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Ein Rückzugsort für Frauen mit Kindern

Flüchtlingsunterkünfte Ein Rückzugsort für Frauen mit Kindern

Die Überlegungen der Stadt Marburg, auf dem Vitos-Gelände eine Wohngruppe für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge unterzubringen, sind auf Eis gelegt.

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Das Gebäude auf dem Gelände der Vitos-Klinik, in dem kurzfristig Rückzugsräume für Flüchtlinge mit ihren Kindern geschaffen 
werden können.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Stattdessen sollen die Räume im Gebäude 13 im westlichen Teil des Parks für Flüchtlingsmütter vorgehalten werden, die mit ihren Kindern hier Unterschlupf finden können. Dies verabredeten Vertreter der Stadt Marburg und des Klinikbetreibers Vitos, einer Tochtergesellschaft des Landeswohlfahrtsverbandes, nach einer 
gemeinsamen Besichtigung der Immobilie am Dienstag.

Vitos-Geschäftsführer Marc Engelhard sagte der OP, ein Raumkonzept für den Flachbau solle zeitnah erarbeitet und abgestimmt werden. „Notwendige Renovierungsarbeiten können innerhalb von drei Wochen realisiert werden“, so Engelhard.

Marburgs Oberbürgermeister 
 Egon Vaupel ergänzte, hier könnten sowohl alleinstehende 
Frauen mit Kindern aus der Erstaufnahmeeinrichtung an der Umgehungsstraße wie auch fest in Marburg lebende Flüchtlingsfrauen untergebracht werden. Der Bedarf sei in jedem Fall vorhanden, sagte Vaupel.

Er weiß von mehreren Fällen, in denen Flüchtlinge mit ihren Kindern traumatisiert in Marburg ankamen und hier in einer schwere Krise geraten sind. „Die müssen wir aus einer Einrichtung wie der in Cappel in jedem Fall herausholen“, sagt Vaupel. Er sei froh, dass eine 
Unterbringung auf dem Gelände der Vitos-Klinik nun bald möglich sei.

„Wesentliche Voraussetzung von Traumata ist auch, dass Mütter und ihre Kinder menschenwürdig untergebracht sind“, sagte Engelhard (Privatfoto). Das Angebot richte sich an traumatisierte Mütter und traumatisierte Kinder im Alter von 0 bis 13 Jahren. Schwangere, alleinerziehende Frauen seien ebenso willkommen wie Kinder mit Handicap mit ihren Müttern. Der Geschäftsführer stellte aber klar, dass die Vitos-Klinik die Betreuung der Bewohnerinnen und ihrer Kinder nicht gewährleisten kann.

Das Haus 13 auf dem Vitos-Gelände, ein derzeit nicht genutztes Kliniksgebäude, ist behindertengerecht ausgebaut. Es soll dazu dienen, dass Frauen und Kinder nach ihren traumatischen Erlebnissen wieder „zur Ruhe kommen können“, wie es Vaupel ausdrückt. Die Zimmer würden überschaubar belegt.

„Das heile Familienleben soll hier, so gut es geht, wieder hergestellt und gelebt werden“, sagt Engelhard. Ziel sei es, den Frauen und Kindern wieder ein Stück mehr Sicherheit und Selbstbewusstsein auf ihrem weiteren Weg hier in Deutschland zu geben.

Für die Betreuung dieser Menschen sei nur weibliches Betreuungspersonal vorgesehen, ergänzte der Vitos-Geschäftsführer. Eine Belegung mit weiblichen Flüchtlingen und ihren Kindern sei für etwa zwei Jahre möglich.
Mit diesen Plänen sind Überlegungen vom Tisch, in eines 
der leerstehenden Kliniksgebäude eine Wohngruppe von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen unterzubringen.

Marc Engelhard erteilte solchen Überlegungen aus prinzipiellen Überlegungen eine Absage: „Traumatisierte Jungen – und um die handelt es sich überwiegend bei den minderjährigen unbegleiteten Flüchtlingen – in unmittelbarer Nachbarschaft zu traumatisierten Mädchen, die in unserer Kinder- und Jugendpsychiatrie behandelt werden, das passt einfach nicht zusammen“, sagte der Vitos-Geschäftsführer.

Aufnahmeverpflichtung für 2015 kann erfüllt werden

Marburgs Oberbürgermeister 
Egon Vaupel sieht die Stadt 
unterdessen auf gutem Wege, 
ihre ursprüngliche Aufnahmeverpflichtung von zugewiesenen Flüchtlingen zu erfüllen. Die Stadt habe bereits mehr als 350 Flüchtlinge in diesem Jahr dauerhaft aufgenommen.

Das Stadtoberhaupt ist optimistisch, dass bis zum Jahresende weitere 200 Plätze geschaffen werden können – „zum Teil im Vorgriff auf Verpflichtungen, die im Jahr 2016 auf uns zukommen werden“, sagt Vaupel. Für 2015 betrage die Aufnahmeverpflichtung der Stadt gegenüber dem Land 430.

Vaupel appellierte erneut an Vermieter, nicht benötigten Raum der Stadt zur Vermietung anzubieten, damit hier nach 
einem entsprechenden Umbau 
Flüchtlinge untergebracht werden können. Insbesondere bei bisher gewerblich genutzten Räumen sieht er noch Spielraum.

von Till Conrad

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