Volltextsuche über das Angebot:

13 ° / 9 ° Regen

Navigation:
Ein Stück Natur mitten in der Stadt

Garten Ein Stück Natur mitten in der Stadt

Geschäftiges Treiben herrscht am unteren Richtsberg. Es wird gesät, gejätet, gebuddelt und gekocht. Ein großer Garten bietet hier den Marburgern Platz für ihre Hobbys.

Voriger Artikel
Junge Piloten erobern den Luftraum
Nächster Artikel
Russland fordert Agenten-Tausch mit Deutschland

Gärtnerin Kati Bohner (von links) und Sozialpädagogin Jutta Greb kümmern leiten die Gruppe „Gartenwerkstadt“. Helga Pukall ist Ansprechpartnerin für die integrativen Gärtenum Foto: Nadine Weigel

Quelle: Nadine Weigel

Es duftet nach wilden Kräutern und frischen ­Sommerblumen. Vogelgezwitscher liegt über dem gesamten Gelände. Auf den etwa 3000 Quadratmetern erstrecken sich Beete, Kieswege und einzelne Parzellen. Es gibt keine störenden Verkehrsgeräusche, obwohl die viel befahrenen Straßen nicht weit entfernt sind.

Dieses idyllische Stück Natur liegt mitten in Marburg. Es ist ein Platz, der für jedermann frei zugänglich ist, aber dennoch wie ein Geheimtipp anmutet. „Früher war das hier alles eine abschüssige Obstwiese“, sagt Helga Pukall über das Gelände an der Vitos-Klinik. Die alten Obstbäume wurden gefällt, die Richtsberggärten entstanden. Helga Pukall koordiniert hier verschiedenste Projekte.

Das gesamte Gelände wurde 2012 mit Unterstützung der Stadt Marburg erschlossen und nach und nach erweitert. Als erstes gab es die „interkulturellen Gärten“: Menschen aller Nationen mieten eine Parzelle und füllen diese mit Leben. Helga Pukall zeigte sich von Beginn an überzeugt von der integrativen Kraft des Projekts. Ziel war es, unterschiedlichste Kulturen, Nationalitäten und soziale Schichten zusammenzubringen. Dass dieses Konzept bereits Früchte getragen hat, zeigt sich durch das Engagement der vielen Freiwilligen. Einer von ihnen ist Karl-Heinz Koch, der sich hingebungsvoll um den Rosengarten kümmert.

Fachleute erklären die Heilkraft der Pflanzen

Unterhalb des ­Rosengartens, auf drei sandsteingefassten Hochbeeten, wachsen seltene Heilpflanzen, Duft- und Küchenkräuter. Kleine Tafeln geben Informationen über Name, Herkunft und Heilwirkung. Bei den regelmäßig stattfindenden Informationstagen erklären Fachleute, welches Kraut wie eingesetzt werden kann. „Wir werden zum Beispiel in diesem Jahr noch einen Workshop anbieten, bei dem wir unsere eigene Ringelblumensalbe herstellen“, erklärt Helga Pukall. Eine andere Interessengruppe widmet sich dem Backhaus. Diese Gruppe belebt damit eine Tradition, die vor Jahren noch in vielen umliegenden Dörfern zum sozialen Leben gehörte. Im eigenen Holzbackofen wird Brot gebacken. Pizza und Flammkuchen erweitern heutzutage die Möglichkeiten.

Besonders stolz ist Pukall auf die experimentellen Themenbeete. Etwa das Mondscheinbeet: „Hier stehen Blumen, die erst abends ihren Duft verströmen“, sagt Pukall. Weitere Höhepunkte sind das chinesische Beet mit orientalischen Gewächsen und ein Feld, auf dem essbare Blüten gedeihen.

Wer Interesse an der Gartenarbeit hat, aber keine Vorkenntnisse besitzt, muss dennoch keine Berührungsängste haben. Kati Bohner und Jutta Greb bieten in ihrer „Gartenwerkstadt“ die Möglichkeit, in Gemeinschaftsarbeit eine etwa 300 Quadratmeter große Fläche zu bewirtschaften.

Derzeit gehören 20 Personen zu der Gruppe. „Wir sind eine bunte Mischung im Alter zwischen acht bis Mitte 60“, sagt die gelernte Gärtnerin Bohner. Die „Gartenwerkstadt“ trifft sich immer donnerstags von 17 bis 20 Uhr. Alle Erträge ­werden unter den Helfenden aufgeteilt. Die Gemeinschaft steht im Vordergrund. „Die Teilnehmer müssen zwar einen kleinen Betrag aufwenden, aber sie bekommen im Gegenzug auch eine ganze Menge für ihr Geld“, sagt die Sozialpädagogin Jutta Greb.

Tastendes Erlebnis: der Barfußpfad

Viel Zeit haben die Hobbygärtner in ihr Kartoffelfeld investiert. 16 verschiedene Kartoffelsorten können dort anhand von Schautafeln, die die Besonderheiten erklären, näher betrachtet werden. Diese Ausstellung läuft noch bis 22. September. Dann findet ein großes Fest statt, bei dem die herzhaften Knollen verkostet werden.

Auch die Vitos-Klinik beteiligt sich mit einem Barfußpfad an dem Gesamtprojekt der verschiedenen Gärten. Das Barfußlaufen über verschiedene Naturmaterialien soll verschiedene Sinneseindrücke vermitteln. Wer einfach nur die Natur genießen möchte, kann es sich auf einer der Bänke gemütlich machen. Vielleicht sieht er dann sogar einen Specht oder hört eine Nachtigall: „Die haben wir nämlich auch“, sagt Pukall.

Mehr Informationen gibt es auf der Homepage www.richtsberggaerten.de oder per Mail an info@gartenwerkstadt.de.

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr