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Ein Platz, der Trauer Raum und Zeit gibt

Trauercafé Ein Platz, der Trauer Raum und Zeit gibt

Das Trauercafé ist ein kostenfreies, zu nichts verpflichtendes Angebot der Johanniter. Es richtet sich an Menschen, die trauern und das Bedürfnis haben, sich mit anderen Trauernden mal in Ruhe auszutauschen.

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Der Regionalvorstand der Johanniter Marco Schulte-Lünzum und Diplom-Pädagogin Gertrud Rücker sitzen im gemütlichen Café Aroma, wo das Trauercafé stattfinden soll.

Quelle: Götz Schaub

Marburg. Menschen, die einen geliebten Angehörigen, Partner oder Freund durch Tod verloren haben, trauern. Gleichzeitig müssen sie sich aber mit einer veränderten Lebenssituation auseinandersetzen. Die Wege, wie Menschen mit ihrer Trauer umgehen, sind vielfältig wie auch die Intensität und Dauer sehr unterschiedlich sein können.

„Es gibt Menschen, die sie immer fühlen. Bei anderen kommt sie in Wellen oder einfach ganz plötzlich, selbst wenn der Verlust des geliebten Menschen schon Jahre zurückliegt“, sagt Gertrud Rücker, Koordinatorin Ambulanter Hospizdienst des Regionalverbandes Mittelhessen der Johanniter.

Durch die Begleitung von Menschen in ihrer letzten Lebensphase im Hospizdienst hat sie auch als Trauerbegleiterin sehr umfangreiche Erfahrung damit, wie unterschiedlich sich Trauer bei den Hinterbliebenen gestalten kann.

Sie weiß, dass es für viele Menschen sehr hilfreich ist, sich mit anderen Trauernden zu treffen, sich einfach mal auszutauschen, vielleicht gar mal miteinander zu lachen oder zu weinen. Und dies nicht irgendwo, sondern schon mitten im Leben, in einem Café.

Raum strahlt Gemütlichkeit und Behaglichkeit aus

Allerdings in einem Café, das für die Besuchszeit der Trauernden auch nur für sie geöffnet hat. „Es geht dabei sehr stark um das Ambiente, das öffentlich sein, aber gleichzeitig auch einen geschützten Raum bieten soll“, so Rücker. Bei der Suche nach einem geeigneten Ort wurde sie schnell fündig.

Das Café Aroma in der Schwanallee 29a in Marburg ist der perfekte Platz. Es strahlt Gemütlichkeit und Behaglichkeit aus, es ist ein Teil des Lebens in Marburg und bietet doch einen Ort, der Trauer Raum und Zeit gibt.

Das einzige, was vorgegeben ist, sind die Termine. Alles andere wird sich finden, wird von den Menschen abhängen, die daran teilnehmen möchten. Aktiv wie passiv, wie Rücker betont. So unterschiedlich die Trauer ist, so unterschiedlich sind die Bedürfnisse der Trauernden.

Manchen reicht es schon, einfach nur unter Menschen zu sitzen, die ein Verständnis dafür haben, wie man sich gerade fühlt. Anderen ist nach reden zu Mute. Vielleicht über die Menschen, die man verloren hat, aber vielleicht auch über ganz andere Dinge, aber trotzdem dann mit Gesprächspartnern, die die Gefühle und Stimmungsschwankungen einordnen und nachvollziehen können.

Zuhören, mitreden oder einfach nur dabei sein

Manchen hilft es schon weiter, einfach mal zu hören, was andere zum Beispiel mit der Kleidung des Verstorbenen gemacht haben, ob oder ab wann sie Änderungen in der gemeinsamen Wohnung oder im Haus vorgenommen haben oder ob es ihnen auch schwer fällt, irgendetwas zu tun. Man kann dort also Themen ansprechen, bei denen Menschen, die gefühlsmäßig nicht so nahe dran sind, durch rationales und nüchternes Denken einfach nur bedingt helfen können.

„Alle Menschen, die trauern, sind eingeladen zu kommen. Dabei spielt das Alter, die Nationalität und auch die Religionszugehörigkeit, falls vorhanden, keine Rolle“, erläutert Rücker. Mit alle sind auch alle gemeint, also nicht nur jene Menschen, die Rücker vielleicht schon aus dem Hospizdienst kennen.

Erwartungshaltung der Gäste spielt wichtige Rolle

„Der Besuch des Trauercafés kann auch ein guter Anlass sein, einen ersten Schritt ins Leben nach dem Verlust eines Menschen zu unternehmen“, sagt Marco Schulte-Lünzum, Hauptamtlicher Regionalvorstand der Johanniter Mittelhessen. „Man geht einfach aus dem Haus, geht wohin, hat ein konkretes Ziel. Wer das noch nicht alleine machen möchte, kann auch in Begleitung einer Bezugsperson hierher kommen“, führt er weiter aus.

Natürlich muss auch Gertrud Rücker erst einmal sehen, wer denn zum ersten Treffen am kommenden Dienstag, 4. Oktober, ab 15 Uhr kommt und was die Erwartungshaltung der Gäste sein wird. „Es ist nichts in Stein gemeißelt, wir können flexibel auf die Bedürfnisse der Trauernden Menschen reagieren“, sagt dazu Schulte-Lünzum.

Jedenfalls wird Gertrud Rücker mit einem kleinen geschulten ehrenamtlichen Team dabei sein, bewusst auch immer mit mindestens einem Mann im Team. „Wir können gerne den Gästen einen kleinen Input, also Impulse für Gespräche geben.“ Wichtig sei, dass sich jeder wohlfühlt, neue Kontakte knüpfen kann und Hilfestellungen erhält.

Rücker: „Trauer ist ganz individuell. Man kann also gerne regelmäßig oder auch in Abständen kommen.“

von Götz Schaub

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