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Ein Park als Objekt der Begierde

Vorschlag: leerstehende Gebäude für Flüchtlinge Ein Park als Objekt der Begierde

Aus Sicht der Marburger Grünen steht einer Bebauung des Vitospark-Geländes nichts im Wege.

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Eine der leerstehenden Gebäudegruppen im Vitos-Park. Die Agenda nachhaltige Stadtentwicklung will sie für die Unterbringung von Flüchtlingen nutzen.

Quelle: privat

Marburg. „Wir als Grüne stehen hinter der geplanten Bebauung des Vitos-Geländes“, sagt Grünen-Sprecher Christian Schmidt im Gespräch mit der OP. „Gerade auch mit Blick darauf, dass dort nahezu 200 Wohneinheiten entstehen sollen, die dringend benötigt werden“, ergänzt Schmidt. Die besondere parkartige Gestaltung des Geländes mit seinen stattlichen alten Bäumen werde in der vorgesehenen Änderung des Bebauungsplans nicht angetastet.

„Der dortige Baumbestand an Roteichen, der ohnehin weder heimisch noch standortgerecht ist, und der größtenteils entfernt werden müsste, steht für uns der Bebauung des Geländes nicht im Weg“, erklärte Schmitt. In der vergangenen Woche hatte das Verwaltungsgericht in Gießen einen Eilantrag von Anwohnern abgelehnt, die das gesamte Gelände zum Landschaftsschutzgebiet erklären lassen und bis dahin eine Veränderungssperre erreichen wollten.

Die Grünen sprechen von einer „geringen ökologischen Wertigkeit“ der geringen ökologischen Wertigkeit des Roteichenbestandes. Der beauftragte Fachgutachter, der Naturschutzbeirat, in dem die Naturschutzverbände vertreten sind, die untere Naturschutzbehörde, die in die Rodungsgenehmigung involviert war, und schließlich das RP Gießen mit seiner Ablehnung eines Landschaftsschutzgebietes hätten dies „einhellig und aus unserer Sicht nachvollziehbar“ so nachvollzogen.

Der Magistrat will in diesem Herbst einen neuen Bebauungsplan für das Gelände zwischen Cappeler Straße und Friedrich-Ebert-Straße beschließen. Angestrebt wird der Bau von 200 Sozialwohnungen. Das Vorhaben ist überaus umstritten. Im Sommer bescheinigte ein Gutachten des Marburger Vogelschutzbeauftragten Professor Dr. Martin Kraft, dass mindestens 60 Vogelarten auf dem Gelände heimisch sind, die zum Teil auf der Roten Liste der bedrohten Arten stehen.

Lokale Agenda appelliert
 an „Menschlichkeit“

Auch die Lokale Agenda – AG Nachhaltige Stadtentwicklung – meldet sich in der Diskussion um die zukünftige Nutzung des Parks und seiner Gebäude zu Wort. Sie schrieb an den Geschäftsführer der Vitos-Kliniken, Marc Engelhard. Nachdem mehrere Gebäudegruppen nicht mehr benutzt werden – unter anderem die frühere allgemeine Psychiatrische Station, die Station Gerontopsychiatrie sowie das Personalwohnhaus – bölten sich diese Immobilien für die Unterbringung von Flüchtlingen an. Die Gebäudegruppen befänden sich baulich in einem „hervorragenden Zustand“, sagte Sprecher Gerhard Haberle.

Auch der Ombudsmann für die Flüchtlinge im Zeltcamp an der Umgehungsstraße in Cappel, Karl Otto Beckmann, hatte die Gebäude auf dem Vitos-Gelände als Unterbringung „im Notfall“ ins Spiel gebracht. Eine Unterbringung von Flüchtlingen „im Sinne der Nächstenliebe“ sei geboten, schrieb des Agenda an Engelhard. Der antwortete nur, die Vitos-Kliniken seien in dieser Frage in engem Kontakt mit der Stadt Marburg.

Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) wandte sich gegen „pauschale Lösungen“. Immer wenn der Einzelfall es erfordere, einzelnen Flüchtlingen aus der Erstaufnahmeeinrichtung eine andere Unterkunft zuzuweisen, sei dies geräuschlos und unbörokraztisch gelungen. Die Stadt spreche mit Vitos zudem über die Nutzung leerstehender Gebäudegruppen für die Unterbringung für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge.
Das erste der Holzhäuser auf dem Platz an der Umgehungsstraße soll bis Anfang November bezugsfertig sein.

von Till Conrad

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