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Ein "Spaziergang" gegen Militarismus

Protest gegen Kriegsdenkmal Ein "Spaziergang" gegen Militarismus

Deutschlandweit fanden am Karsamstag die traditionellen Ostermärsche statt, bei denen verschiedene Gruppen für den Frieden protestierten. Die Demonstranten in Marburg wollten jedoch nicht marschieren.

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Die Osterspaziergänger protestierten am Samstag gegen das Kriegsdenkmal in Bortshausen.Foto: Nadine Weigel

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. „Es ist ein Osterspaziergang und kein Ostermarsch“ stellt der DGB-Kreisvorsitzende Pit Metz gleich zu Beginn fest. Schließlich gelte es auch die alltägliche Sprache zu entmilitarisieren. Früher seien es Begriffe wie „Heimat“ und „Nation“ gewesen, die die Menschen für den Krieg mobilisiert hätten, achtzig Jahre nach der nationalsozialistischen Machtergreifung seien es hingegen Schlagwörter wie „uneingeschränkte Solidarität“ und „Bündnistreue“,

die diese Funktion erfüllten.„Zu viele Menschen glauben, die Bundeswehr sei nur in Afghanistan, um Brunnen zu bohren“, so Metz. Daher sei es wichtig, weiterhin für die Friedensbewegung einzutreten und an Missstände zu erinnern. „Aus diesem Grund“, so zitierte Metz das Osterlied der Friedensbewegung, „spazieren wir für eine Welt, die von Waffen nichts mehr hält“.

Nachdem der Osterspaziergang letztes Jahr zum ersten Mal nach langer Pause in Marburg stattgefunden hatte, wählten die Organisatoren für dieses Jahr eine neue Route. Um den Teilnehmern nicht wieder den langen Weg nach Bortshausen zuzumuten, ging es vom DGB-Gebäude an der Bahnhofsstraße zum Jägerdenkmal im Schülerpark und von dort aus weiter bis zum Deserteursdenkmal in der Frankfurter Straße.

Weniger Teilnehmer als im Vorjahr

Nichtsdestotrotz stand auch in diesem Jahr das Denkmal, das 2011 für die Marburger Jäger in Bortshausen aufgestellt wurde, wieder im Fokus. Rückwärtsgewandter Kriegsheldenkult am falschen historischen Ort dürfe nicht länger toleriert werden. Das Denkmal müsse weg, so Karsten Engelwald von der Bürgerinitiative „Kein Kriegsdenkmal in Bortshausen“. Nicht nur die Umstände der Aufstellung seien ein Skandal, sondern auch die Tatsache, dass der „illegale Klotz“ noch immer stehe. Dabei erinnerte Engewald an die seit über einem Jahr anhaltende Auseinandersetzung um das Jägerdenkmal (die OP berichtete).

Die Aufstellung des „militaristischen Steinphallus“ sei ein großer Fehler gewesen, aber Fehler seien menschlich.

Als Mensch in verantwortungsvoller Position müsse man aber im Magistrat in der ­Lage sein, Fehler einzugestehen. „Die Art und Weise, wie man mit der Sache umgeht, ist beschämend“. Wichtig sei nun, das Denkmal schnellstmöglich zu beseitigen, denn die Marburger Jäger seien keine heldenhaften Kämpfer gewesen. Stattdessen sei es bei der Gruppierung immer „um Mord und Totschlag“ gegangen.

Nach der Rede Engewalds setzten sich die etwa 60 bis 70 Teilnehmer in Bewegung Richtung Frankfurter Straße. Trotz der kürzeren Route waren an diesem Wochenende deutlich weniger Menschen gekommen als noch im Vorjahr, in dem über 180 Teilnehmer gezählt worden waren. Jan Schalauske vom Bündnis Nein zum Krieg, der den Osterspaziergang organisiert hatte, begründete dies mit der kürzeren Vorbereitungszeit.

Bei der Abschlusskundgebung am Deserteursdenkmal verurteilte Wolfgang Gehrcke, Bundestagsabgeordneter der Linken, besonders Waffenexporte und Bundeswehreinsätze im Ausland. „Es heißt immer, Abgeordnete sind ihrem Gewissen verpflichtet“, sagte ­Gehrcke, doch die deutsche Außenpolitik sei oftmals gewissenlos. „Was hat Afghanistan mit Gewissen zu tun? Und was haben Euro-Rettungsschirme oder Patriot-Raketen in der Türkei mit Gewissen zu tun?“, so Gehrcke. Für ihn sei Thomas de Maizière der gefährlichste Verteidigungsminister, den er bisher kennengelernt habe, fand der Linke und bezeichnete de Maizière als „Mathematiker des Krieges“.

Gehrcke trat für eine „Rüstungskonversion“ ein. Statt Waffen zu produzieren, sollten in den Fabriken zivile Güter hergestellt werden. Um dies zu erreichen, plädierte er für mehr politische Beteiligung der Bürger. „Veränderung kommt durch Menschen, die ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen“.

von Peter Gassner

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