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Ein Schnurrbart gegen Prostatakrebs

Aktion im November Ein Schnurrbart gegen Prostatakrebs

Männer sterben früher als Frauen, sie erkranken häufiger an Krebs und haben mehr Arbeitsunfälle. Weil Männer über Prostatakrebs oder psychische Leiden ungern reden, gibt es den „Movember“.

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OP-Redakteur Thomas Strothjohann startet professionell rasiert in den Movember. Machen Sie auch mit im Mo-Team der Oberhessischen Presse: http://moteam.co/oberhessische-presse

Quelle: Thomas Strothjohann

Marburg. Was kann ein Schnurrbart bringen, wenn die Diagnose „Krebs“ heißt? Berechtigte Frage - die Antwort lautet „nichts“. Die australische Movember Stiftung nutzt den „Mo“ genannten Schnurrbart trotzdem, um etwas für Männergesundheit, also für Aufklärung und gegen Prostata- und Hodenkrebs zu tun.

„Ein Schnurrbart über den Lippen eines normalerweise rasierten Mannes stiftet Verwirrung und führt dazu, dass die „Mo-Bros“ im Movember immer wieder gefragt werden: ‚Warum der Schnurrbart?‘“ Das schreiben die Initiatoren auf movember.com. Auch im Landkreis Marburg-Biedenkopf werden Männer das Experiment wagen und im Movember Schnurrbart tragen. Einer von ihnen ist Boris Pichler, geschäftsführender Gesellschafter der Kaphingst GmbH. Über Gesundheitsthemen spricht der sonst glattrasierte Manager berufsbedingt oft - diesen Monat wird er voraussichtlich auch viel über Bärte sprechen.

Ziel: Spenden sammeln

Neben den Gesprächen über Männergesundheit zielt die Movember Stiftung mit der Aktion auf Spenden ab. Die Gelder werden für wissenschaftliche Studien zum Beispiel über Behandlungsmethoden bei Prostatakrebs investiert. Allein in deutsche Studien sind, den Berichten der Stiftung zufolge, mehr als 263 000 Euro geflossen.

Die Aktion ist, ähnlich wie die im Sommer großgewordene „Ice bucket challenge“ weitgehend internetbasiert. Wer mitmachen will, kann sich auf movember.com ein Profil anlegen, um dort und bei Facebook das Wachstum seines Schnurrbarts zu dokumentieren. Auf der Website können sich Freunde, Verwandte und Kollegen zu Mo-Teams zusammenschließen. Die Teams sammeln dann um die Wette Spenden. Deutschlandweit am erfolgreichsten ist mit 675 Euro am letzten Oktobertag das Team „Uberlippe“. Die Spenden können zum Beispiel mit Partys, Flohmärkten oder Versteigerungen generiert werden.

Wichtig: Mitmachen sollen ausdrücklich auch Frauen. Die sogenannten „Mo Sistas“ könnten sich an der Aktion beteiligen und die Bärtigen ermutigen - auch wenn sie von ihren neuen Schnurrbärten nichts hielten.

Die Initiatoren haben Regeln für „Mo Bros“ aufgestellt.

  • Am ersten November beginnt die Aktion mit dem „Shave down“ - wer mitmachen will, rasiert sich den Bart ab.
  • Gentlemen schummeln nicht. Vollbärte, Spitzbärte und alle anderen „falschen“ Schnurrbärte sind nicht erlaubt
  • Der Schnurrbart ist kein Selbstzweck und auch kein modisches Detail - die Aufmerksamkeit, die er erzeugt, wird genutzt, um Gespräche über Männergesundheit zu führen und Spenden zu sammeln.
  • „Mo Bros“ sollen sich wie echte Gentlemen verhalten.

Interview zur Männergesundheit

Prof. Dr. Hans-Christian Schuppe ist Androloge und Experte für Fruchtbarkeitsprobleme von Männern.

OP: Herr Schuppe, im November wollen einige Männer, mit Schnurrbärten auf Männergesundheit aufmerksam machen. Was halten Sie davon?

Schuppe: Das Thema ist wichtig. Wir Männer tendieren nach wie vor dazu, Vorsorgeangebote weniger in Anspruch zu nehmen und riskanter zu leben als Frauen – und kämpfen dann mit den Beschwerden und Krankheiten. Australische Kollegen haben in Telefoninterviews Männer zu Prostata- und anderen Beschwerden befragt und festgestellt, dass die Männer durchaus Fragen haben und bei vielen Handlungsbedarf besteht.

OP: Über welche Themen sollte in dem Zusammenhang mehr gesprochen werden?

Schuppe: Die klassischen Probleme haben mit dem Lebensstil vieler Männer zu tun: Zu wenig Bewegung, Übergewicht und Rauchen führt zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen. In dem Zusammenhang ist Testosteronmangel ein wichtiges Thema:Übergewicht und wenig Bewegung kann zu einem Mangel an männlichen Hormonen führen. Und umgekehrt bildet sich bei Männern mit Testosteronmangel schneller Fett. Der Mangel hat Auswirkungen aufs Sexualleben, er kann allgemein zu Antriebslosigkeit führen und dazu, dass Muskelkraft und -Masse abnehmen. Er beeinträchtigt die Hirnleistung und führt bei manchen Männern zu einer Depression. Den Hormonhaushalt können wir aber überprüfen und Testosteronmangel gegebenenfalls behandeln.

OP: Welche Vorsorgeuntersuchungen empfehlen Sie?

Schuppe: Männer ab 45 Jahren sollten Prostatakrebsvorsorge betreiben – wenn in der Familie Fälle bekannt sind, auch schon früher. Darmkrebsvorsorge wird ab 50 Jahren empfohlen. Hodenkrebs betrifft dagegen die jungen Männer. Männer, die in der Kindheit einen Hodenhochstand hatten, haben ein erhöhtes Risiko, an Hodenkrebs zu erkranken. Wir empfehlen den Betroffenen ab dem 15. Lebensjahr, die Hoden etwa einmal im Monat selbst abzutasten und so Veränderungen wie z.B. Verhärtungen früh zu bemerken. Diese Risikogruppe sollte einmal im Jahr zur Untersuchung gehen. Seitdem die Wehrpflicht abgeschafft ist, haben junge Männer zumeist keinen Anlass mehr, sich untersuchen zu lassen.

OP: Ihr Spezialgebiet ist Fortpflanzung – was sagen Sie jungen Männern, die später Kinder haben wollen?

Schuppe : Auch hier spielt der Lebensstil eine wichtige Rolle, allem voran das Rauchen, aber auch höhergradiger Alkoholkonsum und Übergewicht.Leistungssteigernde Medikamente wie Anabolika, aber auch eine Vielzahl anderer Medikamente können die Fruchtbarkeit einschränken. Auch zu viel Hitze ist schlecht: Viel sitzen, Sitzheizung, heiße Bäder und häufige Saunagänge.

von Thomas Strothjohann

Mit uns die Schnurrbärte wachsen lassen, können Sie unter: http://moteam.co/oberhessische-presse

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