baby geboren wird und die Katze damit nicht zurecht kommt und unsauber wird. Viele Katzen sind Fundtiere, „und die meisten nicht gechipt und nicht tätowiert - man versteht es nicht“.

Manche „Ladenhüter“ sind schwer vermittelbar

Zunächst kommen alle Katzen zu Valerie Dollerschell in Quarantäne, damit sie die anderen mit eventuellen Krankheiten nicht anstecken. Schnupfen und Pilze sind häufig, es gab auch schon Fälle von Katzen-AIDS. Ob es einer Katze gut geht, das sieht die Tierpflegerin auf Anhieb, „dafür bekommt man mit der Zeit ein Auge“. Auch was für einen Charakter eine Katze hat, sieht sie sehr schnell.

Die meisten ihrer Schützlinge können nach zwei Wochen zu den Artgenossen in den Auslauf und auf neue Besitzer warten. Manche „Sorgenkinder“ länger als andere: „Kathrinchen ist schon lange hier, sie ist auch schon 16 Jahre alt und ist ziemlich eigen“, erzählt die Katzen-Mama. Und Shiva lebt schon vier Jahre im Tierheim, weil sie so scheu ist und sich immer versteckt, wenn Besucher kommen.

Oft landen solche Problemfälle dann zu Hause bei den Mitarbeitern des Tierheims, die sich der „Ladenhüter“ annehmen. Valerie Dollerschell hat bereits zwei Hunde, Ratten und Meerschweinchen, eine Katze fehlt - noch - in der Menagerie.

„An manche Tiere hängt man sein Herz besonders“, erzählt die 23-Jährige. Zum Beispiel an die Kätzchen, die sie mit der Hand aufgezogen hat, weil die Mutter nicht genug Milch hatte. „Aber ich freue mich trotzdem immer, wenn die Tiere vermittelt werden.“

Auch wenn der Job manchmal stressig ist, so kann sie sich keinen anderen mehr vorstellen. Mit den Tieren umgehen, das kann sie einfach besser als alles andere. „Meine Schwester ist Krankenpflegerin, dafür hätte ich nicht die Geduld.“ Mit den Tieren hat sie die immer, wendet sich beim Besuch der Gehege jedem einzelnen zu, kennt alle beim Namen und hat für jedes eine Schmuseeinheit - es sind halt alles ihre Lieblinge.

von Heike Döhn

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