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„Ein Traum wird wahr und bekommt noch Flügel“

Erich-Kästner-Schule „Ein Traum wird wahr und bekommt noch Flügel“

Nachdem die OP im Dezember über den Traum von sechs Schülern berichtete, öffneten sich nach und nach einige Türen. Nur der Buckingham ­Palace erteilte den ­Marburgern eine Absage.

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Die Klasse freut sich auf die bevorstehende Reise nach London. Mit Waffelverkäufen wollen die Schüler die Reisekasse aufbessern.

Quelle: Anna Ntemiris

Marburg. Sie sind überglücklich, dass ein Traum in Erfüllung geht, aber ihre Freude können sie nicht wie andere Jugendliche zeigen.

Die Brüder Resit und Halil können nicht einmal ihre Hände hochhalten, um zu jubeln. Und Simon kann ohne seine Sprechmaschine nur unverständlich reden. Alle sechs Schüler der Hauptstufenklasse 4 der Schule für Körperbehinderte der Erich-Kästner-Schule haben Handicaps, die sie im Alltag stark beeinträchtigen. Daher kam es der Klasse zunächst komisch vor, dass ihre Lehrerin Pia Lauer sie fragte, wohin die Abschlussfahrt gehen soll. Wenn nicht einmal eine Fahrt mit dem Stadtbus in Marburg problemfrei verläuft, wie soll dann eine Reise ins Ausland klappen?, meinte Markus.

„Wir wollen mal träumen. Was wünscht Ihr Euch?“, fragte die junge Lehrerin dennoch. Die schwer körperbehinderten Schüler zwischen 15 und 22 Jahren träumten von London. Dort ist ihr Lieblingsfußballclub FC Chelsea zu Hause, dort können sie Musicals erleben und Sehenswürdigkeiten wie den Buckingham Palace sehen.

Pia Lauer fing an, den Traum der Schüler in Worte und Zahlen zu fassen: Sie recherchierte, rechnete und kam zu folgendem Ergebnis: Eine Klassenfahrt für ihre Schüler, darunter zwei mit der Krankheit Muskeldystrophie, kostet viel zu viel Geld. Zudem mangelt es in London an bezahlbaren barrierefreien Unterkünften. Und wenn es sie gibt, dann sind sie nicht in der Nähe einer rollstuhlgerechten U-Bahn-Station. Pia Lauer und ihre Kollegen schrieben hunderte von Briefen, um um Spenden und Tipps zu bitten.

Nachdem die OP im Dezember über den Traum der Klasse schrieb, meldeten sich viele Unterstützer, berichtet die Klasse. „Viele waren berührt, als wir schilderten, wie schwer es für die Schüler mit Muskeldystrophie ist, den Alltag zu meistern“, erklärt Lauer. Es gab viele Spenden.
Und eines Tages konnte sie der Klasse berichten: „Unser Traum wird wahr und bekommt noch Flügel".

von Anna Ntemiris

Mehr lesen Sie am Montag in der Printausgabe der OP.

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