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Ein Siegel wirft viele neue Fragen auf

Neuer Botanischer Garten Ein Siegel wirft viele neue Fragen auf

Er gehört zu den drei bedeutendsten Anlagen Deutschlands: der Neue Botanische Garten auf den Lahnbergen. Nun bekommt er das Siegel „Kulturdenkmal“ verpasst - und hofft auf eine bessere Zukunft.

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Ein junger Besucher schaut sich im Neuen Botanischen Garten eine Tafel über Libellen an.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Die Philipps-Universität kann sich die teure Anlage nicht mehr leisten und muss sparen. Rund eine Million Euro fehlen, um den Status quo zu erhalten. Der Direktor des Botanischen Gartens, Dr. Andreas Titze, ist angehalten, ein zukunftsfähiges Konzept zu erarbeiten. Auch gestern war der Marburger beim Ministerium zu Gast, um Auswege aus der Finanzmisere zu erarbeiten.

Nur dieses Mal ist die Situation eine andere - und das dank eines Satzes von Dr. Dieter Griesbach-Maisant, seines Zeichens Oberkonservator beim Landesamt für Denkmalpflege.

In seiner Bewertung heißt es: „Der Neue Botanische Garten mit architektonisch gestaltetem Eingangsbereich durch Verwaltungs- und Gärtnereigebäude, mit seinen Pflanzenhäusern und der angelegten Teichfläche sowie mit der ablesbaren konzeptionellen Gestaltung durch den Landschaftsarchitekten Prof. Grzimek mittels eines organischen Wegesystems und begleitendem Wasserlauf stellt aus gartengestalterischen und baugeschichtlichen Gründen ein Kulturdenkmal dar.“ Der Garten steht in seiner Gesamtheit unter Denkmalschutz.

Eine Entscheidung, die Gerhard Haberle, Sprecher der Lokalen Agenda für nachhaltige Stadtentwicklung und selbst fast 35 Jahre im Hochschulbauamt tätig, ein breites Grinsen aufs Gesicht zaubert. Er war es, der stets für die Unterschutzstellung plädiert hat. So ganz trauen will er der Sache aber noch nicht. Denn: Das hessische Finanzamt, so sagt er, wolle noch ein zweites Gutachten anfertigen lassen. Bis auf Weiteres gilt jedoch: Sollten bauliche Veränderungen umgesetzt werden, muss die Denkmalschutzbehörde mitspielen. „Das klingt nach Paradies“, sagt Haberle. „Wenn das Aber nicht wäre.“

Ist die Zukunft des Neuen Botanischen Gartens mit dem Siegel der hessischen Behörde nun gesichert? Nicht zwingend. Der Besitzer, also das Land Hessen, kommt für die Unterhaltskosten auf. Aber auch in Wiesbaden muss gespart werden. Das heißt: Nach wie vor entscheidet das Konzept von Andreas Titze. „Man muss genau abwägen, was der Denkmalcharakter für die Anlage bedeutet“, sagt Bürgermeister Franz Kahle (Grüne). Die Flexibilität für die Universität sei damit eingeschränkt. Und das in Zeiten, in denen der Botanische Garten ohnehin nur noch in geringem Maße für Forschung genutzt werde. Die Bedeutung des Gartens für Marburg jedoch ist groß. Pro Jahr gewährt die Stadt einen Zuschuss von 150000 Euro an Steuergeldern. Dazu kommt rund eine Million von der Universität, weitere 620000 Euro vom Land.

Um Kosten zu senken, rät Haberle zur Investition, in erster Linie bei den Gewächshäusern. Eine energetische Sanierung, dazu den Aufbau von Fotovoltaikanlagen könnten die Energiekosten erheblich senken. „Die Behauptung der Uni, die Dächer seien marode, halte ich nicht für die volle Wahrheit.“ Zwischen 2005 und 2006 seien die Dächer komplett saniert worden, da könne jetzt nicht alles undicht sein. Das Solarkataster im Internet zeigt für die Lahnberge dunkelrot, also maximale Leistung. „Wenn die Dächer dicht sind, gibt es keinen Grund, nicht zu sanieren“, sagt Haberle und bewertet die Uni-Aussage als Schutzbehauptung.

Auch Bürgermeister Kahle möchte gerne die Solarkraft nutzen und hat angeboten, mit den Stadtwerken ein Betreibermodell zu erarbeiten. „Dafür brauche ich aber den Spielraum und die Gewissheit, dass es den Neuen Botanischen Garten in 20, 25 Jahren noch gibt. Sonst ist das finanzielle Risiko zu groß.“ Mit der Ernennung zum Kulturdenkmal dürfte das Risiko geringer geworden sein...

von Carsten Beckmann

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