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Ein Schlag auf den gordischen Knoten

Neuordnung der Stromverteilnetze Ein Schlag auf den gordischen Knoten

Nach vier Jahren Verhandlung scheint die Neuordnung der Stromverteilnetze im Landkreis Marburg-Biedenkopf auf die Zielgerade einzubiegen. Möglich macht das ein Kompromiss, der allen Beteiligten Vorteile bringt.

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Eine Einigung über eine Reihe von Stromnetzen im Landkreis rückt in greifbare Nähe.

Quelle: Sebastian Widmann

Marburg. Am Montagabend stellten die Geschäftsführer der regionalen Versorger Stadtwerke Marburg und EAM beziehungsweise ihrer Netzgesellschaften eine Übereinkunft vor, mit der der seit Jahren schwelende Streit zwischen den bisherigen Netzeigentümern (EAM, früher Eon Mitte AG) sowie den Kommunen und dem Partner Stadtwerke Marburg beigelegt werden kann.

Er wurde am Abend im Marburger TTZ vor Gemeindevertretern, Stadtverordneten, Magistratsmitgliedern und Gemeindevorständen aus den betroffenen Kommunen erläutert. Denn die Entscheidung, ob dieser Weg gegangen wird, wird letztlich für jede Kommune im jeweiligen Parlament getroffen.

Zukunft des Cölber Stromnetzes offen

Worum geht es? Statt dem bisher angestrebten Netzverkauf von EAM an die von Kommunen und Stadtwerken gemeinsam gegründete Netzgesellschaft Energie Marburg-Biedenkopf (EMB) soll es nun eine strategische Partnerschaft aller Akteure geben. Die EAM beteiligt sich mit 39 Prozent an der bisherigen Konkurrenzgesellschaft EMB, die dort vertretenen Städte und Gemeinden stocken ihre Anteile auf 51 Prozent auf. Stadtwerke und der Landkreis halten zusammen die restlichen 10 Prozent.

Dazu legt die EAM in einem ersten Schritt die Stromnetze der Kommunen Lohra, Weimar, Fronhausen, Amöneburg, Lahntal, Wetter, Münchhausen, Wohratal und Rauschenberg in die EMB ein. Offen ist, ob auch das Cölber Netz dazugehören wird, da die Gemeindevertretung dort gerade die Konzessionsvergabe wiederholt.

Im ersten Verfahren war das Verfahren zugunsten der EMB ausgegangen. Diese Netze werden insgesamt mit rund 15 Millionen Euro bewertet, teilten Stadtwerke-Geschäftsführer Norbert Schüren und sein EAM-Kollege Thomas Weber mit. Neun Millionen Euro erhält die EAM im Gegenzug von den anderen Gesellschaftern, die verbleibende Differenz von sechs Millionen Euro entspricht der 39-prozentigen Beteiligungseinlage.

Alle Beteiligten sparen Geld

Dieser Weg hat Vorteile für alle Beteiligten. Die Kommunen sichern sich Mitsprache an der Gesellschaft, die in ihren Orten die Netze betreibt, und wird über die Konzessionsabgabe hinaus am Erlös aus dem Netzgeschäft beteiligt. Die EAM bleibt auch weiterhin Netzbetreiber, muss die Netze also nicht ganz aus der Hand geben und verkaufen. Die Stadtwerke Marburg bleiben als Partner im Boot und übernehmen von der EAM sämtliche Netze in den Außenstadtteilen von Marburg, versorgen also künftig ganz Marburg. Auch um diese Netze hatte es ein langes Tauziehen gegeben.

Alle Beteiligten sparen darüber hinaus auch Geld, weil ein langwieriger Rechtsstreit um die Herausgabe und die Preisermittlung der Netze entfällt. Mit der Frage, ob man diesen Weg mitgehen will, werden sich ab jetzt die Gemeindeparlamente beschäftigen. Möglichst vor der Sommerpause sollen die Beschlüsse aller Gemeindegremien vorliegen, damit der Prozess zum Jahresende abgeschlossen werden kann.

Für die etwa 60 000 Bürger in dem Versorgungsgebiet der EMB ändert sich durch diese Entwicklung im übrigen nichts. Jeder Kunde kann seinen Stromlieferanten frei wählen und auch behalten. Im Strompreis sind die Entgelte für die Durchleitung des Stroms bereits enthalten. Von diesem Kuchen bekämen in diesem Fall künftig aber neben der EAM eben auch die Kommunen ein Stückchen ab.

von Michael Agricola

 
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