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Ein Transportmittel wird zur Barriere

Defekter Aufzug am Hauptbahnhof Ein Transportmittel wird zur Barriere

Der Defekt des Aufzugs am Ortenbergsteg erhitzt weiterhin die Gemüter. Das wurde bei einem Ortstermin deutlich.

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Rund 30 Bewohner versammelten sich am Ortenberg-Aufzug und machten ihrem Ärger Luft.

Quelle: Ina Tannert

Marburg. Der Aufzug soll erst Ende des Jahres wieder voll repariert sein - „ein Unding“, ärgern sich viele Bewohner, die sich am vergangenen Freitag zu einem „Demonstrationstermin“ am Ort ihres Unmuts versammelten. Darunter waren auch mehrere Mütter mit kleinen Kindern sowie Senioren, die auf Gehhilfen angewiesen sind. Sie alle­ müssen derzeit auf den sicheren Weg zum oder vom Ortenberg in Richtung Hauptbahnhof verzichten oder sich den 54 Stufen der Betontreppe stellen. Für viele eine unmögliche Barriere.

Vor allem eines können die verärgerten Anwohner nicht nachvollziehen: die ­lange Dauer, die es scheinbar für eine vollständige­ Reparatur braucht ( die OP berichtete). Frühestens ab ­Mitte Dezember ist mit der Lieferung neuer Türen zu rechnen. „Ein Unding, wir sind alle­ so abhängig vom Ortenbergsteg - der ganze Stadtteil wird abgesperrt“, ärgert sich Anwohner Joachim Richter, der zu der Versammlung am Montag aufgerufen hatte.

Betroffene: lange Busfahrt keine Alternative

Dem schließt sich Ulrike Eickhoff, Schriftführerin der Ortenberggemeinde an. Sie denkt vor allem an die „vielen Familien mit Kindern und die Älteren, die alle hier runter müssen“. Ginge­ es bei dem Ganzen ­lediglich um eine Sperre von wenigen Tagen,­ würde sich wohl ­niemand ­beschweren, vermutet sie, doch ein Verzicht von mindestens zwei Monaten sei „eine Zumutung für alle 5000 Bewohner des Ortenbergs“.

Die Alternative, doch zeitaufwendige Anbindung über die Buslinie 8 sehen viele Bewohner nicht als Lösung des Problems. Ebenso lehnen viele eine Durchquerung des Jägertunnels ab, nachdem dort erst wieder in jüngster Vergangenheit eine Frau angegriffen wurde. „Das ist zu unsicher, gerade für Frauen - das kann man doch keinem zumuten, findet Eickhoff. Die Nutzung des städtischen Behindertenfahrdienstes hält sie „im Prinzip für ­eine gute Idee, aber auf Dauer für keine Lösung“. Dafür sei der Fahrdienst wohl nicht schnell genug, nehme für die Passagiere ­einige Vorbereitungszeit in Anspruch.

Einen kleinen Hoffnungsschimmer sehen die Anwohner in dem von der Stadt angedachten Provisorium für die Übergangszeit bis zum endgültigen Austausch der defekten Glastüren: Wie die Stadt mitgeteilt hatte, sollte eine der Türen probeweise durch eine Schlosserfirma ausgebaut und gekürzt werden. Eickhoff rechnet kommende Woche mit der ersten Maßnahme. Sollte diese Erfolg zeigen, könnte der Aufzug vorübergehend wieder fahrtüchtig sein, jedoch erst in einigen Wochen.

Anzeigetafel weist nicht auf Sperrung hin

Generell zeigten sich einige Anwesende überrascht, dass die Stadt keinen Plan B für den Fall eines Defekts in petto hatte und keine Ersatzteile für diesen Fall vorhält. Zudem sei bereits Wochen vor der Sperrung „absehbar“ gewesen, dass der Aufzug nicht mehr lange laufen würde, erinnerte sich Pit Metz, Zweiter Vorsitzender der Ortenberggemeinde. „Man fühlt sich jetzt richtig eingesperrt“, bekräftigte­ er.

Auch auf ein weiteres Ärgernis wiesen die Bewohner hin: ein fehlender Hinweis am ­Anfang des Ortenbergstegs. Die dazu installierte Digitalanzeige, die üblicherweise auf eine Sperrung des Aufzugs hindeutet, sei nach wie vor nicht umgestellt worden. Tatsächlich war die Anlage während des Ortstermins am Montag nicht eingeschaltet. Viele­ Bewohner müssen sich derzeit auf Familie, andere Anwohner oder ihren Einfallsreichtum verlassen, um von ihrem Stadtteil aus in die Innenstadt zu gelangen.

So wie unter anderem Cintia Schelin: Um mit ihrer elf Monate alten Tochter pünktlich zum Hauptbahnhof und weiter in die Marbach zu gelangen, um dort ihre ältere Tochter aus dem Kindergarten abzuholen, bewältigt die Mutter täglich die enge Treppe neben dem defekten Aufzug, mitsamt Kinderwagen. Diesen muss sie, die Tochter dabei im Arm, die Betonstufen herunter zerren. „Das ist sehr schwer, aber was soll ich machen? Ich muss jeden Tag den Bus erwischen“, erzählt die Ortenbergerin. Die klare Forderung der Anwohner: „Wir verlangen ein Provisorium in den nächsten zwei Wochen“, stellte Eickhoff klar.

  • Und so lautet die Kontakt-Telefonnummer der Stadt für Menschen, die Hilfe brauchen, um zum Ortenberg zu kommen: 06421/201-1525.

von Ina Tannert

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