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Ein Platz, um Konflikte zu lösen

DRK-Friedenstisch Ein Platz, um Konflikte zu lösen

Persönliche Konfliktgespräche können in Zukunft an einem Ort gelöst werden, der speziell dafür gemacht wurde. Zur Einweihung herrschte am Friedenstisch vor dem Marburger DRK-Forum durchweg friedliche Stimmung.

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Der Künstler Hans Ruedi „H. R.“ Fricker steht mit seiner Frau hinter dem Werk, auf dem es zur Einweihung nur eitel Sonnenschein gab. Der Platz soll Menschen einfach dazu animieren, aktiv ihre Streitigkeiten beizulegen.

Quelle: Suria Reiche

Marburg. Er ist groß, rot-weiß und hat die Form eines Kreuzes. Was aber am wichtigsten ist: Er soll Frieden bringen. Nämlich den Menschen, die sich an ihn setzen, um gemeinsam ihre Konflikte zu lösen. Der Name des tonnenschweren Tisches, der am Samstagnachmittag vor dem DRK-Forum in Marburg-Cappel eingeweiht wurde, ist daher sehr naheliegend: Er ist ein Friedenstisch. Nachdem in Österreich, der Schweiz, Berlin und Stuttgart solche Exemplare ihren Platz gefunden haben, ist der Tisch in Marburg der fünfte seiner Art.

Entworfen hat ihn der Schweizer Künstler Hans Ruedi „H. R.“ Fricker, der zur Einweihung seines Werkes am Samstagnachmittag extra aus der Schweiz angereist war. Eigentlich, so sagte Markus Müller, Geschäftsführer des DRK Rettungsdienstes Mittelhessen, war dafür sogar ein kleines Sommerfest geplant.

Doch auf Mitarbeiter des Roten Kreuzes warten nicht selten wichtigere Aufgaben. Diesmal waren es Unterkünfte für mehr als 700 Menschen, die in Stadtallendorf hergerichtet werden mussten. „Aber für so etwas sind wir vom DRK da“, sagte Müller. Also kein Sommerfest, stattdessen eine kleine gesellige Einweihung des Friedenstisches, dessen Modell der Künstler vor sieben Jahren mit Legosteinen baute und anlässlich der Feierlichkeiten zum hundertsten Todestag des Humanisten Henry Dunant dem „Verein Dunant-Jahr 2010plus“ vorstellte.

„Ich hatte die Aufgabe, etwas für den Weltfrieden zu entwerfen. Aber mir war die Begegnung unter Privatpersonen viel lieber“, erklärte Fricker. Denn immerhin wirke sich diese ja am allermeisten auf den Weltfrieden aus.

Künstler hätte ihn gerne „Konflikttisch“ genannt

Mit dem Namen „Friedenstisch“ sei er jedoch nicht ganz einverstanden, sagte Fricker weiter, „das klingt so, als wären die Konflikte schon gelöst.“

Seiner Meinung nach wäre die Bezeichnung „Konflikttisch“ oder „Krisentisch“ besser geeignet. Immerhin seien Konflikte ja auch etwas Produktives. „Vorausgesetzt, sie werden richtig angegangen“, so Marburgs Bürgermeister Dr. Franz Kahle (Bündnis 90/Die Grünen).

Und die Beschreibung dafür, wie so ein Konflikt richtig angegangen wird, liefert der Tisch gleich mit. Auf allen seinen Seiten ist nämlich die „Heidener Konvention“ aufgedruckt. Benannt nach dem letzten Wohnort Dunants und angelehnt an die Genfer Konvention beschreibt sie die Grundsätze, die zur Lösung jedes Konflikts gelten sollen: Freiwilligkeit, Respekt, Offenheit, Zuhören, Verbindlichkeit und Umsetzung. „Damit er von vielen Menschen gesehen wird, haben wir den Tisch direkt vor dem Haus platziert“, erklärte Müller. Jetzt muss er also nur noch angenommen werden.

von Suria Reiche

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