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Ein Siegel für drei Volkskunstschaffende

Brauchtumspflege Ein Siegel für drei Volkskunstschaffende

Ortwin Koch aus Niederklein, Erika Wagner aus Lixfeld und Karl Weitzel aus Stadtallendorf sind die neuen Träger des Ehrensiegels der Volkskunst.

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Verleihung Ehrensiegel (Foto oben): Eckhard Hofmann (von links), stellvertretender Vorsitzender der Volkskunstgilde, die Vorsitzende Anneliese Schömann, Nadine Buchmann (Vorstand Trachtengruppe Lixfeld), Karl Weitzel, Udo Weber (Vorsitzender Trachtengruppe Lixfeld), Erika Wagner, Ortwin Koch, Wolfgang Meißner vom Bezirksvorstand HVT Mitte, Landrätin Kirsten Fründt, Jürgen Homberger (Vorstand Volkskunstgilde) und Tanja Ewertz (Vorstand Trachtengruppe Lixfeld).

Quelle: Manfred Schubert

Halsdorf. Landrätin Kirsten Fründt und die Vorsitzende der Hessischen Volkskunstgilde, Anneliese Schömann, überreichten die Auszeichnung der Volkskunstgilde an drei Personen. Das Ehrensiegel der Hessischen Volkskunst wurde im Jahre 1986 vom Kreisausschuss des Landkreises Marburg-Biedenkopf ins Leben gerufen und wird von der Volkskunstgilde im Namen der Hessischen Vereinigung für Tanz- und Trachtenpflege (HVT) zusammen mit dem Landkreis an Personen, Vereine und Institutionen verliehen, die sich um die Bewahrung und Pflege alter Volkskunst verdient gemacht haben.

Eckhard Hofmann, Jürgen Homberger und Anneliese Schömann vom Vorstand Volkskunstgilde würdigten vor den 70 Teilnehmern der Feier im Feuerwehrhaus in ausführlichen Laudationes die Verdienste der diesjährigen Preisträger.

Ortwin Koch aus Niederklein, dort 1932 geboren, interessierte sich schon in jungen Jahren für die Geschichte seiner Heimatgemeinde. Er trat in den Postdienst ein, wurde 1985 Leiter der zentralen Briefermittlungsstelle in Marburg und ging 1996 in Ruhestand. In seinem Buch „Glene im Lahngau“ schrieb er über eine wissenschaftliche Untersuchung, mit der die Ersterwähnung im Jahre 802 nachgewiesen wurde und so war es ihm zu verdanken, dass Niederklein 2002 seine 1200-Jahr-Feier begehen konnte. Weiter schrieb er über alte Dorfordnungen und Eheverträge, die Vizentinerinnen im Kreis Kirchhain, 300 Jahre Post in Amöneburg und andere geschichtliche Beiträge. 2009 befasste er sich unter dem Titel „Doas winn mir net vergesse“ mit der heimischen Mundart.

Erika Wagner aus Lixfeld trug bei ihrer Geburt 1930 den Namen Schneider. Aus wirtschaftlicher Not, der Vater war als Bergmann 1937 ums Leben gekommen, konnte sie während des Krieges zunächst keine Ausbildung beginnen, sondern arbeitete als angelernte Schweißerin in Dillenburg. Danach arbeitete sie zwei Jahre bei einer Schneiderin, konnte die Ausbildung aber nicht beenden, weil die Ausbilderin politisch belastet war und mit einem Lehrverbot belegt wurde. Nach Heirat und Geburt von drei Kindern besserte sie das Familieneinkommen mit der Näherei auf, in ihrer Schneiderwerkstatt sind viele Fotos von Brautkleidern aus ihrer Hand zu bewundern. Bei Gründung der Trachtengruppe Lixfeld nahm Waltraud Sebö Erika Wagner mit ins Boot. Wagner eignete sich umfangreiches Wissen über Trachten an und hat auch für andere Trachtengruppen des Landkreises bereitwillig Trachtenteile in mühevoller Arbeit angefertigt.

Neuer Film über die heimische Trachtenvielfalt

Für ihr Engegement zum Erhalt der Tracht des Obergerichts des Breidenbacher Grundes in den vergangenen 30 Jahren erhält sie das Ehrensiegel.

Karl Weitzel kam 1937 in Stadtallendorf, damals noch Allendorf, zur Welt. Er fotografierte schon in seiner Schulzeit gern. Er lernte zunächst Schumacher in Marburg, nach einigen Gesellenjahren wechselte er bis zur Pensionierung zur Post. Noch heute ist die Kamera fast ständiger Begleiter, er machte Fotoausstellungen und war freier Mitarbeiter der Oberhessischen Presse.

Er ist Fotochronist, Autor und Mitautor zahlreicher Bücher und Schriften über seinen Heimatort und dessen Entwicklung und dort als Stadt- und Kirchenführer tätig. Unter anderem hat er in Allendorf Volkslieder gesammelt und veröffentlicht, aber auch ein Buch über religiöse Bräuche in Oberhessen. Weitzels Fotos, Bücher und Schriften sind mittlerweile wichtige Zeitzeugnisse der Geschichte Stadtallendorfs.

Nach der Verleihung des Ehrensiegels wurde anhand von Ausschnitten die jetzt, nach zweijähriger Arbeit, fertiggestellte DVD der Volkskunstgilde mit dem Titel „Die Trachtenvielfalt in Oberhessen“ präsentiert.

Ehrennadeln für langjährige Mitglieder

Sie zeigt die Herstellung der verschiedenen Trachten und stellt sie vor, beispielsweise getragen bei Hochzeitszügen oder auch bei einem Trachtengottesdienst mit Abendmahl. Die Laufzeit beträgt etwa eine Stunde, sie ist zum Preis von 12,90 Euro bei der Volkskunstgilde erhältlich.

Schließlich wurden noch langjährige Mitglieder der Volkskunstgilde geehrt. Elke Schleiter aus Halsdorf, seit 25 Jahren Mitglied und langjährige Kassiererin, erhielt die goldene Ehrennadel der HVT. Die silberne Ehrennadel der HVT für zehnjährige Mitgliedschaft erhielten Johannes Briel aus Ernsthausen, Helmut Hahn aus Schweinsberg, Marianne Obermann aus Josbach, Marion Lange und Rita Schmidt aus Gladenbach.

von Manfred Schubert

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