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Ein Stadtspaziergang mit politischem Blick

OB-Kandidat Jan Schalauske Ein Stadtspaziergang mit politischem Blick

Georg Fülberth und Gert Meyer, beide Kenner der Marburger Geschichte, zeigten rund 40 Teilnehmern eines Stadtspaziergangs den Wandel im Nordviertel.

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Marburg. Kaum ein Tourist zieht durchs Bahnhofsviertel, um sich Marburg anzuschauen. Dabei ist das Viertel aus der Perspektive der Stadtentwicklung sehr bedeutend, sagt Jan Schalauske, Oberbürgermeister-Kandidat der Marburger Linken. Er veranstaltete daher einen „Spaziergang“ von der Bahnhofstraße bis zur Waggonhalle, den Professor Georg Fülberth und Dr. Gert Meyer führten.Mit historisch interessanten Details, Anekdoten aus der Stadtpolitik und humorvollen Anmerkungen weckten Fülberth und Meyer das Interesse der rund 40 Teilnehmer.

Der Spaziergang begann an der Hauptpost. Das historische Gebäude der früheren Reichspost ist für Schalauske ein Symbol für die Privatisierung: Nachdem die Deutsche Post das Gebäude an einen Investor verkauft hat, ist sie mit einer großen Filiale dort Mieter. Und dort könne man die Folgen von Unterbeschäftigung erleben, sagte Schalauske: lange Schlangen an den Schaltern, genervte Kunden, gestresstes Personal. Die Marburger Linke und der DGB haben übrigens ihre Büros in diesem Gebäude - sind also mitten im „modernsten Viertel“.

Einige Schritte weiter machte die Gruppe halt vor der Emil-von-Behring-Bibliothek. Der Medizinnobelpreisträger Emil von Behring war einer der bedeutendsten Marburger, wenn auch ein Militarist, sagt Fülberth. An seine Verdienste werde im Stadtbild aber nicht sichtbar genug erinnert.

Im Mittelpunkt der Führung standen jedoch moderne Projekte, konkret die DVAG-Gebäude. Ein finanzkräftiger Investor, der verstorbene Dr. Reinfried Pohl, formte sich den Stadtteil nach seinem Bilde. Fünf-Sterne-Hotel, Congresszentrum, Hochschule, Cafés und Holding-Sitz - alles gehört zur DVAG-Gruppe - prägen „Pohl-City“, wie böse Zungen das Areal nennen, so Fülberth. Aber „weder dem Mann noch der Stadt“ könne man einen Vorwurf machen, wenn man die Stadtentwicklung im Nordviertel kritisiere, sagte Fülberth. „Es sind die Verhältnisse.“

Ressentiments gegen Reiche wolle er nicht schüren, daher sei er vorsichtig, so Fülberth. Er konzentrierte sich auf Fakten, sprach zum Beispiel den einstigen Streit um das denkmalgeschützte Haus Rosenstraße 9 an - dort ist jetzt das DVAG-Museum - oder die DVAG-Spenden an die Bundes-CDU.

Die Gebäude eines weiteren Marburger Unternehmens, beispielsweise die Appartementanlagen in der Neuen Kasseler Straße, waren ebenfalls Thema der Führung. Schalauske befürchtet, dass durch den Bau moderner, privater Appartements die Mieten insgesamt in Marburg weiter steigen, weil diese dann den neuen Gebäuden angepasst werden.

Am Bahnhofsvorplatz blickte die Gruppe auf die Stadtautobahn. Schalauske forderte eine Untertunnelung. Das Nordviertel, so der Historiker Meyer, habe den Auf- und Abstieg des Bahnverkehrs miterlebt. „Vielleicht erlebt es auch mal den Auf- und Abstieg des Autoverkehrs.“

Erst die Pferdebahn, später die Straßenbahn verband den 1850 gebauten Bahnhof über die geschäftige Bahnhofsstraße mit der Innenstadt.

von Anna Ntemiris

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