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Ein Plädoyer gegen das Kleinbürgertum

Plakat Ein Plädoyer gegen das Kleinbürgertum

Er ist Humanist, Querdenker und streitbar: Der pensionierte Metzgermeister Franz Becker sorgt mit einem Schild gegen den Überwachungsskandal in der Weidenhäuser Straße für Gesprächsstoff.

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Dieses Plakat hat Franz Becker in der Weidenhäuser Straße aufgestellt. Im Orginal steht zusätzlich noch die Telefonnummer des pensionierten Metzgermeisters.

Quelle: Andreas Arlt

Marburg. Nicht selten bleiben Fußgänger in diesen Tagen vor einem handgeschriebenen Schild in der Weidenhäuser Straße stehen. „Eine Feststellung in eigener Sache“ heißt es dort in blauer und roter Schrift.

Der Unterzeichner ist der pensionierte Metzgermeister Franz Becker, der nicht zum ersten Mal mit seinen Plakaten für Aufsehen sorgt - und sorgen will. „Ich mache das 30 Jahren so“, sagte Becker, „wann immer ich etwas zu sagen habe, mache ich das auch“.

Auto wurde schon aus dem Verkehr gezogen

2003 beispielsweise äußerte sich der 81-Jährige zum Irakkrieg und verurteilte die Verursacher auf Plakaten auf das Schärfste. „Bush und seine Kollegen - Staatsterroristen“ stand dort unter anderem geschrieben. Das Ordnungsamt beschlagnahmte die Plakate und eine vehement geführte öffentliche Debatte entbrannte, in welcher Form Kritik geäußert werden darf. Becker versteht das nicht. „Es passt mir nicht. Dann darf ich das auch sagen.“

Gleiches gelte für Meinungen auf seinem Auto, mit dem er vor einigen Jahren an der Elisabethkirche aus dem Verkehr gezogen worden sei. „Im Nachhinein mussten mir auch die Richter zugestehen, dass alles gestimmt hat“, sagte Becker.

Von seiner Meinung lässt er sich nicht abbringen und auch nicht davon, sie öffentlich zu äußern. Das Jüngstes Beispiel ist ein Plakat, dass den NSA-Überwachungsskandal thematisiert und auch die Rolle von Bundeskanzlerin Angela Merkel dabei kritisiert. Viel Zuspruch habe er bisher dafür erhalten, die meisten Menschen teilten seine Ansichten, die dort inhaltlich festgehalten sind.

Kritik an der „deutschen Mentalität“

Die Wortwahl, Becker schreibt unter anderem, dass er „weder von deutschen, noch weniger von amerikanischen Arschlöchern“ permanent überwacht werden wolle, hat er bewusst gewählt.

Kleinbürgerlich sei es, sich daran zu stören. „Es ist die deutsche Mentalität, möglichst leise zu sein. Selbst bei einer Revolution - und die halte ich für notwendig - würden die Leute erst zum Landratsamt gehen und fragen, wie hoch die Barrikaden sein dürfen“, sagte Becker. Das Ordnungsamt habe das Plakat bisher nicht beanstandet.

von Andreas Arlt

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