Volltextsuche über das Angebot:

1 ° / 0 ° Schneeregen

Navigation:
Ein Räuber stürmt das Kreishaus

Jahrbuch-Präsentation Ein Räuber stürmt das Kreishaus

Es geht um Breidenbach und Kirchhain, um Räubergeschichten früher und heute und um viele weitere Themen aus der Region. Im Jahrbuch 2013 haben sich 57 Autoren mit der Zeitgeschichte auseinandergesetzt.

Marburg. Jetzt geht‘s dem Landrat an den Kragen. Ein Räuber mit Schwert und Pistole stürmt brüllend den Saal, baut sich vor Robert Fischbach auf und zwingt ihn zur Herausgabe der Geldschatulle. Danach beraubt er einige Damen ihres Schmucks und ihrer Pelzjacken, bevor er rüpelnd wieder verschwindet.

Mit seinem „Überfall“ bringt Stefan Landmann, Mitarbeiter der Kreisverwaltung, gute Stimmung in den Saal - und schafft die passende Überleitung zum Vortrag von Anna Margarethe Becker, die sich als angehende Kulturwissenschaftlerin mit Räubergeschichten im Wandel der Zeit auseinandergesetzt hat. Becker stellt einen von vielen Beiträgen aus dem Jahrbuch 2013 vor, das der Landkreis während einer Feier im Kreishaus vorstellte.

Die Hauptrednerin des Abends nahm ihre Zuhörer mit in die Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648), in der zunehmend Räuberbanden durchs Land streiften - entstanden aus marodierenden Söldnertrupps. Eine Bande soll sich auch in der Harthmühle bei Mengsberg niedergelassen haben. Dieser Ort sei in zweierlei Hinsicht das perfekte Versteck gewesen, berichtete Becker: Die Mühle lag außerhalb der Siedlung und nahe der damals hessisch-mainzerischen Grenze. „Begingen die Räuber einen Raubzug auf der anderen Seite der Grenze, so entzogen sie sich den Streifen durch die Flucht über die Grenze.“

Viele Geschichten über die Gräueltaten brutaler Räuber sind überliefert. Im frühen 19. Jahrhundert entstand das romantisierte Bild des Räubers, erklärte Becker. Figuren wie Robin Hood stehen für den Frauenhelden, den Rächer der Armen und Unterdrückten - und haben nur noch wenig mit den Geschichten der mordenden Räuber von früher gemeinsam.

Vom Personenstandsarchiv bis zum Waisenhausprojekt

Früher und heute, Vergangenheit und Gegenwart: Das Jahrbuch greift viele Themen aus dem Landkreis auf und stellt Entwicklungen dar. 57 Autoren haben mitgewirkt, die Redaktion um Dr. Markus Morr, Leiter des Presse- und Kulturamts beim Landkreis, hat die Beiträge aus einer großen Zahl von bereitgestellten Texten ausgewählt. Alljährlich stellen sich zwei Kommunen aus dem Kreis im Jahrbuch vor. Diesmal bilden Breidenbach und Kirchhain den Rahmen für Beiträge über den Grenzgang Biedenkopf, über das Personenstandsarchiv Hessen in Neustadt, historische Wetterbeobachtungen und einen Beitrag von OP-Redakteurin Nadine Weigel, die ihr Waisenhausprojekt vorstellt. Für rund 20 Jungen und Mädchen wird mit Spenden aus dem Landkreis ein würdiges Leben in Mombasa ermöglicht.

Das sind nur einige Beispiele aus dem reichen Angebot des Jahrbuchs mit seinen 272 Seiten - lesenswert für jeden, der sich für Heimatgeschichte und aktuelle Entwicklungen in der Region interessiert. Landrat Robert Fischbach ist stolz auf das Werk - und auf den Erfolg der Reihe „Jahrbücher“, die sich selbst finanziere und den Landkreis nichts koste. Dabei sei der Erscheinungstermin - das Jahrbuch ist ab heute für 5,95 Euro im Buchhandel erhältlich - nicht zufällig gewählt. Fischbach hofft, dass es als „passendes und attraktives Geschenk“ unter vielen Weihnachtsbäumen liegt. Bei der Präsentation im Kreishaus wurde den Besuchern im gut gefüllten Tagungssaal vieles geboten. Für Kirchhain und Breidenbach boten der Männergesangverein Niederwald und die Tanzgemeinschaft Breidenbacher Grund ein heimattypisches Programm: Die Sänger unterhielten unter anderem mit der toll arrangierten und lebhaft vorgetragenen „Diplomatenjagd“, die vier Tanzpaare mit einer charmanten Vorführungen von Volkstänzen in Tracht.

Das Jahrbuch 2013 ist vierfarbig, 272 Seiten stark mit festem Einband. Unter ISBN: 978-3-9811350-5-3 ist es im Buchhandel erhältlich.

von Carina Becker

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Marburg